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10. Juli 2003, 12:54 Uhr

Spott statt Feindseligkeit

Noch viele Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Deutsche in den Niederlanden als "Moffen" verteufelt. Doch heute lautet der Alarmruf nicht mehr: "Die Deutschen kommen", sondern: "Die Deutschen bleiben aus".

Urlauber am Strand im niederländischen Domburg: "Die 'Moffen' bleiben aus"© ddp

Niederländer und Deutsche waren einander in den letzten 60 Jahren längst nicht immer gewogen. Vor allem "Kaasköppe" im Land der Tulpen und Windmühlen haben Besucher aus dem großen Nachbarland noch viele Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg als "Moffen" verteufelt und gepiesackt. Aber diese Klischeevorstellungen voneinander sind verschwunden. Nur gelegentlich werden sie künstlich belebt - mit Vorliebe bei Länderspielen der klassischen Fußballrivalen.

"Die Deutschen bleiben aus"

Heute lautet der Alarmruf nicht mehr: "Die Deutschen kommen". Mit viel mehr Sorge wird konstatiert: "Die Deutschen bleiben aus". So jedenfalls klang es kürzlich in einem Rundfunk-Beitrag über ausbleibende deutsche Urlauber. Hohe Preise und insbesondere hohe Parkgebühren in den Badeorten an der Nordseeküste könnten daran schuld sein, wurde vermutet. "Unsinn", sagen Tourismusexperten. Für 2003 würden ebenso viele deutsche Urlauber erwartet wie 2002.

Der Alarm zeigt aber, dass Sorgen über eine etwaige Abneigung der Niederländer gegenüber deutschen Besuchern ungerechtfertigt wären, bestätigen Fachleute aus beiden Ländern. Gelegentliche Spötteleien in den Medien über deutsche Perfektionssucht oder extremen Pessimismus bei den Deutschen sind Welten entfernt von feindseligen Bemerkungen vergangener Zeiten. Deutschland ist bei weitem größter Handelspartner der Niederlande. Die Zahl der Niederländer, die ihren Urlaub in Deutschland verbringen, wächst jährlich.

Sanskrit so beliebt wie Deutsch

Ein Defizit an Interesse für Deutschland haben allerdings holländische Sprachwissenschaftler ausgemacht. Die Zahl der Studenten, die sich mit deutscher Sprache und Kultur wissenschaftlich befassen, ist dramatisch gesunken. An den Universitäten wollen heute ebenso viele Studenten Sanskrit, Afrikaans oder Skandinavistik studieren wie Deutsch.

Edgar Denter
 
 
 
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