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Die langweiligste Trauminsel der Welt

Für 500 Millionen Dollar schnappte Oracle-Chef Larry Ellison das Hawaii-Eiland Lanai Bill Gates weg. Ärgern muss sich der Microsoft-Gründer nicht. Ein Besuch auf einer ziemlich gewöhnlichen Insel.

Von Peter Meroth

  Bougainvilleen, die in allen Rottönen leuchten - Lanai ist die Heimat von ein paar Tausend Menschen und Walen

Bougainvilleen, die in allen Rottönen leuchten - Lanai ist die Heimat von ein paar Tausend Menschen und Walen

  • Peter Meroth

Für Bill Gates hat die Insel etwas Besonderes. Er heiratete hier 1994 seine Frau Melinda. Grund für den Milliardär, das 365 Quadratkilometer große Eiland kaufen zu wollen, das bis dato seinem nicht minder reichen US-Landsmann David Murdock gehört. Doch Oracle-Gründer Larry Ellison, auch ein Milliardär, war schneller... Unser Reporter Peter Meroth war 2010 ein paar Stunden dort. Sein Fazit: Er hätte Lanai nicht gekauft, selbst wenn er das Geld hätte. Begründung: zu langweilig. Hier seine Erinnerungen:

Als wir mit dem Kleinflugzeug auf die Steilküste zudonnerten, schaute mich meine Frau fragend an. Ich kenne den Blick. Da hilft nur eines: zurücklächeln. Die Aufwinde waren stark, die Propellermaschine flog deshalb niedrig an und setzte trotzig auf dem kleinen Flugfeld auf. Wir hatten im Grunde keine Ahnung, wo wir gelandet waren. Lanai ist die sechstgrößte der Hawaii-Inseln, also so ziemlich das kleinste der bewohnten Eilande.

Wir waren wegen der Fähre gekommen. Immer muss man fliegen, wenn man in Hawaii von einer Insel zur nächsten will, nur von Lanai nach Maui verkehrt ein Schiff nach geregeltem Fahrplan. Und die Route führt mitten durch die Kinderstube der Wale. 4000 bis 5000 Buckelwale, 60 Prozent der gesamten Population des Pazifiks, so heißt es, haben hier von Dezember bis Mai ihr Winterquartier, paaren sich und bekommen ein Jahr später - wiederum zwischen Lanai und Maui - ihren Nachwuchs.

96 Dollar für zehn Minuten Busfahren

Die gute Nachricht am Flughafen war, dass es einen Bus gab. Die gut sieben Kilometer bis nach Lanai City, wo die meisten der 3100 Insulaner wohnen, wollten wir unsere Koffer nicht hinter uns herziehen. Die weniger gute Nachricht war, dass der Bus für uns beide 96 Dollar kosten sollte. "Das ist ein stolzer Preis für zehn Minuten Fahrt", sagte ich dem Mann, der die Tickets verkaufte. "Ja, das ist für uns alle ein Problem", antwortete er. "Früher war das billiger." Wir könnten natürlich auch einen Mietwagen nehmen, sagte er, aber der würde 150 Dollar kosten, und um den abzuholen müssten wir auch erst einmal nach Lanai City kommen.

Die Fahrt war dann kurzweilig, weil wir einer Debatte lauschen durften: Die anderen Passagiere konnten sich nicht einigen, wann genau die Insel mitsamt der Buslinie den Besitzer gewechselt hatte und vom Ananaskonzern Dole auf die Immobilienholding Castle & Cooke übergegangen war. Kurz bevor wir ausstiegen, hatten sie sich auf das Jahr 1985 geeinigt. "Die Ananasplantagen waren schon vorher aufgelöst worden, aber die Hotels wurden erst später gebaut", beharrte ein über und über tätowierter Einheimischer auf seiner Version der Geschichte. "Das Busticket gilt zwei Tage, ihr könnt überall einsteigen", rief uns der Fahrer noch nach.

Mit dicken Wanderstiefeln auf blanken Dielen

Wir hatten ein Zimmer bei einem Künstlerpärchen reserviert, das sich mit Bed & Breakfast ein Zubrot verdiente. Das Haus war offen, auf dem Küchentisch lag ein Zettel: "Macht's Euch gemütlich, wir sind ein paar Tage weg, wir mussten dringend mal ausspannen." Zur Einstimmung wurde uns eine Halbtagestour zu einem Aussichtspunkt an der Nordküste empfohlen.

Es wurde eine merkwürdige Wanderung. Lanai City liegt am Rand eines halbverfallenen Vulkans. Zwischen ärmlichen Holzhäusern ging es hügelan, dann über einen futuristisch herausgeputzten Golfplatz mit bizarren Nadelbäumen und Bougainvilleen, die in allen Rottönen leuchteten. Dann durch eine wilde Kraterlandschaft, bis das Gestrüpp endlich den Blick aufs Meer und die Nachbarinseln freigab. Auf dem Rückweg nahmen wir einen anderen Weg und stießen auf eine riesige Mountain Lodge, mit kostbaren Steinen und Hölzern halb im Pionier-, halb im Kolonialstil erbaut. In unseren Wanderstiefeln fühlten wir uns etwas unwohl auf den blanken Dielen und den dicken Teppichen, aber der Kaffee, den wir bestellten, wurde uns freundlich serviert. Wir waren in das Hotel "Lodge at Koele" am Golfplatz "Experience at Koele" geraten, beides benannt nach dem erloschenen Vulkan.

Der Strand, an dem Bill Gates heiratete

Der Shuttle-Bus brachte uns zurück nach Lanai City, zusammen mit einer Gruppe reicher Japaner, die mittags in der frischen Bergluft Golf gespielt hatten und nun auf den zweiten Platz der Insel wechselten, die "Challenge at Manele", unten an der Küste. Benannt nach einem der schönsten Strände Hawaiis, wie wir bald erfahren sollten.

Die Japaner waren begeistert. Ein Platz am Meer, einer halb in den Wolken, beide angelegt von weltberühmten Golfern. Am zwölften Loch von "Challenge at Manele" habe Bill Gates geheiratet, schwärmten sie.

Hier plantschen die Superreichen ungestört

"Einfach durch das Haus durchgehen", sagte der Busfahrer, als wir am Strandhotel ankamen. Etwas befangen wagten wir uns durch das tempelartige Foyer, Wasserfälle säumten die breite Treppe zum Untergeschoss, das auf eine Terrasse mündete, wie man sie der Akropolis wünschen würde. Ein halbes Dutzend Masseure und Masseusen bearbeiteten in stiller Konzentration die Luxuskörper auf den Liegen am Pool. Ein Plattenweg führte hinunter zum Meer, wo Hotelangestellte weiße Liegestühle unter weißen Sonnenschirmen aufgestellt hatten. Sanft grollend rollten die Brecher an und schoben ihre Gischt über den feinen Sand. Rasch stürzten wir uns in die kühlen Fluten.

Wir machten noch weitere Wanderungen, zu einem steinernen Spektakel, Garten der Götter genannt, und zu Petroglyphen im Halbrund des Kraters - Zeichnungen von Menschen, Tieren und Booten, vor Jahrhunderten in den dunklen Fels geritzt. Wir nutzten fleißig den Shuttlebus zum Strand, zum Berghotel oder zum köstlichen Dinner im ehrwürdigen Lanai City Grille. Und uns dämmerte, dass dies wohl das Geheimnis der Insel ist, dass hier die Superreichen baden, golfen, entspannen und auch nach Herzenslust Bus fahren können, ohne belästigt zu werden (es sei denn, es verirren sich mal deutsche Wanderer in die Gegend).

Ein halsbrecherischer Immobiliendeal

Wir rechneten hin und her, ob sich die Millioneninvestitionen der Inselbesitzer mit ein paar hundert Gästen in zwei Luxushotels wieder hereinholen lassen, aber wir kamen zu keinem Ergebnis. Damals gingen wir auf die Fähre und vergaßen alle Zahlenspielerein, als die ersten Wale auftauchten.

Vielleicht war Lanai auch ein halsbrecherischer Immobiliendeal, der sich mehrfach auszahlt, nun da Oracle-Milliardär Larry Ellison 98 Prozent der Insel erworben hat. Ob der Computer-Tycoon wohl damals dabei war, als Bill Gates seiner Melinda 1994 am zwölften Loch das Jawort gab?

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