"Türkei, Du bist nicht allein"

7. Juni 2013, 17:41 Uhr

Europäische Erasmus-Studenten in Istanbul unterstützen per YouTube-Video die türkischen Demonstranten: "Wir werden Eure Botschaft weitertragen", versprechen sie - und zwar nach ganz Europa. von Maria Kirady

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Eine junge deutsche Erasmus-Studentin bezeugt in einem YouTube-Video ihre Soldidarität mit den türkischen Demonstranten vom Taksim-Platz©

Eine junge Frau in Jeans steht allein vor einem Bauzaun und schlägt mit einem Kochlöffel auf einen Topf. Im Hintergrund sind Kräne und Häuser unter einer gleißenden Sonne zu sehen. Ein zweites Mädchen mit einer Türkei-Fahne kommt dazu. Auch sie hat einen Topf in der Hand. Immer mehr junge Menschen finden sich topfschlagend vor dem Zaun ein, bis ein regelrechtes Klopforchester anschwillt. Es sind Erasmus-Studenten in Istanbul aus verschiedenen europäischen Ländern, die eine Botschaft haben: "Türkei, Du bist nicht allein."

Das Video auf YouTube soll den türkischen Demonstranten Mut machen. Deren Forderung nach mehr Demokratie, Partizipation und Achtung der Menschenrechte wollen die jungen Leute in ihre Heimatländer nach ganz Europa tragen. Auch eine Deutsche ist dabei. Die Studenten begreifen sich als die junge Stimme Europas. Gegenüber stern.de sagen sie, die Idee zu dem Video sei ihnen spontan gekommen, als sie ihre Nachbarn beobachteten, die auf dem Balkon standen und auf Töpfe und Pfannen schlugen. Damit feuerten sie die Demonstranten auf dem nahegelegenen Taksim-Platz an. Am Tag darauf drehten die Studenten das Video.

Ihre Kommilitonen würden auf die Straße gehen, sie wollten den Protest in die sozialen Netzwerken bringen, sagen die Videobotschafter über sich selbst. Die Menschen in der Türkei hätten sie in den letzten Monaten so sehr unterstützt, jetzt sei es an der Zeit, etwas zurückzugeben. Den türkischen Medien werfen sie vor, lieber Soaps und Unterhaltung zu zeigen, statt über die Proteste zu berichten, die landesweit entflammt sind.

Die Solidarität mit den Demonstranten ist für Ausländer riskant. Offenbar wurden bei den jüngsten Protesten auch Erasmus-Studenten festgenommen. Mindestens zwei französische Austauschstudenten befanden sich zeitweise in Haft, eine Journalistikstudentin ist aber mittlerweile wieder auf freiem Fuß, wie die französische Slate berichtet. Deshalb wollen die Macher des Videos ihre Namen nicht preisgeben, zu groß ist die Angst vor Repressionen.

Begonnen hatte alles vor etwa einer Woche, als die Einwohner Istanbuls gegen den Abriss der Bäume im Gezi-Park demonstrierten. Die Regierung reagierte mit massiver Polizeigewalt, was die Proteste nur noch mehr anfachte. Inzwischen haben die Unruhen das ganze Land erfasst. Unter dem Hashtag #occupygezi dokumentieren Nutzer sozialer Netzwerke die Proteste abseits der Mainstreammedien.

Mitarbeit: Jens Wiesner

Maria Kirady
 
 
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