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20. Januar 2010, 18:07 Uhr

Schalldämpfer aus Cola-Flaschen

Mordeten sie aus Habgier oder hatten sie andere Motive? Offenbar hatten die mutmaßlichen Vierfachmörder von Eislingen ihre Bluttat akribisch vorbereitet. Am Mittwoch ergab die Verhandlung: Mit einfachen Alltagsgegenständen hatten die Angeklagten ihre Pistolen sorgsam präpariert. Von Malte Arnsperger, Ulm

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Im April präsentierte die Polizei die mutmaßlichen Tatwaffen von Eislingen© Daniel Maurer/AP

Ein paar dünne Aluminiumrohre, etwas Kabelbinder, ein paar Streifen Isolierband und zwei 1,5 Liter Cola PET-Flaschen - die Angeklagten im Prozess um den Eislinger Vierfachmord brauchen nicht viel, um ihre Tatwaffen noch gefährlicher zu machen. Mit den selbst gebastelten Schalldämpfern und zwei Pistolen hatten Andreas Häussler und Frederik Begenat laut Anklage in der Nacht zu Karfreitag 2009 die beiden Eltern und die beiden Schwestern von Andreas erschossen.

Am 11. Verhandlungstag beschrieb ein Kriminaltechniker am Dienstag dem Landgericht in Ulm, welche Fingerfertigkeit und Präzision erforderlich ist, um funktionstüchtige Schalldämpfer anzufertigen. Und wie viel Zeit. Vermutlich hatten die beiden Freunde schon Wochen vor der Tat mit der aufwendigen Bastelei der Schalldämpfer begonnen. Ein Hinweis darauf, dass der Vierfach-Mord keine Kurzschlussreaktion war, sondern von langer Hand geplant.

Die Staatsanwaltschaft wirft Häussler und Begenat vor, aus Habgier vier Menschen ermordet zu haben - Häusslers Eltern und seine zwei Schwestern. Die Verteidiger der beiden Angeklagten dagegen haben eine andere These, sie glauben, dass Andreas Häussler einen Hass gegen seinen Vater hegte und den Freund bat, ihn von seiner Familie zu befreien. Frederik hat gestanden, alleine geschossen zu haben - aus falsch verstandener Freundschaft, wie er zu Beginn des Prozesses aussagte.

Schmauchspuren an Körper und Kleidung

"So eine Konstruktion habe ich noch nie gesehen", sagte Kriminaltechniker Joachim Merkel, als er die Funktionsweise der Flaschen-Schalldämpfer mit Hilfe eines Nachbaus vor Gericht erklärte. So ganz ungewöhnlich ist die Konstruktion allerdings nicht: "Man findet die Bauanleitung dazu im Internet." Die Täter, so erklärte es der Experte, haben die Flaschen auf den Lauf ihrer Pistolen gesteckt. Als Verlängerung des Laufes dienten Aluminiumrohre, die sie mit Kabelbinder und Isolierband befestig hatten. Mehrere Kerben in den Rohren sollten dafür sorgen, dass sich der Schall des Schusses in der Flasche ausbreiten konnte, was zur Dämpfung der Lautstärke führt.

Auch mit den Schmauchspuren an Körper und Kleidung der beiden jungen Männer hatte sich Merkel beschäftigt. Zwar seien bei Begenat Spuren an der Jacke gefunden worden. Doch diese könnten auch aus der Zeit vor der Tat stammen. Lediglich bei Andreas Häussler habe man einzelne Schmauchpartikel an den Händen gefunden. Dies ist aber nach Einschätzung des Experten kein Beweis, dass auch Andreas geschossen hat. Denn die Spuren könnten auch beim Berühren der Leichen entstanden sein. Eine Steilvorlage für die Verteidiger der beiden Angeklagten. "Die Polizei hatte also zuerst überhaupt keine Beweise", sagte Frederiks Anwalt Klaus Schulz in einer Prozesspause. "Erst als mein Mandant einige Tage nach der Tat ausgesagt hat, konnte die Polizei die Tatwaffen finden und hatte fundierte Beweise."

Nach Lesart der Verteidigung bekommen damit die Geständnisse der beiden Angeklagten ein viel stärkeres Gewicht und könnten so strafmildernd wirken. Begenat und Häussler droht bei einer Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht lebenslange Haft. Sollten sie nach Jugendstrafrecht verurteilt werden, liegt die Höchststrafe bei zehn Jahren Gefängnis. Der Gerichtsmediziner Frank Reuther berichtete dem Gericht von den Verletzungen der Opfer. Sachlich sprach er von durchschossenen Herzen, aufgesprengten Schädeln und durchtrennten Wirbelsäulen. Andreas Häussler und Frederik Begenat verfolgten regungslos die detaillierten Schilderungen des Mediziners. Selbst als die Leichen der toten Schwestern auf einer großen Leinwand gezeigt wurden, zeigten sie keine Reaktion.

Von Malte Arnsperger, Ulm
 
 
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