"Schwierig, die Summe in bar aufzutreiben"

15. Dezember 2010, 11:01 Uhr

Die Anwälte des inhaftierten Wikileaks-Chef Julian Assange haben erst die Hälfte der geforderten Kaution von 200.000 Pfund beisammen. Bis Donnerstag haben die prominenten Unterstützer wie Michael Moore und Bianca Jagger noch Zeit - erst dann entscheidet das Londoner Gericht über den Berufungsantrag aus Schweden.

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Wikileaks-Sympathisanten forden in London die Freilassung von Julian Assange©

Die Anwälte und Unterstützer des Wikileaks-Gründers Julian Assange haben bisher erst rund die Hälfte der Kautionssumme von 200.000 britischen Pfund (ca. 240.000 Euro) zusammen. Es sei schwer, die Summe in bar aufzubringen, sagte Assanges Londoner Anwalt Mark Stephens dem Sender BBC. Neben Prominenten wie Regisseur Michael Moore oder Bianca Jagger hätten sich seit der Verkündung der Kautionssumme auch weitere Menschen gemeldet, die Geld geben wollten.

Ohnehin wird Assange bis mindestens Donnerstag im Gefängnis bleiben müssen. Erst dann werde über den schwedischen Einspruch gegen die Freilassung des Wikileaks-Chefs entschieden, teilte das zuständige Gericht mit. Am Dienstag hatten die Richter entschieden, Assange unter Auflagen auf Kaution aus dem Gefängnis zu entlassen. Unter anderem soll das Geld in bar hinterlegt werden, Assange muss zudem eine elektronische Fußfessel tragen und sich einmal täglich bei der Polizei melden. Kurz darauf ging die schwedische Staatsanwaltschaft jedoch gegen diese Entscheidung in Berufung.

Hacker rächen sich an schwedischer Justiz

Dafür rächten sich die Wikleaks-Sympathisanten umgehend: Hacker attackierten die Internetseite der schwedischen Staatsanwaltschaft zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit und legten diese für fast zwölf Stunden lahm. Wie eine Behördensprecherin in Stockholm mitteilte, war die Seite Dienstagabend "aus ungeklärten Gründen und überraschend" blockiert. Die Website war am Mittwochmorgen wieder erreichbar. Am späten Dienstagabend hatte die mit Wikileaks sympathisierende Hackergruppe "Anonymous" mitgeteilt, dass man die Internetseite attackiert habe.

Ist "Spitzel" Bradley Manning ein Held?

Andere Sorgen hat man in der kalifornischen Universitätsstadt Berkeley: Dort hat der Stadtrat eine Abstimmung über eine Resolution zu dem mutmaßlichen Wikileaks-Informanten Bradley Manning auf unbestimmte Zeit verschoben. Darin wird gefordert, Manning zum Helden zu erklären, weil er Dokumente der US-Streitkräfte über den Krieg im Irak öffentlich gemacht habe. Zudem sollte die Freilassung des Obergefreiten gefordert wird, der zurzeit im US-Staat Virginia in einem Militärgefängnis sitzt.

Manning wird vorgeworfen, geheime Regierungsdokumente für die Enthüllungsplattform Wikileaks zugänglich gemacht zu haben. Der Verfasser der Resolution, Bob Meola, sagte der Tageszeitung "San Francisco Chronicle", Manning sei ein Patriot, dem eine Medaille gebühre. Einigen Mitgliedern des Stadtrats ging die Resolution aber offenbar zu weit, sie forderten mehr Zeit, um die Einzelheiten prüfen zu können. Andere verwiesen darauf, dass Manning noch gar nicht erklärt habe, dass er tatsächlich für die Enthüllungen verantwortlich gewesen sei.

US-Luftwaffe blockiert Websites mit Wikileaks-Dokumenten

Die US-Luftwaffe blockiert den Zugang zu den Websites von Medienunternehmen, die die von der Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlichten Dokumente verbreitet haben. Eine Luftwaffensprecherin erklärte, insgesamt würden 25 Websites blockiert. Auf sie könne von Computern der US-Luftwaffe nicht zugegriffen werden. Anwälte der Luftwaffe hätten dies genehmigt, erklärte die Sprecherin. Heer und Marine haben sich dieser Maßnahme bislang nicht angeschlossen.

Die einzige große US-Zeitung, die von der Zensur betroffen sei, sei die "New York Times", sagte die Sprecherin. Andere gesperrte Medien seien "Der Spiegel" in Deutschland, der "Guardian" in Großbritannien und "Le Monde" in Frankreich. Die US-Luftwaffe blockiere regelmäßig Websites, deren Inhalte als unangemessen betrachtet würden, dazu gehörten auch die Wikileaks-Dokumente, sagte die Sprecherin weiter.

Das Weiße Haus hatte bereits Anfang Dezember darauf hingewiesen, dass alle Bundes-Beschäftigten ohne entsprechende Sicherheitseinstufung Dokumente, die als geheim eingestuft seien, nicht lesen dürften. Auch nicht von zuhause auf privaten Computern.

be/DPA/DAPD/Reuters
 
 
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