13. Februar 2013, 10:08 Uhr

Rätsel um Tod von Israels "Gefangenem X"

Israel in der Klemme: Berichte über den Selbstmord eines angeblichen Mossad-Agenten in israelischer Isolierhaft machen Israels Führung nervös. Der "Gefangene X" soll aus Australien stammen.

Agenten-Affäre, Israel, Bedrängnis, Selbstmord, Gefangene X

Der "Gefangene X" soll im Gefängnis Ayalon in völliger Isolation gehalten worden sein, berichtete ABC©

Der Tod eines angeblichen Mossad-Agenten in einem israelischen Hochsicherheitsgefängnis vor gut zwei Jahren sorgt in Israel für helle Aufregung. Der mutmaßliche Agent des Auslandsgeheimdienstes habe 2010 in Isolierhaft Selbstmord begangen und stamme aus Australien, berichteten israelische Medien am Mittwoch nach Aufhebung einer strengen Nachrichtensperre. Genauere Einzelheiten der Affäre waren jedoch zunächst weiter unklar. Der unter höchster Geheimhaltung eingesperrte Mann sei mit einer Israelin verheiratet gewesen und habe zwei Kinder, hieß es.

Nach einem Bericht des australischen Senders ABC handelte es sich um Ben Zygier, der vor mehr als zehn Jahren nach Israel ausgewandert war. Er soll nach den Recherchen seinen Namen in Ben Alon geändert und für den Geheimdienst Mossad gearbeitet haben. Der "Gefangene X" wurde im Gefängnis Ayalon in völliger Isolation gehalten und selbst die Wachen kannten seine Identität nicht, berichtete ABC. Es sei nie Anklage erhoben worden. Ende 2010 wurde der damals 34-jährige Mann erhängt in seiner Zelle gefunden. Es ist nicht bekannt, was ihm damals vorgeworfen wurde.

Selbst die Wachen kannten nicht seine Identität

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte am Dienstag ranghohe Medienvertreter des Landes zu einer Dringlichkeitssitzung einberufen. Der Regierungschef forderte sie nach Medienberichten dazu auf, die Geschichte nicht zu veröffentlichen, weil sie Israels Ansehen schaden könnte.

Während der Bericht im Internet außerhalb von Israel schon seine Kreise zog, forderten israelische Abgeordnete danach im Parlament eine Offenlegung des Vorfalls. Der arabische Abgeordnete Ahmed Tibi rief den Justizminister Jaakov Neeman dazu auf, zu den Berichten Stellung zu nehmen. Sahava Galon von der linksliberalen Merez-Partei sagte: "Die Regierung hätte von sich aus das Parlament und die Öffentlichkeit über diese schwerwiegende Affäre informieren müssen." Der ehemalige israelische Außenminister Avigdor Lieberman warf den Parlamentariern am Mittwoch vor, sie wollten der israelischen Staatssicherheit schaden.

Das australische Außenministerium korrigierte am Mittwoch ursprüngliche Angaben und teilte mit, einige Personen seien über die Inhaftierung des Mannes informiert gewesen. Außenminister Bob Carr hatte zunächst gesagt, niemand habe von dem Fall gewusst, weil die Familie sich nicht mit der Bitte um konsularischen Beistand an die Regierung gewandt hatte. Die israelischen Behörden hätten der australischen Botschaft 2010 lediglich den Tod eines Mannes mit doppelter Staatsbürgerschaft mitgeteilt. Carr ordnete eine Untersuchung des Vorfalls an. Der Leichnam wurde nach Angaben von ABC im Dezember 2010 nach Melbourne geflogen und dort auf dem jüdischen Friedhof beerdigt.

vale/DPA
 
 
Jetzt bewerten
1 Bewertungen
MEHR ZUM ARTIKEL
Porträt über Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu - eine tragische Figur

Im Wahlkampf galt Israels rechter Regierungschef Netanjahu lange als sicherer Sieger. Nun muss er eine Ohrfeige der Wähler verkraften. Er geht geschwächt in komplizierte Koalitionsverhandlungen.

Wahl in Israel Netanjahu geht als geschwächter Sieger hervor

Bei den Parlamentswahl hat das Parteienbündnis um Regierungschef Benjamin Netanjahu Verluste erlitten, aber ging dennoch als stärkste Kraft hervor.

Israel-Wahl Netanjahu bleibt an der Macht

Schlappe für Premier Netanjahu bei den Wahlen in Israel: Sein rechtes Bündnis bleibt zwar stärkste Kraft, erleidet aber große Verluste. Für eine Überraschung sorgte Ex-TV-Journalist Jair Lapid.

 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (21/2013)
Geht's jetzt an mein Geld?