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Assange kommt gegen Kaution frei: Anwälte wollen 200.000 Pfund noch heute zahlen

Der Gründer der Internet-Enthüllungsplattform Wikileaks, Julian Assange, kommt auf Kaution aus der Haft frei. Ein Gericht in London wies einen Einspruch Schwedens gegen die vorläufige Haftentlassung am Donnerstag zurück, weil keine Fluchtgefahr bestehe.

Der inhaftierte WikiLeaks-Chef Julian Assange kann doch auf Kaution freikommen. Ein britisches Gericht lehnte am Donnerstag eine Beschwerde gegen diese Entscheidung ab. Richter Duncan Ouseley hielt an der Kaution von 200.000 Pfund fest. Lediglich die strengen Bedingungen für die Freilassung wurden leicht geändert. Allerdings muss Assanges Anwalt erst die 200.000 Pfund Kaution aufbringen, die in bar hinterlegt werden muss. Er äußerte sich aber optimistisch, dies noch im Laufe des Tages zu schaffen. Die schwedischen Behörden wollen die Auslieferung Assanges erreichen, um ihn wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung zu befragen. Eine Anklage gibt es bislang nicht. Assange hat die Vorwürfe stets bestritten.

Zu den Auflagen für die Freilassung Assanges gehört, dass er sich auf dem Landsitz Ellingham Hall in der ostenglischen Grafschaft Suffolk aufhält, sich täglich bei der Polizei meldet und eine elektronische Fußfessel trägt. Der Landsitz gehört einem Unterstützer Assanges, der sich für die Pressefreiheit einsetzt.

Verwirrung gab es am Donnerstag darüber, wer die Beschwerde gegen die Freilassung initiiert hatte. Die schwedische Staatsanwaltschaft erklärte, der Fall liege in den Händen der Briten. Ein Vertreter der britischen Staatsanwaltschaft sagte im Rundfunk, sie handele im Auftrag der schwedischen Regierung.

Zeitung: US-Regierung ermittelt wegen Anstiftung zum Verrat

Assange hat sich vor allem den Zorn der US-Regierung auf sich gezogen, weil auf WikiLeaks Geheimdokumente amerikanischer Diplomaten veröffentlicht werden. Die US-Staatsanwaltschaft prüft nach einem Zeitungsbericht, ob es direkte Verbindungen zwischen dem mutmaßlichen WikiLeaks-Informanten Bradley Manning und Assange gab. Wie die "New York Times" am Mittwoch berichtete, soll ermittelt werden, ob Assange den Gefreiten der US-Armee möglicherweise aktiv angestiftet habe, die Dokumente der US-Regierung an WikiLeaks weiterzugeben. Sollte dies belegt werden können, sei eine Anklage gegen Assange wegen Verschwörung denkbar, meldete das Blatt weiter.

Reporter ohne Grenzen beklagt Zensur von Wikileaks-Berichten

Unterdessen haben zahlreiche Staaten den Zugang zu den WikiLeaks-Seiten sperren lassen. Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) kritisiert dies als unverhältnismäßig. Solche Maßnahmen "verletzen das Recht auf Informationsfreiheit", erklärte ROG am Donnerstag. So habe die US-Luftwaffe auch den Zugang zu Online-Ausgaben von Zeitungen und Zeitschriften wie "The Guardian", "Le Monde", "Der Spiegel" und "El Pais" sperren lassen. Auch die US-Kongressbibliothek habe den Zugang zu WikiLeaks von ihren Computern aus unterbunden. Ähnliche Schritte habe es in China, Thailand, Pakistan und Marokko gegeben. Solche Zensurmaßnahmen "sind eine unverhältnismäßige und gefährliche Antwort", erklärte ROG. Die USA gerieten mit ihren Zensurmaßnahmen in die Nähe von autoritären Staaten wie China.

Reuters/AFP / Reuters