In seiner Antrittsrede als neuer Präsident der USA hat Barack Obama seinen Landsleuten Mut zugesprochen, gemeinsam mit ihm die schweren wirtschaftlichen und politischen Probleme zu lösen. Lesen Sie die deutsche Übersetzung der Antrittsrede im Wortlaut.

Sein amerikanischer Traum: Obama hält seine "inauguration speech"© Heinz Kluetmeier/DPA
Meine lieben Landsleute, ich stehe hier heute demütig angesichts der Aufgabe, die vor uns liegt, dankbar wegen des Vertrauens, das ihr mir gewährt habt und eingedenk der Opfer unserer Vorfahren. Ich danke Präsident Bush für seinen Dienst für unser Land und für die Großzügigkeit und die Zusammenarbeit, die er während der Zeit des Regierungswechsels gezeigt hat. Vierundvierzig Amerikaner haben bisher den Amtseid des Präsidenten abgelegt.
Diese Worte wurden gesprochen in Flutzeiten des wachsenden Wohlstands und in der ruhigen See von Friedenszeiten. Doch ebenso oft wird der Amtseid abgelegt, wenn Wolken aufkommen und Stürme wüten. In solchen Zeiten ist Amerika nicht nur deswegen weitergekommen, weil die hohen Amtsträger so begabt oder so weitsichtig gewesen waren, sondern auch deswegen, weil das Volk den Idealen unserer Vorfahren und unseren Gründungsdokumenten treu geblieben ist.
So ist es gewesen. Und so muss es auch mit dieser Generation von Amerikanern sein. Dass wir mitten in einer Krise stecken, wird nun überall verstanden. Unsere Nation befindet sich im Krieg gegen ein weit gespanntes Netz der Gewalt und des Hasses. Unsere Wirtschaft ist schwer geschwächt - als Folge von Habgier und Unverantwortlichkeit auf Seiten einiger, aber auch wegen unseres kollektiven Versagens, schwere Entscheidungen zu treffen und die Nation auf eine neue Ära vorzubereiten.
Häuser wurden verloren, Arbeitsplätze abgebaut, Unternehmen geschlossen. Unser Gesundheitssystem ist zu kostspielig, zu viele unserer Schulen versagen, und jeder Tag bringt weitere Beweise, dass die Art, wie wir Energie verbrauchen, unsere Gegner stärkt und unseren Planeten bedroht.
Das sind die Anzeichen der Krise, wie sie mit Daten und Statistiken erfasst werden können. Nicht messbar, aber nicht weniger tiefgehend ist die Schwächung des Vertrauens im ganzen Land - eine nagende Angst, dass der Niedergang Amerikas unvermeidlich ist und dass die nächste Generation Abstriche machen muss.
Heute sage ich euch, dass die Herausforderungen, vor denen wir stehen, real sind. Sie sind ernst, und es gibt viele von ihnen. Wir werden sie weder mühelos noch in kurzer Zeit bewältigen. Aber das sollst du wissen, Amerika, sie werden bewältigt! An diesem Tag haben wir uns versammelt, da wir Hoffnung über Angst, Einigkeit im Ziel über Konflikt und Zwietracht stellen. An diesem Tag sind wir gekommen, um das Ende von engstirnigen Klagen und falschen Versprechungen zu verkünden, von gegenseitigen Schuldzuweisungen und abgenutzten Dogmen, die viel zu lange unserer Politik die Luft abgeschnitten haben. Wir bleiben eine junge Nation, aber nach den Worten der Schrift ist die Zeit gekommen, kindliche Dinge abzulegen.
Es ist an der Zeit, unseren ausdauernden Geist zu bekräftigen; unsere bessere Geschichte zu wählen; unsere wertvolles Geschenk weiterzugeben, diese erhabene Vorstellung, übermittelt von Generation zu Generation: Das von Gott gegebene Versprechen, dass alle gleich sind, alle frei sind und alle eine Chance verdienen, ihr volles Maß an Glück anzustreben.
Wenn wir die Größe unseres Landes bekräftigen, verstehen wir doch, dass Größe nie als gegeben betrachtet werden kann. Sie muss verdient werden. Auf unsere Reise ging es nie um Abkürzungen oder darum, sich mit weniger zufriedenzugeben. Es war nie der Weg der Mutlosen - derjenigen, die Freizeit über Arbeit stellen, oder die nur die Freuden des Reichtums oder des Ruhmes suchen.
Vielmehr waren es jene, die Risiken auf sich genommen haben, die Handelnden, die Macher, die uns auf diesen langen und zerklüfteten Weg zu Wohlstand und Freiheit mitgenommen haben - manche von ihnen gefeiert, aber häufiger waren es Männer und Frauen, deren Leistung unbekannt geblieben ist. Für uns haben sie ihren geringen weltlichen Besitz zusammengepackt und haben auf der Suche nach einem neuen Leben Ozeane überquert.
Für uns haben sie bei Ausbeutern geschuftet und den Westen besiedelt, haben den Hieb der Peitsche ertragen und die harte Erde gepflügt. Für uns haben sie gekämpft und sind sie gestorben, an Orten wie Concord und Gettysburg, in der Normandie und in Khe Sahn. Immer wieder haben diese Männer und Frauen gekämpft, Opfer gebracht und gearbeitet, bis ihre Hände wund waren, damit wir ein besseres Leben führen können.