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Very British: Ein Autor, der Islam und Schizophrene

Star-Autor Sebastian Faulks hat in Großbritannien mit seiner Koran-Kritik einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Dann ist er zurückgerudert - und hat wieder Prügel bezogen.

Von Cornelia Fuchs, London

Der Koran war nur ein Teil der umfangreichen Recherchen für sein neues Buch, das der modernen britischen Gesellschaft einen Spiegel vorhalten soll. Sebastian Faulks hat sich ebenso intensiv mit den Geschäften von Hedgefunds-Managern beschäftigt, wie er sich in die Geschichte des Islam eingelesen hat.

Mit "A Week in December", da sind sich die englischen Kritiker einig, ist Faulks ein besonderer Roman gelungen, der die komplexe Realität eines Landes zwischen Terrorangst und Rezession abzubilden versteht. Dazu verwirbelt Faulks in der Tradition der großen Generationen-Romane von Charles Dickens und William Thackeray das Leben verschiedenster Charaktere ineinander.

Die "Sunday Times"schreibt, der Roman halte einem Land einen Spiegel entgegen, "in dem die Sicherheit einer wilden, pulsierenden liberalen Wirtschaft in das Elend der Kreditkrise zerfallen ist." Die Zeitung "Guardian" nennt das Buch "eine fesselnde Geschichte aus dem heutigen London".

"Ein deprimierendes Buch"

Darin bringt der Manager eines Hedgefunds mit Milliarden-Deals die Wirtschaft seines Landes an den Rand des Bankrotts während sein Sohn sich den Verstand mit Joints vernebelt. Die Frau des jüngsten Abgeordneten im britischen Parlament zerbricht sich den Kopf über die Sitzordnung einer Dinner-Party, während ein muslimischer Lebensmittelfabrikant für die Verleihung eines Ordens bei der Queen vorstellig wird und mit diesem Zeitplan seinen Sohn Hashid zwingt, die Pläne für ein Bombenattentat auf ein Krankenhaus zu verschieben.

Für das Porträt dieser muslimischen Familie hat Faulks sich den Koran vorgenommen. In einem Interview mit der "Sunday Times" sagte er vor kurzem, er sei enttäuscht gewesen von dieser Schrift, von "der Kargheit ihrer Botschaft": "Der Koran hat keine ethische Dimension wie das Neue Testament." Es sei ein "deprimierendes Buch", "sehr eindimensional" und "voll mit dem Gerede eines Schizophrenen."

Reaktionen kamen sofort

Diesen letzten Punkt relativiert er allerdings sofort: Auch die Bibel sei - aus heutiger Zeit gesehen - voller Schizophrener, die Stimmen hörten. Johannes der Täufer, beispielsweise, gehöre eher in ein betreutes Wohnprojekt als in die Wüste.

Diesen Koran-Äußerungen in der Sonntagszeitung folgte - nicht gerade überraschend - die Reaktion auf dem Fuße. Ein Imam der "Islamic Society of Britain" bot dem Autoren an, ihm bei einem Gespräch die wahren Schönheiten des Korans näher zu bringen. Und eine muslimische Journalistin erklärte Faulks im "Guardian", dass der Koran keine Literatur zum Genießen, sondern eine moralische Schrift sei, seine Erwartungen also von vorneherein falsch gewesen seien.

Auf Entschuldigung folgt Entrüstung

Und das war es. Zumindest bisher. Denn Faulks reagierte schnell. Schon am Dienstag veröffentlicht er einen Artikel, in dem er seine Position verdeutlichte: Der Prophet Mohammed habe nur als völlig gesunder Mensch erreichen können, was ihm auf militärischer, politischer und auch religiöser Seite gelungen sei. Und er entschuldigte sich vorsorglich schon einmal für alle Gefühle muslimischer Gläubiger, die er durch seine zitierten Äußerungen hätte verletzen können.

Es ist dieses Entschuldigungsschreiben, das nun die wahren Entrüstungsstürme hervorruft. Blogs erklärter Humanisten reproduzieren die Schrift. Kommentatoren auf der Webseite des "Daily Telegraph", der die Entschuldigung als erstes veröffentlichte, nennen ihn "katzbucklerisch", "feige" und "kulturell unterwürfig". Fast scheint es, als seien sie enttäuscht, nicht einem weiteren Ringkampf eines Literaten gegen den Islam beiwohnen zu können. Faulks schreibt zu dem Konflikt in seinem Artikel: "Ich bin nicht der erste und werde nicht der letzte Autor sein, der andere verärgert, in dem er islamische Angelegenheiten thematisiert."