Ude lockert die Lachmuskeln

12. November 2012, 12:45 Uhr

Wer hätte das gedacht? Der SPD-Spitzenkandidat für Bayern, Christian Ude, beweist in Berlin sein Unterhaltungstalent. Peer Steinbrück erhält derweil Jobangebote für die Zeit nach der Bundestagswahl. Von Hans Peter Schütz

Steinbrück, Brüderle, Ude, Christian, Peer, CDU, CSU, FDP, SPD, De Maizière, de Maiziere, Bundeswehr, Georg, Leber, Kujat, Bayern, Berlin

Brachte auch sein Publikum in Berlin zum Lachen: Christian Ude, SPD-Spitzenkandidat bei der bayerischen Landtagswahl©

Rainer Brüderle, vermutlich der FDP-Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl 2013, hat jetzt bewiesen, dass er das Geschäft der Verleumdung des politischen Gegners sehr gut beherrscht. Befragt nach dem soeben beschlossenen Rettungspaket der Koalition befasste er sich dichterisch mit der Reaktion der SPD: "Fällt den Sozis etwas ein, muss es ne Steuererhöhung sein."

*

Falls aus dem politischen Lebenstraum des Peer Steinbrück nichts wird, unter anderem, weil er angeblich bei den weiblichen Wählerinnen nicht ausreichend landen kann, so muss er sich um seine Zukunft keine Sorgen machen. Auch nicht beim Gedanken daran, dass es vielleicht mit den Vortragshonoraren nicht mehr so flutscht, wenn er die Kanzlerschaft nicht schafft. Denn der SPD-Kanzlerkandidat bekam im "Roten Frauensalon", einem Diskussionskreis der SPD-Frauen, bereits jetzt ein Beschäftigungsangebot. Eine Textilunternehmerin, die nach Möglichkeit so genannte hoffnungslose Fälle aus dem Arbeitsmarkt einstellt, machte Steinbrück ein Angebot. Die Moderatorin der Veranstaltung fragte diese Unternehmerin: "Sie nehmen doch nicht jeden?" "Doch", antwortete sie, "selbst Herrn Steinbrück, wenn er sagt, es wird nix mit der Nummer 1." Er dürfe dann sogar entscheiden, ob er künftig lieber im Zuschnitt oder in ihrem Rechnungswesen zu arbeiten gedenke. Da lachte Steinbrück laut los – genauer auf den Job legte er sich allerdings nicht fest.

*

Ganz ungewöhnlichen Zulauf hatte die Freistaatsfeier "94 Jahre Freistaat Bayern" der bayerischen SPD-Bundestagsfraktion in der Landesvertretung in Berlin. Statt der angemeldeten 300 Gäste begehrten mehr als 600 Einlass. Es muss offen bleiben, ob der Andrang auf neu erwachte politische Sympathie mit den Genossen zurückzuführen war oder auf das Wissen, dass der Freistatt einst nicht von Franz-Josef Strauß gegründet worden ist, sondern von den Sozis Kurt Eisner und Wilhelm Högner. Oder beruhte der Andrang vor allem darauf, dass die Verköstigung für den Abend vom Münchner "Feinkost-Käfer" versprochen war? Wie auch immer: Die verbale Verköstigung durch den "zukünftigen bayerischen Ministerpräsidenten" (so der Text der Einladung) Christian Ude, SPD-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl, war auch ein Genuss.

*

Ude sorgte für lockere Bauchmuskeln, indem er die Lachmuskeln der Gäste bediente. Etwa durch die Frage: "Warum hat sich die CSU das unsinnige Betreuungsgeld auf die Fahne geschrieben?" Udes Antwort: "Um es später zum Nachweis ihrer Modernität wieder abschaffen zu können." Das Erfolgsgeheimnis von Horst Seehofer bestehe schließlich darin, dass man erst "schrecklichen Unsinn beschließen muss, um ihn hinterher ruhmreich abschaffen zu können." So habe er einst die Praxisgebühr beim Arzt zunächst einmal durchgesetzt, um sie "jetzt als Abzocke von Patienten wieder beseitigen zu können." Und er habe auch die Laufzeiten für Atomkraftzeiten erst verlängern helfen, "damit er sie hinterher noch viel mehr verkürzen kann, als es ohne Verlängerung möglich gewesen wäre".

*

Mit Blick auf die militärische Sachkunde gilt Thomas de Maizière als ein erstklassiger Verteidigungsminister. Beim Blick in die Seelen seiner Soldaten jedoch als sechstklassiger Stümper mit dem persönlichen Charme einer Büroklammer. Charme und Herzlichkeit meidet er in seinem Job strikt. So rutscht ihm schon mal wie unlängst in Bonn vor dem großen Führungsstab der Satz raus: "Wer morgens beim Dienst erscheint, muss nicht berufszufrieden sein." Die mangelnde Empathie , versuchte der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, beizusteuern.

Gerne erzählt der daher, weshalb einst Georg Leber, der im August verstorbene ehemalige Verteidigungsminister, bei den Soldaten so beliebt war. Leber sei, so Kujat, beim Truppenbesuch schnurstracks auf einen Soldaten zumarschiert und fragte ihn: "Na, Junge, wie ist das Essen hier." Der Soldat antwortete dann voller Respekt: "Herr Minister, mal so und mal so." Leber setzte sofort nach und wollte wissen: "Und wie ist das Essen zuhause?". Wieder folgte die brave Antwort: "Herr Minister, mal so und mal so." Dann setzte Leber zum Befreiungsschlag an: "Siehst du, das Essen bei uns ist genau so wie bei deiner Mutter." Könnte das de Maizière nicht auch lernen und sei es nur zur Förderung der Pflichterfüllung?

Zum Thema
 
Berlin vertraulich!

Homo politicus Hans Peter Schütz notiert in seiner wöchentlichen Kolumne den manchmal keineswegs politisch korrekten Tratsch hinter den Kulissen des politischen Berlins für stern.de.

WEITERE ARTIKEL DER KOLUMNE