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2. Februar 2009, 19:06 Uhr

China verschweigt Schuh-Attacke auf Wen

Der Schuhwerfer von Cambridge muss sich auf ein Verfahren wegen Störung der öffentlichen Ordnung gefasst machen. Aus Protest gegen die chinesische Tibet-Politik hatte der bislang unbekannte Mann während einer Rede seinen Schuh auf Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao geworfen. In den chinesischen Medien wurde der Vorfall anfangs totgeschwiegen.

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Wen Jiabao, chinesischer Ministerpräsident, hielt eine Rede in Cambridge, als er von einem Schuh-Werfer attackiert wurde© Darren Staples/AP

Nach einem Schuhwurf auf den chinesischen Regierungschefs Wen Jiabao während seines Besuchs in Cambridge hat die britische Polizei den Täter offiziell wegen Störung der öffentlichen Ordnung beschuldigt. Der 27-Jährige solle am Dienstag kommender Woche einem Richter vorgeführt werden, sagte eine Polizeisprecherin.

Während einer Rede Wens vor etwa 500 Zuhörern in der renommierten britischen Universität von Cambridge war der Mann aufgestanden und hatte einen Turnschuh in Richtung des Ministerpräsidenten geworfen. Dabei rief er: "Das ist ein Skandal. Wie könnt ihr den Lügen dieses Diktators zuhören?" Der Schuh verfehlte Wen um etwa einen Meter.

Der Schuhwerfer hatte sich nach seiner Aktion widerstandslos festnehmen lassen. Nach Angaben der Polizei sprach er Englisch mit einem europäischen Akzent. Medien wollen einen deutschen Akzent erkannt haben.

Wen verurteilte den Angriff als "verachtenswertes Verhalten", das der Freundschaft zwischen China und Großbritannien nicht im Wege stehen könne. Das Vereinigte Königreich war die letzte Station von Wens Europareise, die ihn auch nach Deutschland geführt hatte.

Das chinesische Staatsfernsehen hatte Wens Rede in Cambridge übertragen, brach die Übertragung aber während der Protestaktion abrupt ab. Auch die chinesischen Medien vom Dienstag erwähnten den Vorfall mit keinem Wort. Einträge im Internet zu dem Thema wurden offenbar rasch gelöscht. Bei der populärsten chinesischen Suchmaschine, Baidu, gab es keinen Hinweis auf den Zwischenfall.

Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, Großbritannien habe wegen eines "Zwischenfalls", den China scharf verurteilt habe, um Entschuldigung gebeten. Was der "Zwischenfall" war, wurde aber nicht gesagt. Im staatlichen Fernsehen CCTV war unspezifisch von einer "Störung" die Rede - auch hier ohne Erklärung.

In der Übertragung der Rede blieb die Kamera auf Wen fixiert, nur das Geräusch des auf die Bühne fallenden Schuhs konnte vernommen werden. Wen ließ sich durch den Vorfall nicht weiter aus der Ruhe bringen. Nach einer Pause von nur wenigen Sekunden setzte er seine Rede fort. Einer seiner Mitarbeiter betrat ruhig die Bühne, sammelte den grauen Sportschuh auf und entfernte ihn.

Eine Google-Suche nach dem Vorfall ergab einen Link zum Forum Tianya, einem der populärsten in China. Dort hatte ein Nutzer gefragt, was bei der Rede in Cambridge passiert war. Der Inhalt war aber am Dienstag schon gelöscht, Klicks auf den Link gingen ins Leere.

China kontrolliert das Internet restriktiv. Wie in allen anderen Medien des Landes werden Inhalte zensiert, die von Regierung oder Kommunistischer Partei als kritisch betrachtet werden. Selbst bei der Rede Barack Obamas zur Amtseinführung als US-Präsident wurden unliebsame Passagen einfach rausgestrichen.

Der Vorfall erinnert an den Besuch des früheren Bushs in Bagdad, der dort im Dezember von einem Reporter während einer Pressekonferenz mit einem Schuh beworfen wurde. Der Journalist Mutadhar al Seidi wartet derzeit in Untersuchungshaft in Bagdad auf den Beginn seines Prozesses wegen eines Angriffs auf einen ausländischen Staatschef.

DPA/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 24)
 
Ugly (04.02.2009, 07:32 Uhr)
Verschweigen und zensieren
Dazu folgende Anmerkungen:
1. stelle ich fest, mein gestriger Beitrag hier wurde gelöscht, war wohl nicht "political correct" das ich Tibet erwähnte, das ja letzlich die Ursache für den Schuhwurf war.
2. Den Menschen die hier vornehmlich prochinesisch kommentieren, und denken es gebe keine Restriktionen, die erinnere ich an das Projekt "Golden Shield"
ziyou (03.02.2009, 18:41 Uhr)
Langweilig!
in chin. TV wurde der Vorgang in voller Länger gezeigt, inkl. die zustimmende minutenlange beklatschen an Wen und das shame rufe an den Werfer. Eben zu HAUPTNACHRICHTzeit und nicht so zwischendurch als breaking news.
Warum muss dt. Medien über china immer lügen und manipulieren!?
Merkong (03.02.2009, 16:48 Uhr)
Zensur? Ich lache zum Tod.
„China kontrolliert das Internet restriktiv.“
Wenn ich den Satz lese, lache ich zum Tod. Im letzten Jahr werden Zhang Danhong und Dieter Henning entlassen, weil sie nur sachgerecht über China berichten wollen. Diese zwei Geschichten in den deutschen Medien werden in China landesweit berichtet. Jetzt wissen wir alle, was Zensur in BRD bedeutet.
Merkong (03.02.2009, 16:36 Uhr)
Entschuldigung geschuldet
Ich bitte, alle lügenhaften Medien Focus, Stern und Spiegel sofort uns alle zu entschuldigen, weil die lügenhaften Berichterstattungen nicht nur die Chinesen, sondern primär das deutsche Publikum getäuscht haben.
„In den chinesischen Medien wurde der Vorfall totgeschwiegen.“
Ich schlage vor: bevor die westlichen Medien lügen oder die Journalisten tippen, bitten passen Sie ein klein bisschen auf Moral und Qualität. Nicht einfach bloß so lügen, kein Geschmack.
Ich habe heute Morgen in einer der bekanntesten chinesischen Webseite „Sina“ die Nachricht des Schuhwurfes an Wen gelesen, man kann sogar online TV schauen. Sie steht noch da, wenn Sie Chinesisch verstehen, prüfen Sie selbst.
http://video.sina.com.cn/news/c/v/2009-02-03/191630242.shtml
Merkong (03.02.2009, 16:32 Uhr)
Bitte achten Sie auf Qualität
„In den chinesischen Medien wurde der Vorfall totgeschwiegen.“
Ich schlage vor: bevor die westlichen Medien lügen oder die Journalisten tippen, bitten passen Sie ein klein bisschen auf Moral und Qualität. Nicht einfach bloß so lügen, kein Geschmack.
Ich habe heute Morgen in einer der bekanntesten chinesischen Webseite „Sina“ die Nachricht des Schuhwurfes an Wen gelesen, man kann sogar online TV schauen. Sie steht noch da, wenn Sie Chinesisch verstehen, prüfen Sie selbst.
http://video.sina.com.cn/news/c/v/2009-02-03/191630242.shtml
Nana_Xiaojie (03.02.2009, 15:24 Uhr)
Das WItzigste steht hier ja noch nichtmal.
Laut Times Online und anderen hatte der mutige Student naemlich einen deutschen Akzent. Da duerfen wir doch stolz sein!
Nur leider sind wir dann bestimmt auch wieder schuld, wenn bald in ganz Europa bei solchen Veranstaltungen Schuhverbot besteht und die Politiker schon alleine durch den hundertfachen Fussmief unter Lebensgefahr stehen. Dann heisst's wieder "Ze Germans war'ns!" Naja.
pisuper (03.02.2009, 14:50 Uhr)
Warum lügen die dt Medien immer?
http://www.youtube.com/v/XVufr_pwcF8&hl=en&fs=1
http://news.qq.com/a/20090203/001152.htm
http://cache.tianya.cn/publicforum/content/worldlook/1/207241.shtml
arniston (03.02.2009, 11:10 Uhr)
verschweigen ?
nicht das einzige was sie verschweigen,,,
Clibanarius (03.02.2009, 11:01 Uhr)
Was die...
"China verschweigt Schuh-Attacke auf Wen"
.
....heuchlerische und vor erbärmlicher Doppelmoral triefende Westpresse nicht alles sagt! Sie sollte lieber erst mal an die eigene Nase fassen, als mit dem Finger auf andere Länder zu zeigen. Sonst wirds ein Schuh daraus.
laeppe (03.02.2009, 10:37 Uhr)
Der Ruf nach Schäääuuubbble
war überzeugend. Wer sich hier über
China übrigens mokiert sollte mal
genauer die "westliche Presse"
unter die Lupe nehmen.
Vom Stern und seinen Hitlertagebüchern gar nicht zu reden.
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