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21. Dezember 2009, 18:26 Uhr

Schizophrener tötet Mutter bei Teufelsaustreibung

Er wollte ihr nur helfen: Ein psychisch kranker 54-Jähriger war davon überzeugt, seine demente Munter sei vom Teufel besessen. Er malträtierte sie während eines Exorzismus derart, dass die 87-Jährige starb. Im Prozess am Landgericht Rottweil ist heute das Urteil gefallen.

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Vorbild Jesus: Der Angeklagte glaubte, seiner Mutter den Teufel austreiben zu können© Picture-Alliance

Der schmächtige Mann sitzt seelenruhig auf seinem Stuhl und hört sehr interessiert zu. Als ob es um irgendein spannendes Thema ginge, nicht aber um den gewaltsamen Tod seiner eigenen Mutter. "Es tut mir leid, ich hab's ja nicht gewollt", sagt er am Schluss mit leiser Stimme zu seiner Verteidigung. Mehr möchte er nicht hinzufügen. Gesagt worden ist alles zuvor schon von den Gutachtern, die die Psyche des Angeklagten durchleuchtet haben. Bei einer Teufelsaustreibung hat der Mann den Tod seiner behinderten Mutter herbeigeführt, auf "Körperverletzung mit Todesfolge" lautet die Anklage.

Bei der Tat war der 54-Jährige nicht schuldfähig. Der Gutachter attestiert ihm eine akute paranoide Schizophrenie. Diese krankhafte seelische Störung kann unter anderem zu Wahnvorstellungen führen. "Der Angeklagte glaubte, er sei Gott", sagte der Gutachter. Doch in seiner Vorstellung sei auch der Teufel in ihm gewesen - und der musste bekämpft werden. Das Böse habe sich schließlich nach Überzeugung des Verurteilten auch in seiner Mutter breitgemacht. Das glaubte er an ihrem "irren Blick" zu erkennen.

Symbolische Schläge mit der Bibel

Am Morgen des 18. Juni wollte er seine Mutter vom Teufel befreien, nachdem er einige Tage zuvor schon einmal einen Exorzismus an ihr durchgeführt hatte - mit Erfolg, wie er glaubte. Er schlug sie dabei symbolisch mit einer Bibel. Die 87-Jährige war dement und nach einem Schlaganfall vor einem Jahr halbseitig gelähmt. "Der Angeklagte fühlte sich verpflichtet und pflegte sie liebevoll", sagte der Richter, "obwohl er seit seiner Kindheit ein schwieriges Verhältnis zu seiner Mutter hatte". Sehr bestimmend sei sie gewesen und wenig fürsorglich. Die Veränderungen seiner Mutter durch die Krankheit deutete er als etwas Böses, das es zu bekämpfen galt.

So schlug er erneut mit einer Bibel auf die Mutter ein und ging danach mit einer Bekannten zum Einkaufen. Als er zurückkehrte und nach seiner Mutter sah, glaubte er immer noch, ihren "irren Blick" wahrzunehmen. Wieder schlug er sie mit der Bibel, drückte im Wahn auf ihren Körper, um den Teufel herauszupressen und griff in ihre Kehle, um das Böse herauszuziehen. "Der Angeklagte glaubte, seiner Mutter helfen zu können und erkannte nicht, dass sie schwer verletzt war", sagte der Staatsanwalt.

Eine Bekannte des Angeklagten, die während der vermeintlichen Teufelsaustreibung zu Besuch war, sagte ihm, er solle einen Arzt rufen. Doch der Sohn kümmerte sich selbst um seine Mutter. Er wusch sie und gab ihr in großen Mengen Wasser zu trinken, das Beruhigungsmittel enthielt. Dabei gelangte Wasser in die Lungen der Frau, die schließlich erstickte. In der Nacht rief der Sohn seine Bekannte an und bat sie, zu ihm zu kommen. Als diese bemerkte, dass die Mutter tot war, verständigte sie den Notarzt. Bis zuletzt hatte der Angeklagte nicht verstanden, was passiert war.

Manuela Mild, DPA
 
 
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