Die Konservativen haben es nicht leicht mit Angela Merkel. Sie macht Politik wie einst der Leichtathlet Emil Zatopek rannte - sehr unorthodox. Und soeben hat sie in der CDU mal wieder gewonnen. Von Hans-Peter Schütz

Unorthodoxer aber erfolgreicher Laufstil: Bundeskanzlerin Angela Merkel© Thomas Peter/REUTERS
Häufig ist in diesen Tagen - mal leise, mal laut - über die "Führungsschwäche" von Angela Merkel in der CDU gelästert worden. Wie die Kanzlerin auf der zweitägigen Vorstandsklausur von Präsidium und Bundesvorstand sowie beim Gipfeltreffen mit Horst Seehofer und Guido Westerwelle bewiesen hat, hat sie ihre Mannen allerdings besser im Griff als einst Helmut Kohl. Der musste immer wieder zu einem Trick greifen, um nörgelnde Parteifreunde in den Führungsgremien in Schach zu halten. Erst redete Kohl lange und langweilig auf den Bundesvorstand ein. "Nach anderthalb Stunden", so sein Befehl an CDU-Generalsekretär Heiner Geißler und ans Personal der CDU-Parteizentrale, "reißt ihr die Türen zum Sitzungssaal auf und serviert allen erstmal eine Suppe." Das soll sehr dämpfend auf alle potentiellen Aggressoren im Vorstand gewirkt haben. Der heutige CDU-Ministerpräsident Christian Wulff hatte Kohl noch ein radikaleres Beruhigungsmittel empfohlen: Er möge doch zu Beginn jeder Sitzung erst einmal die Liste der seit dem letzten Treff verstorbenen Parteifreunde vorlesen.
Derartige Tricks benötigt Angela Merkel nicht. Wer immer in der CDU-Führung während der Tagung Ende vergangener Woche in der CDU-Zentrale Hunger hatte, konnte jederzeit Essen ordern. Und am Abend der ersten Beratungsrunde füllte sie die Parteifreunde bei einem "Berliner Abend" zusätzlich mit Bouletten und Bier ab. Sie selbst zeigte sich in Bestform. Denn im Weihnachtsurlaub hatte sie mit großem Interesse eine Biografie des tschechischen Marathon-Wunderläufers Emil Zatopek gelesen. Dessen Laufstil ließ nach den klassischen Laufregeln der Leichtathletik ebenso zu wünschen übrig wie jener der Kanzlerin an der CDU-Spitze. Aber beim Endspurt ist Zatopek immer der Beste gewesen. Wie Merkel.
Wir finden: Zatopek ist auf jeden Fall ein besseres Vorbild für die Kanzlerin als Katharina die Große, deren Bild ihren Schreibtisch im Kanzleramt schmückt. Die russische Zarin bewährte sich zwar bei dem, was auch Merkel zum Ärger der CDU-Konservativen versucht, nämlich bei der Reform des Sozial-, Familien- und Bildungssystems im zaristischen Russland. Aber beim wechselvollen Privatleben der Zarin kann die Kanzlerin bei weitem nicht mithalten. Sollte sie auch nicht, denn es passt nicht zu einer CDU-Vorsitzenden.