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Wer ist der Red-Bull-Erbe, der seit Jahren auf der Flucht ist?

Der Erbe der Red-Bull-Milliarden entzieht sich seit Jahren seinem Prozess - mit seinem Ferrari fuhr er einen Polizisten tot. Nun hat erneut der Spross eines reichen Thais mit seiner Luxuskarosse Menschen das Leben gekostet.

Zerstörter Ferrari

Der schwer beschädigte Ferrari des thailändischen Red-Bull-Erbens Vorayuth Yoovidhya

Eine Ölspur zieht sich Bangkoks Straßen entlang, bis hinein in einen der wohlhabendsten Vororte der thailändischen Hauptstadt. Die schmierige Flüssigkeit tropft aus einem silbernen Ferrari FF, der vor der Villa eines der viertreichsten Familien des Landes parkt. Der 660-PS-Bolide, Neupreis mehr als 250.000 Euro, ist schwer von dem Unfall gezeichnet, die Front stark beschädigt, die Motorhaube verbeult, die Windschutzscheibe eingedrückt. Es sind die frühen Morgenstunden des 3. Septembers 2012 als die Bangkoker Polizisten vor dem Haus eintreffen. Sie wissen, in wessen Einfahrt sie gerade stehen - und was das bedeutet.

Die Villa gehört dem Yoovidhya-Clan mit ihrem Oberhaupt Chalerm Yoovidhya. Dessen Vater wiederum, Chaleo Yoovidhya, hatte einst gemeinsam mit dem österreichischen Unternehmer Dietrich Mateschitz Red Bull gegründet - und ist bis heute an dem Getränkekonzern beteiligt.

In diesem Anwesen wohnt auch der Fahrer des beschädigten Ferrari. Es ist Vorayuth Yoovidhya, der Enkelsohn des Red-Bull-Mitbegründers, der sechs Monate zuvor verstorben war.

Kaution mit nur 12.500 Euro angesetzt

Die Vorwürfe gegen Vorayuth Yoovidhya, der auch unter dem Spitznamen "Boss" bekannt ist, wiegen schwer: Der zum Zeitpunkt des Unfalls 27-jährige soll mit dem Sportboliden gegen 5.30 Uhr einen Motorradpolizisten überfahren und ihn mehr als 100 Meter mitgeschleift haben. Danach haute Yoovidhya einfach ab. Der 47-jährige Polizist hatte keine Chance - er starb an einem gebrochenen Genick, sein Leichnam wies zudem mehrere Frakturen auf. Er hinterlässt Frau und Familie.

Dann geht alles sehr schnell: Yoovidhya wird verhaftet, der Vorwurf lautet: fahrlässige Tötung und Fahrerflucht. Doch Vorayuth Yoovidhya ist nicht irgendjemand, sondern gehört einer Familie an, deren Vermögen 2,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts Thailand beträgt. Sein Gefängnisaufenthalt jedenfalls ist kurz: Nach Zahlung der Kaution in Höhe von 500.000 Baht (umgerechnet 12.500 Euro), ist der 27-Jährige wieder auf freiem Fuß. Für Multimilliardäre sind solche Summen ein Taschengeld, das kaum jemand davon abhalten dürfte, das Land zu verlassen.

Was auch geschieht: Der "Boss" setzt sich nach Singapur ab. Und wie es der Zufall will, meldet sich eine weitere Person zu Wort und gibt vor, den Unfallwagen gefahren zu sein. Das "Geständnis" entpuppt sich aber schnell als Lüge. Laut CNN muss die vorgeblich Geständige wegen der Falschaussage eine Strafe von umgerechnet 150 Euro zahlen, ein Polizist wird suspendiert weil er den Mann angestiftet haben soll.

Hinhaltetaktik scheint bislang zu funktionieren

Der Fall und der Verdacht der Einflussnahme führt zu einem Sturm der Entrüstung - sowie viel Aufmerksamkeit in den thailändischen Medien. Denn es war nicht das erste Mal, dass der Eindruck entstand, die Reichen des Landes können tun und lassen was sie wollen.

Zehn Jahre zuvor, 2002, wurde der jüngste Sohn des bekannten thailändischen Politikers Chalerm Yubamrung angeklagt, weil er einen Polizisten in einem Nachtclub erschossen haben soll - vor vielen Zeugen. Auch er floh zunächst aus Thailand, ergab sich jedoch ein Jahr später den Behörden. Doch anstatt ihm den Prozess zu machen, wurde die Mordanklage gegen ihn fallengelassen. Der Grund: Mangel an Beweisen und widersprüchliche Zeugenaussagen. Dass Yubamrungs Sohn heute selbst im Polizeidienst steht, erscheint angesichts der Vorwürfe unglaublich.

Bis vor das Gericht hat es der flüchtige Red-Bull-Erbe noch nicht einmal geschafft. 2013 ist er bereits zum sechsten Mal vorgeladen, doch immer wieder lässt sich Vorayuth Yoovidhya rausreden. Laut der Nachrichtenseite "Asian Correspondent“ habe sein Anwalt ihn entschuldigen lassen, mit Ausreden wie: "Er ist plötzlich krank geworden, weswegen er gerade unmöglich zurück nach Thailand kommen kann". Die Hinhaltetaktik erzielt erste Erfolge: Der Vorwurf des zu schnellen Fahrens, sowie des Fahrens unter Alkoholeinflusses werden fallen gelassen - auch weil sie zum Teil bereits verjährt sind. Nur der Hauptanklagepunkt der rücksichtslosen Fahrweise mit Todesfolge bleibt bestehen, Yoovidhya drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Unfall mit 240 Kilometer pro Stunde

Seitdem ist es still geworden um den flüchtigen Milliardenerben, der immer noch in Singapur lebt und sich vor den Konsequenzen seiner Taten drückt. Doch nun könnte erneut Bewegung in den Fall kommen. Der Anlass: Wieder hat der Spross eines reichen Thailänders seinen Luxuswagen in eine Waffe verwandelt - und zwei Menschen das Leben gekostet. Videoaufnahmen eines thailändischen TV-Sender zeigen die Unfallwagen.

Bei einem Unfall Mitte März starb ein Pärchen in seinem Wagen - der Unfallverursacher, Sohn eines Bangkoker Geschäftsmannes, kam mit leichten Blessuren davon. Nach dem Unfall soll er sowohl Alkohol- als auch Drogentests abgelehnt haben. Laut Polizei fuhr er zum Zeitpunkt des Unfalls mit einer Geschwindigkeit von rund 240 Kilometer pro Stunde. Die erschreckenden Aufnahmen hat die öffentliche Diskussion über "Bangkok’s deadly rich kids", wie eine Zeitung sie nennt, wieder angefacht.

Der Druck auf die Behörden scheint Wirkung zu zeigen: Im Fall des flüchtigen Red-Bull-Erbens hat sich die Polizei gegen Vorwürfe verteidigt, das Strafverfahren gegen Yoovidhya unter den Tisch zu kehren. Bangkoks Polizeichef sagte, das Verfahren gegen ihn dauere immer noch an. "Wir wissen nicht, wo er ist, aber wir werden ihn finden". Ob es je zu einem Prozess kommt, ist aber weiter ungewiss. Die Verjährungsfrist für Yoovidhyas Hauptanklagepunkt liegt bei 15 Jahren. Vier Jahre davon sind schon verstrichen, und mit einem Milliardenvermögen im Rücken lässt es sich auch in Singapur gut aushalten.


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