"Ich hatte Angst zu sterben"

25. November 2012, 16:00 Uhr

Nach ihrer glücklichen Befreiung in Deutschland hat die 15-jährige Französin Chloé erstmals über ihre Zeit in Gefangenschaft gesprochen. Sie hatte eine Woche lang Todesangst.

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"Sieg für Chloé, wir lieben dich!" Mit einem Banner vor dem Laden von Cloés Eltern zeigen die Anwohner des südfranzösischen Ortes Barjac ihre Freude über das glückliche Ende der Entführung.©

Acht Tage nach ihrer glücklichen Befreiung hat die 15 Jahre alte Französin Chloé erstmals über ihre Woche in Gefangenschaft gesprochen. Sie habe unter "Todesangst" gelitten, sagte die Französin dem Magazin "66 Minutes" des TV-Senders M6.

Am Abend des 9. November habe Chloé ihren Motorroller bei der Garage ihres Elternhauses abgestellt, als ein Mann in den Hof gekommen sei. Sie sei vor ihm weggerannt, dabei aber hingefallen. Der Mann habe sie dann zu einem Auto geführt. Anfangs sei es schlimm gewesen: Sie habe gedacht, "nie mehr nach Hause zurückzukehren", sagte Chloé. Sie habe sich wie "vernichtet" gefühlt. In einer solchen Situation "hat man nichts als Angst. Das war mir völlig unbekannt. Ja, ich hatte Angst. Ich hatte Angst, zu sterben, nie mehr nach Hause zu kommen". Während einer Woche habe sie nur anderthalb Liter getrunken und wenig gegessen.

Als sie dann den Suchappell ihrer Mutter im Rundfunk gehört habe, habe ihr das neue Kraft gegeben. Ihr Entführer habe ihr gesagt, dass sie vor Weihnachten wieder bei ihrer Familie sein werde. An diese Hoffnung habe sie sich geklammert. Ihr Entführer habe ihr "nicht direkt" etwas Böses antun wollen.

Entführer ist vorbestrafter Sexualtäter

Die Frage nach möglichen sexuellen Übergriffen bleibt dagegen weiterhin offen. "Offensichtlich" sei dies nicht der Fall, hatte Chloés Vater am Dienstag bereits dem französischen Privatsender RMC gegenüber erwähnt. Er kenne aber nicht alle Einzelheiten der Ermittlungen.

Die Schülerin war am 9. November vor dem Haus ihrer Eltern im Ort Barjac nahe der südfranzösischen Stadt Nîmes von einem 32-jährigen Franzosen verschleppt worden. Eine Woche später wurde das Mädchen nahe der baden-württembergischen Stadt Offenburg von Polizisten gefunden, die ihren Entführer nach dem Diebstahl eines Laptops aus einem Auto verfolgt hatten. Die Beamten fanden das Mädchen im Kofferraum des Fluchtautos. Ihr Entführer ist ein vorbestrafter Sexualtäter.

Die Staatsanwaltschaft in Nîmes hat gegen den mutmaßlichen Entführer Ermittlungen wegen Entführung, Freiheitsberaubung und Vergewaltigung eingeleitet. Die Ermittlungen wegen Vergewaltigung wurden mit dem "Profil des Täters" begründet. Angaben aus französischen Fahnderkreisen, wonach Chloé bei ihrer Vernehmung in Offenburg am Freitag abend auch von Vergewaltigung gesprochen haben soll, wurden weder in Deutschland noch in Frankreich offiziell bestätigt. Die französische Justiz prüft unterdessen auch, wieso der 32-Jährige nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis im September nicht ausreichend überwacht wurde. Zuletzt war der Mann wegen eines Sexualdelikts zu fünf Jahren Haft verurteilt worden.

jwi/AFP
 
 
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