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29. August 2010, 08:53 Uhr

Aufmarsch für Gott - und gegen Obama

Am Jahrestag der "I have a dream"-Rede von Martin Luther King machen Ultra-Konservative und die religiöse Rechte in Washington mobil. Sarah Palin provozierte mit einer symbolträchtigen Ortswahl.

Zehntausende Demonstranten haben sich am Samstag vor dem Lincoln Memorial in Washington versammelt, um gegen angeblichen Zerfall nationaler und religiöser Werte und gegen das politische Establishment zu protestieren. "Wir müssen Amerika wiederherstellen, wir müssen die Ehre Amerikas wiederherstellen", rief Sarah Palin, die ehemalige Vize-Präsidentschaftskandidatin der Republikaner. Auf den Tag genau 47 Jahre, nachdem der Bürgerrechtler Martin Luther King an gleicher Stelle seine berühmte Rede gegen die Rassentrennung ("I have a dream") gehalten hatte.

Die Teilnehmer begannen die Veranstaltung mit einem Treuegelöbnis auf die US-Fahne und sangen die US-Nationalhymne. In ihrer Rede sagte Palin, sie "spüre den Geist Martin Luther Kings". In ihrer Ansprache ehrte sie zudem die US-Soldaten, die sich im Ausland im Einsatz befinden.

Zwar war die Veranstaltung nicht ausdrücklich gegen US-Präsident Barack Obama gerichtet - doch die ultra-konservative Stoßrichtung gegen die Regierung war unverkennbar. "Amerika beginnt heute, sich wieder zu Gott zu wenden", rief der Organisator der Veranstaltung und Moderator des TV-Senders Fox News, Glenn Beck. Er sprach von mehreren hunderttausend Teilnehmern.

Gradmesser für die Wahl

Die Veranstaltung galt nach Ansicht von Kommentatoren auch als Gradmesser für die Stärke der rechten "Tea-Party-Bewegung", die seit über einem Jahr gegen die Regierung zu Felde zieht: Sarah Palin gilt als Galions-Figur der Bewegung. Zahlreiche Mitglieder der Bewegung bemühen sich derzeit um eine Kandidatur bei den Kongresswahlen am 2. November, bei der die parlamentarische Mehrheit Obamas auf dem Spiel stehen könnte.

Zahlreiche Teilnehmer trugen US-Fahnen bei sich, auf Banner mit politischen Botschaften wurde auf Bitte der Organisatoren verzichtet. Allerdings trugen viele der Anwesenden T-Shirts mit Aufschriften wie "Freiheit", "Haben Sie Prinzipien?" oder "Die Ehre wiederherstellen". "Wir wollen, dass unser Land zu den Prinzipien der Gründerväter zurückkehrt", sagte der Demonstrant Lou Tribus, der aus dem südlichen Bundesstaat Tennessee angereist war.

Die konservative Bewegung lehnt sich an die sogenannte Boston Tea Party an. Die Bevölkerung hatte 1773 gegen die Steuerpolitik der Kolonialmacht Großbritannien aufbegehrt, indem die Bostoner eine Schiffsladung Tee ins Meer kippten. Drei Jahre nach dem Aufstand erlangten die USA ihre Unabhängigkeit. Die heutige Bewegung wirft Obama vor, er wolle in den USA den Sozialismus einführen, und kämpft unter anderem erbittert gegen die Anfang des Jahres in Kraft getretene Gesundheitsreform.

Kontroverse über Veranstaltungsort

Zugleich brach eine erbitterte Kontroverse über den Ort der Veranstaltung am Samstag aus. Die Rechten versammelten sich an der Gedenkstätte für Abraham Lincoln, den 16. Präsidenten der USA - und damit ausgerechnet an dem Ort, wo vor genau 47 Jahren der später ermordete schwarze Bürgerrechtler Martin Luther King seine berühmte "I have a dream"-Rede über eine Gesellschaft ohne Rassenschranken hielt. Kritiker warfen der "Tea Party" vor, rassistische Vorbehalte zu schüren. Zu der Versammlung hatte der umstrittene TV-Moderator Glenn Beck aufgerufen, der Obama erst kürzlich "tief sitzenden Hass auf Weiße" nachgesagt hatte.

Bürgerrechtler monierten die Wahl des symbolträchtigen Ortes im Herzen Washingtons, teilweise war von einer Provokation die Rede. Allerdings sprach auch Alveda King, eine Nichte des Bürgerrechtlers, vor dem Denkmal Lincolns. Sie meinte, die derzeit schlechte Wirtschaftslage "reflektiert die moralische Armut Amerikas."

Beck selbst meinte, es handele sich in Wahrheit gar nicht um eine politische Veranstaltung. Das Motto der Demo heiße "Restoring Honor" (Die Ehre wiederherstellen) und es gehe darum, die US-Truppen zu unterstützen sowie die traditionellen "amerikanischen Werte" und Gottesglaube wieder zur Geltung zu bringen.  

AFP
 
 
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