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10. Mai 2007, 12:41 Uhr

Mörder von Mirjam schildert Tat

Knapp drei Wochen hat die Polizei nach dem Mörder der 13-jährigen Mirjam gesucht. Nach einem groß angelegten DNA-Test wurde ein 31-Jähriger festgenommen, der schon gestanden hat. Über das Motiv schweigt er zwar, aber Einzelheiten seiner schrecklichen Tat hat er geschildert.

Trauer um Mirjam: Mit Blumen und Kerzen am Elternhaus gedenken die Menschen der 13-Jährigen© Patrick Seeger/DPA

Nach der Festnahme des mutmaßlichen Mörders der 13-jährigen Mirjam im südbadischen Auggen sucht die Polizei nach dem Tatmotiv. Der 31 Jahre alte Arbeiter, der die Tat gestanden hat, habe sich dazu bislang nicht geäußert, sagte ein Polizeisprecher. Eine sexuelle Absicht des Mannes könne nicht ausgeschlossen werden. Es seien jedoch keine Spuren eines Sexualverbrechens gefunden worden.

Laut Polizei wurde der 31-Jährige zu Hause festgenommen worden. Er habe keinen Widerstand geleistet, sei ruhig, gefasst und emotionslos gewesen. Zum Tatmotiv habe der Mann sich in seinen Vernehmungen bislang nicht geäußert. Allerdings habe er den Tathergang geschildert. Demnach wartete er am Morgen des 20. April an dem Weg auf ein Opfer. Als die 13-jährige Mirjam vorbeigefahren sei, habe er sie ins Gebüsch gezerrt und dort erdrosselt. Kripochef Bernd Belle sprach von einer Zufallstat. "Wir gehen davon aus, dass sich Opfer und Täter nicht näher gekannt haben", sagte er.

Die Schülerin hatte sich von ihrem Zuhause in Auggen mit dem Fahrrad auf den Weg zur Schule gemacht. Dort kam sie aber nicht an. Auf ihr Verschwinden wurde die Familie erst am Mittag aufmerksam, nachdem die 13-Jährige nicht nach Hause gekommen war. Suchtrupps mit einem Hubschrauber und Spürhunden fanden das Mädchen schließlich etwa zwei Kilometer vom Elternhaus entfernt tot neben seinem Rad.

Weitere Verhöre

Die 60-köpfige Sonderkommission der Polizei wird in den nächsten Tagen weiter nach Hinweisen und Spuren suchen. Zudem wird der Festgenommene weiter verhört. Gegen den Mann war nach seiner Festnahme Haftbefehl erlassen worden, er sitzt in Untersuchungshaft. Der 31-Jährige, der seit etwa einem Jahr in der Nachbarschaft des getöteten Mädchens wohnte, war bislang nicht als Straftäter in Erscheinung getreten. Er war vor Mirjams Tod weder der Polizei noch der Justiz bekannt. Aber die Kripo überprüfte seine DNA auch im Hinblick auf andere bisher nicht geklärte Frauenmorde.

Wie Oberstaatsanwalt Peter Häberle und Kripo-Chef Bernd Belle nach der Festnahme in Freiburg mitteilten, kam die Polizei dem kinderlosen Bauarbeiter mit Hilfe eines DNA-Tests auf die Spur. Er hatte freiwillig eine Speichelprobe abgegeben, nachdem er sich bei der ersten Vernehmung durch die Polizei in Widersprüche verwickelt hatte. Die an der Leiche des Mädchens gefundenen Spuren stimmten mir der Speichelprobe des Täters überein.

Großaufgebot der Polizei

Nach dem Mord hatte die Sonderkommission der Polizei mehr als 600 Hinweise geprüft und über 1600 Menschen befragt. "Insgesamt haben in den letzten Tagen mehr als 530 Menschen in Auggen und Umgebung eine Speichelprobe abgegeben", sagte Bernd Belle. Dies seien fast ausschließlich Menschen gewesen, die die Polizei in den Tagen nach dem Mord in der Umgebung des Tatortes sowie auf dem Schulweg des ermordeten Mädchens angetroffen habe. Als letztes Mittel war sogar ein flächendeckender Massen-Gentest aller Bewohner des Ortes ins Auge gefasst worden.

"Ich bin erleichtert und froh, dass jetzt der mutmaßliche Täter gefasst wurde. Was bleibt, ist Trauer und Betroffenheit darüber, dass er unter uns gelebt hat", sagte Auggens Bürgermeister Fritz Deutschmann. Der schnelle Fahndungserfolg sei wichtig für das Gefühl der Sicherheit der Bürger. "Bis zur Festnahme konnten wir nicht ausschließen, dass der Täter möglicherweise wieder auftritt", sagte der Leitende Kriminaldirektor Heiner Amann. Viele Eltern lebten nach der Tat in Angst und hatten ihre Kinder zur Schule gebracht.

Rech betont Wichtigkeit der DNA-Analyse

Landesinnenminister Heribert Rech (CDU) sagte in Stuttgart, dieser Fall zeige erneut, wie wichtig die DNA-Analyse inzwischen für die Aufklärung von Straftaten sei. Der genetische Fingerabdruck sei seit der Einführung der DNA-Analyse-Datei im Jahr 1989 zu einem verlässlichen und unverzichtbaren Mittel der Strafverfolgung geworden. Bis heute hätten in Baden-Württemberg rund 4.400 Delikte, darunter eine Vielzahl schwerster Straftaten, mit Hilfe der DNA-Analyse geklärt werden können.

DPA/AP
 
 
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