11. September 2008, 09:47 Uhr

Premier provoziert mit Ruf nach Kastration

Was tun mit Pädophilen? Nachdem bekannt wurde, dass in Polen ein 45-Jähriger seine Tochter jahrelang missbraucht hatte, fordert der polnische Regierungschef Donald Tusk die Zwangskastration von Inzest-Tätern. "Diese Kreaturen könnten nicht als Menschen bezeichnet werden", sagte er.

Dieser Mann soll seine Tochter vergewaltigt haben, seit sie 15 war©

Der polnische Regierungschef Donald Tusk hat mit seiner Forderung nach einer "Zwangskastration" von Pädophilen eine heftige Debatte in dem Land ausgelöst. Er reagierte mit seinem Vorstoß auf den jüngsten Inzest-Fall in dem Land. Ein 45-jähriger Mann soll in Ostpolen seine Tochter jahrelang sexuell missbraucht und mit ihr zwei Kinder gezeugt haben. Die heute 21-Jährige war von ihrem Vater erstmals mit 15 vergewaltigt worden.

Unterstützung durch Gesundheitsministerin

Die "chemische Kastration" sollte "nicht auf Wunsch des Verurteilten, sondern als ein Bestandteil des Urteils eingeführt werden", sagte Tusk nach Angaben der polnischen Medien vom Mittwoch. Die Medien und Politik reagierten auf Tusks Vorstoß mit Zustimmung, aber auch teilweise scharfer Kritik.

Tusk sagte, er glaube nicht, dass diese "Kreaturen" (wie Inzest-Täter) als Menschen bezeichnet werden könnten. Deshalb könne man die Menschenrechte nicht anwenden. Seine Regierung habe bereits Schritte eingeleitet, um die Vorschriften für pädophile Wiederholungstäter zu verschärfen. Die Gesundheitsministerin Ewa Kopacz stellte sich hinter Tusk.

Kastration könnte Aggressivität noch steigern

Die linksliberale Zeitung "Gazeta Wyborcza" kritisierte die Regierungspläne. "Das gibt es nicht in der zivilisierten Welt, weil es unvereinbar mit den Menschenrechten und der polnischen Verfassung ist." Der Abgeordnete des oppositionellen Demokratischen Linksbündnisses (SLD), Ryszard Kalisz, warnte, die Anwendung solcher chemischen Methoden könne bei einem Teil der Täter aggressives Verhalten sogar steigern. Moralphilosoph Pawel Lukow sagte der polnischen Nachrichtenagentur PAP, Zwangskastration wäre ein "Akt der Rache". Nach diesem Prinzip könnte man den Dieben Hände abhacken.

DPA
 
 
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Inzest Das polnische Amstetten

Der Fall erinnert an das Inzestverbrechen von Amstetten: In Polen hat ein Mann seine Tochter offenbar über Jahre hinweg eingesperrt, sie immer wieder vergewaltigt und zwei Kinder mit ihr gezeugt. Mit ihrer Mutter vertraute sich die heute 21-Jährige der Polizei an. Ihr Peiniger wurde festgenommen, als er sich nach Italien absetzen wollte.

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