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Erzkonservative "Tea Party"-Bewegung: "Gott ist und war immer die Antwort"

Im Rahmen einer Massenkundgebung am Lincoln Memorial in Washington hat die erzkonservative "Tea Party"- Bewegung am Samstag gegen US-Präsident Obama protestiert. Erzkonservative Galionsfiguren wie Sarah Palin und der Fox News-Moderator Glenn Beck hatten eine einfache Patentlösung für sämtliche Probleme Amerikas parat: Gott.

Mit einer Massenkundgebung in Washington haben erzkonservative Gegner von US-Präsident Barack Obama ihrem Ärger über den angeblichen Werteverfall des Landes und zu viel Staatseinfluss Luft gemacht. Zehntausende Menschen kamen am Samstag am Lincoln Memorial zusammen. Dort hatte Martin Luther King vor knapp einem halben Jahrhundert seine berühmte Rede gegen die Rassentrennung gehalten - eine Überschneidung, die für Unmut sorgte.

Zu Beginn der Kundgebung legte die Menge ein Treuegelöbnis auf die US-Fahne ab und sang die Nationalhymne. Erzkonservative Galionsfiguren wie die frühere republikanische Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin und der TV-Moderator Glenn Beck riefen in religiös gefärbten Reden dazu auf, die "Ehre" der USA wiederherzustellen. Beck, dessen auf dem Sender Fox News im Schnitt zwei Millionen Zuschauer verfolgen, gab die Zahl der Teilnehmer mit bis zu 500.000 an. Auf der Grundlage von Luftaufnahmen schätze der TV-Sender CBS dagegen, dass sich nur etwa 87.000 Menschen am Lincoln Memorial versammelt hatten.

"Wir müssen Amerika wiederherstellen, wir müssen die Ehre Amerikas wiederherstellen", rief Palin ihren jubelnden Anhängern zu. Gegen Obamas Reformpolitik gerichtet sagte sie, die USA dürften nicht "fundamental umgeformt" werden. Beck mahnte, das Land befinde sich "am Scheideweg". Die US-Bürger müssten sich wieder "Glaube, Hoffnung und Nächstenliebe" zuwenden. "Gott ist und war immer die Antwort", sagte der Moderator.

Am Lincoln Memorial hatte der schwarze Bürgerrechtler Martin Luther King am Tag genau vor 47 Jahren seine berühmte "I have a dream"-Rede gehalten. Liberalen US-Bürgern erschien das für die Veranstaltung gewählte Datum und der Ort daher als Affront. Sie halten Beck und Palin vor, dass ihre politischen Ansichten nicht mit den Idealen von Martin Luther King vereinbar sind. Beck hatte Obama, dem ersten schwarzen Präsidenten in der US-Geschichte, etwa "tief sitzenden Hass auf Weiße" nachgesagt.

Der Moderator erklärte, die Überschneidung sei rein zufällig. Palin sagte dagegen in ihrer Rede, sie "spüre den Geist Martin Luther Kings". Auf einer Gegenveranstaltung sagte der schwarze Bürgerrechtler Al Sharpton, die Erzkonservativen hätten sich für ihre Kundgebung vielleicht den historischen Ort gesichert, "aber wir haben den Traum".

Viele der Menschen am Lincoln Memorial standen der Basisbewegung "Tea Party" nahe, die in den vergangenen Monaten als politisches Sammelbecken am rechten Rand der Republikaner starken Zulauf erhalten hat. Der Name lehnt sich an die sogenannte Boston Tea Party 1773 an, als die Bevölkerung gegen die Steuerpolitik der Kolonialmacht Großbritannien aufbegehrte. Drei Jahre später erreichten die USA ihre Unabhängigkeit. Die heutige Bewegung wirft Obama vor, er wolle in den USA den Sozialismus einführen, und kämpft unter anderem erbittert gegen die Anfang des Jahres in Kraft getretene Gesundheitsreform.

Auf Banner mit politischen Botschaften wurde bei der Kundgebung am Samstag auf Bitte der Organisatoren verzichtet, allerdings trugen viele der Anwesenden T-Shirts mit Aufschriften wie "Freiheit" oder "Die Ehre wiederherstellen". "Wir wollen, dass unser Land zu den Prinzipien der Gründerväter zurückkehrt", sagte etwa der Demonstrant Lou Tribus, der aus dem südlichen Bundesstaat Tennessee angereist war.

AFP / AFP