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13. September 2007, 12:42 Uhr

Interview mit einem "Gefährder"

Als der stern im Juli mit Fritz Gelowicz sprach, war er einer von vielen "islamistischen Gefährdern". Nun gilt er als Anführer jener Gruppe, die Anschläge in Deutschland plante. Damals beteuerte Gelowicz seine Harmlosigkeit - nur um wenig später Material zum Bombenbau zu besorgen.

Der Terrorverdächtige Fritz Gelowicz hat seine eigene "Vision von Toleranz"© Repro

Er gilt als Kopf jener Gruppe, die einen verheerenden Anschlag in Deutschland plante: Der Terrorverdächtige Fritz Gelowicz. In einem Gespräch mit dem stern zwei Monate vor seiner Festnahme forderte er, dass man ihn in Ruhe lassen möge. Der stern hatte den 28-jährigen Konvertiten im Rahmen einer Recherche über so genannte islamistische Gefährder befragt. Wie jetzt bekannt wurde, fuhr er eine Woche später nach Hannover, um sich Fässer voller Wasserstoffperoxid zu besorgen, mit dem man Sprengstoff herstellen kann. stern.de dokumentiert das Telefoninterview vom 13. Juli 2007 in Auszügen:

Herr Gelowicz, seit wann wissen Sie, dass Sie ein so genannter Gefährder sind?

Man erfährt ja selber nicht, dass man als Gefährder eingestuft wird. Man wird halt stark überwacht, aber das merkt man unter Umständen nicht. Und wenn man unter dieser Überwachung ist, dann wird jede Tat, die man tut und jedes Wort, das man sagt, von den Ermittlern in einem anderen Licht gesehen. Sie versuchen, in alles einen kriminellen Hintergrund hineinzuinterpretieren. Man wird mit ganz banalen Sachen konfrontiert, die plötzlich als sonst was durchgehen. Als Terrorplanung oder so.

Können Sie ein Beispiel nennen, was so eine "banale Sache" ist?

Es reicht, dass Sie sich einmal oder zweimal mit einem treffen, der bei den Behörden als sehr gefährlich eingestuft ist. Sie selbst wissen das nicht. Sie treffen sich vielleicht geschäftlich oder aus anderen Gründen mit ihm. Dieses Treffen wird dann als Terrorplanung interpretiert.

Wann haben Sie gemerkt, dass Sie überwacht werden?

Als die Polizei zu mir gekommen ist, meine Tür eingeschlagen hat und die Wohnung durchsucht hat. Das war am 6. Januar.

Sie sollen am 31. Dezember 2006 mit zwei Bekannten eine US-Kaserne in Hanau ausspioniert haben.

Die Anschuldigungen sind natürlich absurd. Ich war an dem Tag in Frankfurt, das stimmt. Es stimmt nicht, dass wir irgendwas ausgespäht hätten. Es war ein ganz normaler Besuch bei jemandem. Wir sind dann einfach in der Gegend rumgefahren. Wir haben einen Platz mit Aussicht gesucht, es war Silvester. Wir haben ihn nicht gefunden und sind ein paar Mal um den Block gekurvt. Das wurde als "Ausspähung" interpretiert. Ich wusste gar nicht, dass das eine Kaserne war.

Herr Gelowicz, warum sind Sie zum Islam konvertiert?

Ich hatte einen guten Freund, der Muslim war. Irgendwann fragt man: Warum fastest du? Warum isst du kein Schweinefleisch? Man fragt immer weiter. Irgendwann erkennt man, dass Gott einen Propheten geschickt hat, der alle Offenbarungen in einer Offenbarung vollendet. Ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass es die richtige Religion ist.

Viele junge Muslime gehen für länger ins Ausland, was tun sie da?

Man geht ins Ausland, um die arabische Sprache zu lernen. Oder weil man in einer islamischen Umgebung leben will. Die zwei Gründe gibt es, ansonsten hat ein Auslandsaufenthalt keine Bedeutung.

Viele landen in Pakistan, warum?

Es kann sein, dass sie auch in Pakistan mit anderen Muslimen zusammen sein wollen. In Pakistan gibt es ja viele Islam- und Koranschulen, wie man jetzt ja auch in den Medien hört. Vielleicht gehen sie zum Lernen dorthin. Vielleicht.

Und kommen dann verändert zurück ...

Dass man dort radikalisiert wird, ist absoluter Schwachsinn. Wer sich auskennt, weiß, dass es in den arabischen Ländern wirklich strenger ist als hier. Dass es dort sehr gefährlich ist, irgendwelche radikalen Meinungen zu vertreten. Jemand, der radikale Gedanken hat, für den gibt es in den meisten arabischen Ländern keinen Platz. Radikalität, die können Sie überall finden. Das müssen Sie nicht nach Arabien gehen.

Wie leben Sie als so genannter Gefährder?

Ich führe ein ganz normales Leben wie jeder andere Bürger auch. Ich habe zig Beschäftigungen und Interessen, wie jeder andere auch. Aber man fühlt sich nicht mehr so frei wie früher.

Herr Gelowicz, was ist Ihre Vision für die deutsche Gesellschaft?

Also, meine Vision ist einfach Toleranz. Dass man jemanden so lange in Ruhe lässt, solange er selber niemanden beeinträchtigt. Das muss man von den Muslimen erwarten, aber auch von den Nicht-Muslimen. Ich verlange nur, dass man mich so leben lässt.

Mehr über...

Mehr über... die Terrorzelle um Fritz Gelowicz lesen Sie im neuen stern

Interview: Martin Knobbe
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
inselkarl (13.09.2007, 17:48 Uhr)
Fritze
Der Stern hat ein Faible für harmlose Moslems, die von den bösen Behörden als Gefährder eingestuft werden. Es einnert mich irgendwie an die Patenschaft des Sterns für Murat K. und El Masri. Es ist doch jedermanns gutes Recht ins afghanisch -pakistanische ( oder bosnisch -mazedonische)Grenzgebiet zur religiösen Selbstfindung zu pilgern. Nur sollte dann die verdorbene westliche Gesellschaft von solchen Rückkehrern und ihren neuen Erkenntnissen verschont werden. Ich verstehe sowieso nicht die Immigration von Leuten nach Deutschland, die diesen Staat , die Gesellschaft und die Lebensweise hassen.
H.P. (13.09.2007, 16:44 Uhr)
Das Gespenst des Terrors wird die Menschheit niemals los,
Also ich bin weder links noch rechts orientiert und was bitte schön ist ein Gutmensch? Alle sind daran schuld, alle Parteien und Regierungen der Welt sowie alle geistigen Führer der Religionen. Wenn man heute nicht einmal in der Lage ist zu erklären, was Religion eigentlich ist oder sein sollte, dann ist das schon traurig. Das Resultat sind all die Fanatiker, die meinen, Gott einen Gefallen zu tun wenn sie Menschen in die Luft sprengen und missionieren.
Die Menschen wollen die schlichte und nackte Wahrheit nicht verstehen, die stets gegenwärtige und ewige Erfahrung der Wahrheit ihres Alltags: die Wahrheit des Selbst. Gibt es denn irgend jemanden, der des Selbst nicht gewahr wäre?
Aber sie wollen nicht einmal davon hören, während sie an einem Jenseits höchst interessiert sind - an Himmel, Hölle und Wiedergeburt. Sie ziehen nun einmal das Geheimnisvolle der nackten Wahrheit vor, und die Religionen tun ihnen den Gefallen und kommen ihnen entgegen - nur, um sie, wenn auch auf Umwegen, letztlich doch zum Selbst zu führen. Quellentext: Ramana Maharshi
Ändern wird sich so wenig, denn die, die es wissen, werden ignoriert und als Spinner hingestellt, Das Gespenst des Terrors wird die Menschheit niemals los, sie wollen es nicht anders. Der Mensch selbst ist der Schöpfer seiner eigen Realität, aber auch davon will man nicht wissen.
http://www.lebedeinbestes.de/index.html
undjetztnochder (13.09.2007, 15:59 Uhr)
hinterher
sind immer alle klüger. Man hätte genau dieses Interview mal vor sagen 3 Wochen veröffentlichen sollen: da hätte es in diesem Forum von intelektuellen Gutmenschen gewimmelt, die gegen Schäuble und den Überwachungs-Staat gehetzt hätten und diesen armen Konvertiten als Beispiel herangezogen, dass es in Deutschland keine Glaubensfreiheit, keine Toleranz, keine Menschlichkeit gibt. Dass wir stattdessen einen Schnüffelstaat haben, der völlig grundlos jungen Leuten nachstellt und Türen eintritt, bloß weil die mal in Pakistan die Verwandten besucht haben. Zum Glück sind diese meist linken Träumer und Utopisten nun still, die Tatsachen haben sie verstummen lassen.
MartinZ (13.09.2007, 14:06 Uhr)
VVJ
Je mehr ich darüber lese, desto mehr erinnert mich die Islamische Dschihad Union an die Judäische Volksfront VVJ oder die Volksfront von Judäa - nach Monthy Pyton
Sialan (13.09.2007, 13:54 Uhr)
Fritz G. ein Schwachkopf!!!
Beim Lesen des Interviews komme ich nur zu einem Urteil: Fritz G. ist ein totaler Schwachkopf!!
Am Ende des Interviews sagt er ".... dass man jemanden so lange in Ruhe lässt, solange er selber niemanden beeinträchtigt"
Danke BKA und CIA, dass ihr die Ruhe des Herrn Fritz G. gestört habt!!
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