Französische Roma-Lager werden geräumt

9. August 2012, 17:43 Uhr

Nicolas Sarkozys harter Kurs gegen die Roma hatte europaweit Proteste ausgelöst. Nun wurden weitere Lager geräumt, verantwortlich dafür ist nun sein Nachfolger, Francois Hollande.

2 Bewertungen
Roma, Lager, Räumung, Sarkozy, Hollande, Frankreich,

Diese Menschen müssen ihr Lager verlassen, es wurde von der Polizei geräumt©

Die französische Polizei hat am Donnerstag ein Roma-Lager nahe der Stadt Lille geräumt und die 200 Bewohner aus ihren Wohnwagen vertrieben. Bereits in den vergangenen Tagen waren bei Razzien in Paris und Lyon Hunderte eingewanderte Roma ohne gültige Papiere zum Verlassen ihrer Wohnungen gezwungen worden.

Die neue sozialistische Regierung setzt damit die Politik des früheren Präsidenten Nicolas Sarkozy fort, der im Sommer 2010 hart gegen Roma vorgegangen war und dafür Kritik von der EU, der katholischen Kirche und Menschenrechtlern erntete. Die EU-Kommission hatte Paris wegen der Gruppenabschiebungen von Roma mit einem Strafverfahren gedroht und dabei auf das EU-Recht auf Freizügigkeit verwiesen. Nach heftigem Streit verzichtete die Brüsseler Behörde dann aber auf Sanktionen.

Der neue Innenminister Manuel Valls verteidigte die Razzien als legal und notwendig, weil die improvisierte Unterbringung Hunderter Menschen auf engem Raum ein Gesundheitsrisiko darstelle. "Unhygienische Camps sind nicht hinnehmbar", erklärte er am Mittwoch. Häufig würden die Lager mitten in Arbeitervierteln errichtet und störten das Gemeinschaftsleben dort.

Zur Ausreise nach Rumänien gedrängt

Die Roma stellen nur einen geringen Teil der Einwanderer in Frankreich. Unter Sarkozy wurden Tausende zur Ausreise nach Rumänien gedrängt. Die Rückkehrer erhalten 300 Euro pro Erwachsenem und 150 Euro pro Kind, kommen danach aber oft rasch wieder nach Frankreich zurück. Nach Angaben der Organisation Ärzte der Welt gab es nach der Wahl bereits im Mai und Juli solche Rückführungen aus Lyon.

Valls kündigte an, die Regierung werde diese Zahlungen überprüfen. Zudem würden die Beschränkungen auf den Prüfstand gestellt, die für rumänische Bürger bei der Arbeitsaufnahme in Frankreich gelten. Viele Roma kommen aus Rumänien.

Menschenrechtler kritisierten, die Behörden hätten den aus ihren Wohnwagen vertriebenen Roma von Lille, zu denen auch etwa 60 Kinder zählten, keine Übergangswohnungen zur Verfügung gestellt. Schätzungsweise 15.000 bis 20.000 Roma leben in Frankreich.

ger/AFP/Reuters
 
 
MEHR ZUM THEMA
Legen Sie Ihr Geld richtig an! Legen Sie Ihr Geld richtig an! Der Ratgeber Geldanlage gibt Ihnen Tipps, wie Sie mehr aus ihrem Geld machen. Zu den Ratgebern
 
stern Investigativ
Anonymer Briefkasten: Haben Sie Informationen für uns? Anonymer Briefkasten Haben Sie Informationen für uns? Hier können Sie uns anonym Mitteilungen und Dateien zukommen lassen. Wir behandeln sie vertraulich.
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (17/2014)
Der Schicksalsflug