11. April 2012, 19:10 Uhr

Internethetzer bereut Aufruf zur Lynch-Justiz

Ein 18-Jähriger hatte nach dem Mordfall an einem 11-jährigen Mädchen in Emden im Internet zur Lynch-Justiz aufgerufen. Die Justiz prüft, ob er zur Verantwortung gezogen werden kann. In der Stadt will man ein Zeichen gegen Hetze setzen.

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Zur Trauer in Emden kommt nun auch das Bedauern, vorschnell geurteilt zu haben. Facebooknutzer entschuldigten sich bei dem fälschlicherweise Verdächtigten©

Ein 18-Jähriger Ostfriese, der nach dem Mordfall an dem elfjährigen Mädchen in Emden im Internet zur Lynchjustiz aufgerufen haben soll, ist nach Justizangaben geständig und bereut seine Tat. "Er will sich persönlich entschuldigen bei dem Betroffenen", sagte der Auricher Oberstaatsanwalt Bernard Südbeck der Oldenburger "Nordwest-Zeitung". Die Justiz werde nun prüfen, wie der 18-Jährige zur Verantwortung gezogen werden könne. Vorgeworfen wird ihm die öffentliche Aufforderung zu Straftaten.

Die Polizei hatte nach dem Mord an der Elfjährigen einen Verdächtigen festgenommen, dessen Unschuld sich erst Tage später herausstellte. Nach einem Aufruf zur Selbstjustiz im Internet hatten sich zahlreiche Menschen vor dem Polizeirevier in Emden versammelt und die Herausgabe des Mannes gefordert, den sie für den Mörder hielten. Erst später wurde dann der tatsächliche mutmaßliche Täter festgenommen, ein 18-Jähriger, der auch ein Geständnis ablegte.

Trauerfeier am ersten Schultag

Gleichzeitig will Emden nach dem Mord in den Alltag zurückfinden. Zum ersten Schultag nach den Osterferien ist am Donnerstag eine Trauerfeier für die Mitschüler der Elfjährigen geplant, die am ersten Ferientag umgebracht worden war. Am Freitag will die 50.000-Einwohner-Stadt ein Zeichen gegen Vorverurteilung, Selbstjustiz und Intoleranz setzen. Das kündigte Emdens Oberbürgermeister Bernd Bornemann (SPD) am Mittwoch an. Oberbürgermeister Bornemann sagte, die ganze Stadt sei mit der Aufarbeitung des Verbrechens und der Vorfälle im Zusammenhang damit beschäftigt.

Die Gewerkschaft der Polizei sprach sich dafür aus, die Entschädigung für den zu Unrecht Verhafteten zu verdoppeln. Der GdP-Vorsitzende Bernhard Witthaut sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Wenn ein heranwachsender Mensch womöglich für sein ganzes Leben stigmatisiert ist, brauchen wir zumindest eine Verdoppelung der bisherigen Entschädigungsregelung." Dem inzwischen 18-Jährigen stehen für seine drei Tage in Untersuchungshaft 75 Euro zu.

Emden setzt Zeichen gegen Lynchjustiz

Emdens Oberbürgermeister Bornemann betonte: "Wir sind nicht die Stadt der Vorverurteilung und Gewalt." Das Image von Emden solle nach den bundesweiten Negativ-Schlagzeilen über den Zwischenfall wieder gerade gerückt werden. Die Solidaritätsveranstaltung am Freitag sei schlicht und würdevoll geplant, sie solle alle Betroffenen auf die Rückkehr in den Alltag vorbereiten. "Nicht die Politik, sondern das Menschliche steht im Vordergrund", sagte Bornemann. Pastor Manfred Meyer sagte, die Familie des Mordopfers begrüße die am Freitagabend geplante Veranstaltung ausdrücklich. Der Pfarrer betreut die Familie und hatte auch bei der Beerdigung des Mädchens gesprochen. "Die Eltern, Angehörigen und Freunde möchten wieder zurück ins normale Leben finden."

kng/DPA
 
 
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