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4. Oktober 2009, 13:22 Uhr

Gerade 14 und schon "völlig gefühllos"

Der Peiniger der kleinen Kassandra soll gerade mal 14 Jahre alt sein. Der verhaltensgestörte Förderschüler soll das Mädchen brutal misshandelt und verletzt in einen Gully-Schacht geworfen haben. Ein Richter erließ Haftbefehl wegen versuchten Mordes.

Fall Kassandra

Wolfgang Siegmund, der Leiter der Mordkommission© Julian Stratenschulte/DPA

Aufatmen im beschaulichen Velbert-Neviges nahe Essen: Die Ermittler sind sich sicher, den grausamen Peiniger der kleinen Kassandra (9) hinter Schloss und Riegel gebracht zu haben. Aber gleichzeitig löst die Nachricht noch mal einen Schock aus. Denn der Tatverdächtige ist gerade mal 14 Jahre alt. Der verhaltensgestörte Förderschüler soll das Mädchen brutal misshandelt und lebensgefährlich verletzt in einen Gully-Schacht geworfen haben. Ein Richter erließ Haftbefehl wegen versuchten Mordes.

Die Ermittler müssen sich auf einen aufwendigen Indizienprozess vorbereiten, falls Kassandra, die immer noch nicht vernommen werden konnte, den Jugendlichen nicht identifizieren kann. Denn der Schüler bestreitet die Tat - so geschickt, dass die Ermittler ihn nach einer Zeugenvernehmung vor zwei Wochen ziehen ließen. Abgeklärt, ja "völlig gefühllos" habe er gewirkt, berichtete der Leiter der Mordkommission, Wolfgang Siegmund, am Samstag in Mettmann. Seine Kaltblütigkeit sei "in höchstem Maße beeindruckend".

Das Motiv ist unklar

Der 14-Jährige und Kassandra kannten sich aus der Spieleveranstaltung "Treff 51". Der Jugendliche soll sogar unmittelbar nach der Tat zum Tatort zurückgekehrt sein und sich scheinheilig an der Suche nach Kassandra beteiligt haben.

Das neunjährige Mädchen war vor knapp drei Wochen aus dem Spieltreff nicht nach Hause zurückgekehrt. Die Eltern meldeten Kassandra als vermisst, und Stunden später fand ein Spürhund das unterkühlte Mädchen dem Tode nahe in einem Kanalschacht hinter einer Turnhalle. Obenauf lag der Gullydeckel, das Mädchen war praktisch lebendig begraben. Mit einer Not-Operation im Uni-Klinikum Essen konnte Kassandra gerettet werden. Nach Tagen im künstlichen Koma ist sie inzwischen deutlich auf dem Weg der Besserung.

100 Polizisten hatten die Umgebung des Tatorts nach Spuren abgesucht. Dabei fanden sie die sorgfältig versteckte Jacke Kassandras und ein nicht näher beschriebenes "Tatmittel". An beiden fand das Landeskriminalamt außer dem Blut Kassandras auch Faserspuren, die mit denen der Oberbekleidung des 14-Jährigen übereinstimmen. Daraufhin wurde der gerade strafmündige Junge am Freitagabend festgenommen. Ergebnisse der DNA-Analyse lagen am Samstag noch nicht vor.

Außer den Faserspuren deuten Zeugenaussagen auf den 14-Jährigen hin. Er wurde zur Tatzeit in Tatortnähe gesehen und soll mit einem Fahrrad fluchtartig das Gelände verlassen haben, auf dem Kassandra Stunden später gefunden wurde. Er sei zwar sozial auffällig, aber normal intelligent.

Die Familienverhältnisse sind unauffällig. Dennoch gab es eine Vorgeschichte: Der Förderschüler hatte Hausverbot in dem Spieltreff. Eltern hatten sich beschwert, dass er die kleineren Kinder ärgere.

Gegen den 14-Jährigen war zudem schon früher wegen Beleidigung und Sachbeschädigung ermittelt worden. Die Verfahren wurden aber eingestellt. Ein Verfahren wegen Körperverletzung läuft aber noch - auch dazu wurde er unlängst vernommen. Er soll einen Gleichaltrigen verletzt haben. Wegen seiner Verhaltensauffälligkeit war er in einer Förderschule für soziale und emotionale Entwicklung. Wie es heißt, sind die Eltern des 14-Jährigen schockiert von der Festnahme. Sie glauben den Beteuerungen ihres Sohnes, nichts mit dem Verbrechen zu tun zu haben.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 41)
 
Administrator (05.10.2009, 15:41 Uhr)
Liebe User,
wir schließen die Debatte an dieser Stelle.

Herzliche Grüße,

Ihre stern.de-Admins
Beelzebub (05.10.2009, 15:26 Uhr)
@ Pixelschubser
Wenn irgendwann einmal SIE derjenige sein sollten, der von einer Gruppe gefährlicher ( gleichwohl von vor Verständnisinnigkeit triefenden Richtern immer wieder freigelassener) Gewalttäter zusamengeschlagen und -getreten wird, und wenn SIE sich dann im Krankenhaus, winselnd vor Schmerzen, im Bett krümmen und der Arzt Ihnen ein Schmerzmittel mit der Begründung verweigert, er wolle nicht an den Symptomen herumdoktern, sondern die Ursache der Schmerzen beseitigen, dann werden vielleicht sogar SIE begreifen, wie sinnvoll es sein kann, "nur" die Symptome zu bekämpfen, besonders dann, wenn man die Krankheit nicht ohne weiteres beseitigen kann.

Und was "unsere Kinder" betrifft: auch die Opfer sind UNSERE KINDER! Ob Sie wohl auch den traurigen Mut hätten, einerm Elternpaar ins Gesicht zu sagen: "Wir wissen, dass der Mörder ihres Kindes ein gefährlicher Gewalttäter ist, wir wollten ihn aber nicht einfach nur wegschließen, denn das wäre ja die bloße Bekämpfung eines Symptoms gewesen und hätte die Krankheit nicht beseitigt."

Jetzt was kapiert?

@ Lou 123

Nicht jede Schulhofrauferei, nicht jede Backpfeife und nicht jeder Tritt ans Schenbein sind knastwürdige Gewalt.

In meinen Beiträgen ist ausdrücklich von GEFÄHRLICHER GEWALT die Rede. Hierzu gehören z.B. Messerstechereien, Tritte gegen den Kopf eines am Boden liegenden oder blindwütiges Drauflosdreschen mit einem Baseballschläger. Ein solches Verhalten sollte IMMER als versuchter Mord betrachtet und entsprechend geahndet werden - mit, wie mehrfach begründet, Haftstrafen von 20 Jahren an aufwärts. Selbst wenn das potentielle Täter nicht abschreckt, hindert es zumindest verurteilte Täter für lange Zeit am Rückfall. Und das ist schon weit mehr, als die Samthandschuh"straf"justiz erreicht hat und je wird erreichen können.
niketz (05.10.2009, 15:17 Uhr)
Natürlich...
ist die seit Jahren verstärkt auftretende Jugendkriminalität und -Gewalttätigkeit ein Ergebnis falscher Politik. Natürlich werden diese Kinder und Jugendlichen nicht so geboren, sondern durch Missstände in Elternhaus und Umfeld fehlgeleitet. Natürlich müssten sich die Zustände durch massive Unterstützung bei Erziehung und Betreuung langfristig verbessern lassen. Aber... was hilft mir das JETZT? Mein Kind ist JETZT in der Grundschule und muss JETZT mit den An- und Übergriffen dieser Monster leben. Was nutzt es ihm, wenn durch eine vernünftige Politik in 10 bis 15 Jahren positive Veränderungen spürbar wären?

Wie müssen unsere Kinder denn heute leben? Zu dem ungeheuren Druck, den Anforderungen des Bildungssystems gerecht zu werden und später einen vernünftigen Beruf ausüben zu können, kommt der allgegenwärtige Terror durch sozial nicht integrierte Kinder und Jugendliche. Warten auf die nächste Bedrohung, Furcht vor dem nächsten Hinterhalt auf dem Schulweg oder am Nachmittag. Die Justiz hat sich selbst zur Machtlosigkeit degradiert, Schlagworte wie Strafunmündigkeit und Unzurechnungsfähigkeit sind zu den einzig fehlerfrei verwendeten Vokabeln im Slang der potenziellen Täter aufgestiegen. Wirklich beeinträchtigende Konsequenzen hat diese Bevölkerungsschicht in unserem Land aktuell nicht mehr zu befürchten. Im Klartext heißt das: Kinder unter 14 Jahren machen komplett was sie wollen und Täter von 14 bis 18 bzw. 20 Jahren lachen sich schlapp über unsere Justiz, die allenfalls in einem Mädchenpensionat noch abschreckende Wirkung entfalten kann.

Wie lange wird noch von uns verlangt, zuzuschauen und unsere Kinder zu opfern? Muss es wirklich soweit kommen, dass Väter sich bewaffnen und auf die Straßen gehen? Was ist, wenn der erste gewalttätige Jugendliche tot aufgefunden wird? Wann kapieren unsere Politiker endlich, dass die fatalen Fehlentscheidungen und sozialpolitischen Defizite der jüngeren Vergangenheit derzeit leider eine erheblich verschärfte Strafverfolgung bei Kindern und Jugendlichen erforderlich machen?
MahindraX (05.10.2009, 14:16 Uhr)
@sportartmakler
"was für ein verlassensschmerz? dass kinder anfangs weinen wenn sie in den kindergarten gebracht werden ist normal. was auch normal ist, dass sie sich von tag zu tag mehr freuen, auf liebgewonne betreuer und die anderen kinder."

Oh mein Gott!

Es kann nicht NORMAL sein, dass Kinder weinen, wenn sie "weg müssen". Es ist inzwischen leider _üblich_.... Normal ist das NICHT!

Und es MUSS ein Armutszeugnis für Eltern sein, wenn deren Kinder sich auf die BETREUER! _FREUEN_!
ja?
MahindraX (05.10.2009, 14:10 Uhr)
STR_EDDS
"Nicht jeder der eine Ganztagsbetreuung befürwortet ist ein Arzt, Anwalt oder etwas in dieser Liga. "

Aber ALLE (davon, aka in diesem beispiel) lassen die Kinder unter 3 Jahren FREMDbetreuen oder befürworten das zumindest.
Manche und nur manche davon- auf Staatskosten.

ALLE wollen dabei das bestmögliche erzieherische Ergebnis- als wenn das nicht die EIGENE Betreuung wäre.
MANCHE davon ( welche! ->sollte klar sein) sollten tatsächlich so weiter machen, denn da wird das schlimmstre nur verhindert.
Die ANDEREN sollten selbst betreuen, um das schlimmste zu verhindern.

Mein Gott- ist das so schwierig Kindern wirkliche EIGENE und wahrhaftige Liebe zu geben, indem man selbst ( 3 Jahre ) anwesend ist? ANWESEND! Also auch emotional anwesend nicht nur in persona?
Solche Kinder würden nicht gefühllos, denn WAS sollten sie abspalten müssen? dass Mama für sie DA war etwa?
sportartmakler (05.10.2009, 14:05 Uhr)
@MahindraX
was für ein verlassensschmerz? dass kinder anfangs weinen wenn sie in den kindergarten gebracht werden ist normal. was auch normal ist, dass sie sich von tag zu tag mehr freuen, auf liebgewonne betreuer und die anderen kinder. kinder die früh in eine gruppe gebracht werden haben m.e. weitaus bessere chancen ein normales sozialverhalten zu erlernen als überbehütete kinder von gluckenden müttern.
ganzbaf (05.10.2009, 13:49 Uhr)
taff, cool, gefühllos...

So funktionieren viel Vorbilder in Medien und Politik, stimmt schon.

Mich würde ja schon interessiern, was der so alles konsumiert hat.
STR_EDDS (05.10.2009, 13:42 Uhr)
@MahindraX
Am Kopf kratzend, frage ich mich, ob das nun ein pro/contra - oder beides war. Was hat das mit den USA (böse, oder?) zu tun?
Was sagen Sie aus? Was schlagen Sie vor? Wer spaltet (schaltet) ab? Alleinerziehende, welche nicht auf Staaskosten ihr Kind und sich am unteren Versorgelimit halten wollen? Arbeiter die im Schichtdienst sind und für eine kompetente Fremdbetreuung der Kinder dankbar? Nicht jeder der eine Ganztagsbetreuung befürwortet ist ein Arzt, Anwalt oder etwas in dieser Liga.
MahindraX (05.10.2009, 13:02 Uhr)
STR_EDDS
->Aus eigener Erfahrung kann ich ich sagen, dass solche Konzepte mehrheitlich nur von Müttern abgelehnt werden, welche eigene Defizite mit dem Beglucken ihrer Kinder zu kompensieren versuchen<-

Ich sagte ja: " Ich sehe schwarz".
Da weiß man nicht wo man anfangen soll, also zwecklos.


Dies ist eine Nation der "Abschalter" . Fachlich : Abspalter.

Nur noch übertroffen von den USA.
*seufz*


STR_EDDS (05.10.2009, 12:53 Uhr)
@Mahindra
Und wie sieht die Warheit denn bitte aus? Was ist an Ganztágsbetreuung bitte so schlimm? Aus eigener Erfahrung kann ich ich sagen, dass solche Konzepte mehrheitlich nur von Müttern abgelehnt werden, welche eigene Defizite mit dem Beglucken ihrer Kinder zu kompensieren versuchen. Einer modernen Familie oder Alleinerziehenden eröffnen diese Einrichtungen Möglichkeiten, welche unsere europ. Nachbarn schon seit Jahrzehnten erfolgreich nutzen. Natürlich kann kein(e) PädagogIn/ErzieherIn die elterliche Zuwendung häusliche Geborgenheit ersetzen. Und da scheint es derzeit doch eher zu mangeln. Playstation sei dank.
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