Keine Alternative für Deutschland

18. Juli 2013, 09:06 Uhr

Die AfD will Griechenland aus dem Euro werfen, um den Euro zu retten. Eine Forderung, die verheerende Folgen hätte - auch für Deutschland. Ein Kommentar von Andreas Petzold

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AfD-Chef Bernd Lucke: Professor mit ökonomischem Tunnelblick©

Schon der Name ist eine Anmaßung. "Alternative für Deutschland" (AfD) nennt sich die Partei, die den Euro zerlegen will und noch nicht einmal über das Larven-Stadium hinausgekommen ist. Dennoch müssen wir uns mit dem Grüppchen befassen, damit nicht allzu viele Wähler glauben, mit einem simplen AfD-Rezept ließe sich die europäische Krankheit heilen. Wie in der neuen Ausgabe des stern nachzulesen ist, handelt es sich bei diesem frisch gegründeten Zusammenschluss um ein Schlangennest, in dem untereinander gern und reichlich Gift verspritzt wird. Es geht um wilde Verschwörungstheorien, "Wünschelruten-Esoterik" und angebliche "Gestapo-Methoden".

Aber versuchen wir für einen Augenblick sachlich zu bleiben. An der Spitze steht immerhin ein ernst zunehmender Makro-Ökonom, Professor Bernd Lucke. Er hofft, nein ... er weiß genau: Die europäische Staatsschuldenkrise ist lösbar, indem die südlichen Euro-Länder zu nationalen Währungen zurückkehren. Sein Kernargument: Über den Wechselkurs-Mechanismus würden die schwächelnden Mittelmeerstaaten sehr schnell wieder an Wettbewerbsfähigkeit gewinnen und wachsen.

Was die AfD propagiert, wäre für Europa verheerend

Das ist in der Theorie nicht falsch. Aber die praktischen Folgen wären verheerend, warnen namhafte Ökonomen. Zunächst einmal kann kein Land ohne weiteres über Nacht aus dem Euro austreten. Es müsste, so steht es in den Verträgen, zuvor die EU verlassen. Kapitalverkehrskontrollen müssten eingerichtet werden, um den Austritt überhaupt verhandeln zu können. Auf Jahre hinaus würde kein Investor die Anleihen in der neuen Währung des ausgetretenen Staates kaufen, die Refinanzierung wäre unmöglich, hohe Inflation fast unausweichlich.

Griechenland beispielsweise hätte nicht einmal Devisen, um Medikamente oder Treibstoff zu importieren, die Versorgung der Bevölkerung würde sich über Nacht dramatisch verschlechtern. Die europäische Zentralbank müsste Hunderte Milliarden an Forderungen aus dem Target-System abschreiben, jenem riesigen Geldverrechnungs-Konto im Euroraum, was insbesondere Deutschland treffen würde. Millionen Menschen im Süden würden ihr Geld aus den Banken holen aus Angst davor, dass ihr Land der nächste Austrittskandidat wäre. Unternehmen und Banken hätten riesige Verluste in ihren Büchern, denn sie könnten ihre Schulden in den Austrittsländern nicht mehr eintreiben.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Es ist durchaus vernünftig, die Euro-Krisenpolitik kritisch zu begleiten und möglichst durch sinnvolle Vorschläge zu bereichern. Doch vor den unausgegorenen AfD-Plänen fürchten sich selbst die Herren in der Frankfurter Bundesbank, jene Lordsiegelbewahrer der konservativen Geldpolitik.

Europa darf nicht in die Schusslinie von Populisten geraten

AfD-Chef Lucke, jener Professor aus Hamburg, schaut auf die Staatsschuldenkrise mit ökonomischem Tunnelblick. Dabei geht es eben nicht alleine um eine nüchterne volkswirtschaftliche Betrachtung. Es folgt der europäischen Idee, dass die Euro-Staaten und die EZB immer neue Rettungsanker ausgeworfen haben (EFSM, ESF, ESM, Fiskalunion, Bankenunion), um Zeit zu gewinnen. Zeit für Reformen. Zeit, um wieder im globalen Wettbewerb zu bestehen und Zeit, um wieder eine solide Schuldentragfähigkeit zu erreichen.

Der Euro und die europäische Union sind ein über Jahrzehnte gewachsenes wertvolles Wohlstandskonstrukt, das nicht in die Schusslinie von ökonomischen und politischen Populisten geraten darf. Den Euro auseinanderzunehmen, um den Euro zu retten – das ist wie Löschen mit Benzin. Diese Alternative wäre der Anfang vom Ende von Europa. Also wirklich keine Alternative für Deutschland.

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