Demonstranten liefern sich Straßenschlacht mit Polizei

6. Januar 2013, 10:34 Uhr

In Nordirlands Hauptstadt Belfast ist ein Streit über das Hissen der britischen Fahne eskaliert, es kam zu Zusammenstößen zwischen Polizei und pro-britischen Loyalisten. Schüsse sollen gefallen sein.

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Flaggenstreit in Nordirland: Pro-Britische Loyalisten blockieren eine Straße in Belfast.©

Am Wochenende hat sich in Nordirland der seit Wochen schwelende Flaggenstreit zwischen Protestanten und Katholiken gewaltsam zugespitzt: Im Anschluss an weitgehend friedliche Proteste pro-britischer Loyalisten in der Hauptstadt Belfast griffen am Samstagabend rund 100 Demonstranten die Polizei mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern an. Die Beamten gingen ihrerseits mit Plastikgeschossen und Wasserwerfern gegen die Protestler vor.

Mehrere Menschen wurden festgenommen, mindestens ein Polizist wurde verletzt. Ein 38-jähriger Mann wurde laut Polizei unter dem Verdacht des versuchten Mordes festgenommen. Man gehe Berichten nach, dass er eine Reihe scharfer Schüsse auf die Sicherheitskräfte abgegeben habe, teilten die Beamten mit.

Es war bereits die dritte Nacht mit Ausschreitungen in Folge. Bereits in der Nacht zum Freitag hatte es in Belfast gewaltsame Proteste von etwa hundert Demonstranten gegeben. Bei Unruhen in der Nacht zum Samstag waren mindestens neun Polizisten verletzt worden. 18 Demonstranten waren im Zusammenhang mit den Ausschreitungen in den ersten beiden Nächten vorübergehend festgenommen worden, 13 von ihnen müssen sich jetzt wegen Störung der öffentlichen Ordnung verantworten.

Der Politiker der republikanischen SDLP-Partei, Conall McDevitt, erklärte, es sei völlig inakzeptabel, dass die Proteste "als Vorwand für versuchten Mord" verwendet würden. Die einzig richtige Reaktion sei ein hartes Vorgehen der Polizei bei den "illegalen Protesten".

Streit entzündet sich an Flagge

Die England-treuen Loyalisten protestieren gegen die Entscheidung der Belfaster Stadtverwaltung, die britische Flagge nicht mehr ständig, sondern nur noch an wenigen Tagen im Jahr auf öffentlichen Gebäuden wehen zu lassen. Sie wollen, dass Nordirland britische Provinz bleibt, und lehnen eine Vereinigung mit der Republik Irland ab.

In drei Jahrzehnten gewalttätiger Auseinandersetzungen zwischen London-treuen Protestanten und den nach einem vereinten Irland strebenden Katholiken in Nordirland wurden rund 3500 Menschen getötet. Mit dem Friedensabkommen vom Karfreitag des Jahres 1998, das die Machtteilung zwischen Protestanten und Katholiken vorsieht, wurde der Konflikt weitgehend beendet. Kleinere Gruppen akzeptieren die damals vereinbarte Machtteilung zwischen den protestantischen und katholischen Parteien jedoch nicht und verüben weiter sporadisch Bombenangriffe.

jwi/DPA/AFP
 
 
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