11. Mai 2008, 11:03 Uhr

Keine Zeit für den Dalai Lama

Bei seinem letzten Besuch in Deutschland wurde der Dalai Lama von Bundeskanzlerin Merkel persönlich empfangen. Jetzt kommt der buddhistische Mönch wieder vorbei, nur dieses Mal hat kein hochrangiger Politiker für ihn Zeit: Auch Bundespräsident Horst Köhler nicht.

Der Dalai Lama kommt erneut nach Deutschland©

Nach Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) lehnt auch Bundespräsident Horst Köhler ein Treffen mit dem Dalai Lama bei dessen Deutschlandbesuch nächste Woche ab. Die "Bild am Sonntag" zitierte Köhlers Sprecher Martin Kothe mit den Worten: "Eine Begegnung mit dem Dalai Lama kommt aus terminlichen Gründen nicht zustande." Der TV-Journalist Franz Alt, ein Vertrauter des Dalai Lama, hält dies für eine Ausrede. «Der Bundespräsident geht vor den Chinesen in die Knie. Das ist Feigheit», sagte Alt der «Bild am Sonntag». Er habe, so Alt, «kein Verständnis dafür, das die chinesische Regierung mit Vertretern des Dalai Lama spricht, aber unsere Obrigkeit ablehnt, dies zu tun. Die Chinesen reagieren nur auf Druck».

Grünen-Chefin Claudia Roth kritisierte dies: "Es stünde Bundespräsident Köhler gut zu Gesicht, wenn er sich nicht wegducken, sondern Gastfreundschaft gegenüber dem Dalai Lama zeigen würde", sagte sie der Zeitung. Auch sei für sie völlig unverständlich, weshalb Kanzlerin Angela Merkel nicht dafür sorgen könne, "dass er von einem Mitglied der Bundesregierung empfangen wird". Die Kanzlerin selbst, die 2007 ungeachtet chinesischer Proteste den Dalai Lama im Kanzleramt begrüßt hatte, ist während des Besuchs des Tibeters auf Dienstreise in Lateinamerika.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 39)
 
Anemone (14.05.2008, 08:36 Uhr)
Mut?
Ich meine nicht, wie manche Kommentatoren hier, daß es mutig ist, den Dalai Lama zu empfangen. Es gehört wesentlich mehr Mut dazu, NEIN zu sagen!!!
Nur weil unsere Bundeskanzlerin einmal den Fehler gemacht hat,ihn zu empfangen, muß er nicht wiederholt werden. Ich bin sicher, daß sich manche Politiker (Christen!) inzwischen informiert haben über den Buddhismus und über die Magie des Dalai Lama.
LaoLu (13.05.2008, 13:40 Uhr)
@mupfeline
Die admins haben meine - zugegeben sehr stark reduzierte - Antwort auf Ihre freundliche Anfrage vom 11.05., 16:16, gelöscht.
Also, dann, in schöner Ausführlichkeit:
ich habe diesen Artikel gelesen, und meinen Kommentar finden Sie auf Seite 1 an 9. Stelle.
Prato61 (13.05.2008, 13:31 Uhr)
Feigheit ohne Ende
Wenn unseren Politikern schon der Mut fehlt, den Dalai Lama zu empfangen, sollten sie wenigstens soviel A.... in der Hose haben und zugeben, dass sie Angst vor chinesischen Repressalien haben. Die vorgegebene Terminnot ist fadenscheinig und zeigt auf das Deutlichste, mit welcher Art Politiker wir zur Zeit gesegnet sind.
Mir persönlich bereitet diese Kriecherei im After der Chinesen nur noch Übelkeit.
LaoLu (13.05.2008, 13:25 Uhr)
Liebe stern.de-admins
wo ist mein Kommentar, der mit
na, mupfeline,
begann???
Nobilitatis (13.05.2008, 11:07 Uhr)
denken
Spocki, alle anderen denken, bevor sie schreiben. Nur Sie nicht. Warum?
Was stellen Sie sich eigentlich unter einer Diktatur vor? Lustiges Wort, nicht? Definieren Sie's mal. Lohnt sich. (Tipp: China ist eine)
Spocks_Kommentar (12.05.2008, 21:29 Uhr)
@Nobilitatis
Die böse CIA in meinem Wohnzimmer, aber ganz sicher nicht.
Aber zum Thema Mönchsdiktatur. Beispiele aus der tibetanischen Exilregierung:
Regierungschef: Tenzin Gyatso, 14. Dalai Lama Wiedererscheinung Avalokiteshvaras (Gott des Mitgefühls
Premierminister: KALON TRIPA PROF. SAMDHONG RINPOCHE (=Mönch von besonderen Ehren)
Minister: KALON VEN. TSERING PHUNTSOK, Mönch
und so weiter.
Was ist das anderes als eine Mönchsdiktatur?
Erst lesen, dann denken, dann schreiben.
Spocks_Kommentar (12.05.2008, 20:11 Uhr)
Ich mag Köhler nicht, aber.....
Es wäre gut für Deutschland, Polen und Europa gewesen, wäre Köhler Pole geblieben und wäre statt des Zwillings heute polnischer Präsident. Ich mag ihn nicht.
Aber diesmal hat er Recht.
Es mag falsch sein, was die chinesiche Regierung mit Menschen macht und damit auch falsch, was sie mit den Tibetern macht. Das ist eine Sache.
Die andere Sache: Der Dalai Lama will eine Mönchsdiktatur errichten und wer auf der Straße ist, sind auch nur Mönche und Religionsextremisten und die, die wir hören, sind auch wieder nur Mönche.
Oder haben Sie schon einmal etwas davon gehört, was der "gemeine Tibeter" will?
Chinese sein vielleicht nicht, aber im Schatten heerer Klöster dahindämmern sicher auch nicht.
Besetzungen haben keine Unterstützung verdient, nirgens, auch in Irak und Kurdistan nicht, im Baskenland oder sonstwo.
Aber Gottesstaaten haben auch keine Unterstützung verdient. Nicht im Iran, nicht in Bayern, nicht im Süden der USA (Biblebelt) und nicht im Vatikan und eben auch nicht in Tibet.
Und deshalb hat Köhler diesmal Recht.
UMS1 (12.05.2008, 19:57 Uhr)
Rückgrat
Unsere Politer beweisen mal wieder wie wenig Rückgrat sie haben. Große Klappe nichts dahinter.
Die letzte Watschen aus China hat wohl gewirkt. Da muß man sich fragen wer wem 187 Mio. Euro Entwicklungshilfe zahlt.
Der dumme Michel zahlt und kuscht.
Oetker333 (12.05.2008, 16:02 Uhr)
Ja die Anerkennung fehlt!
Tibet wird von keinem Staat der Erde als unabhängig anerkannt, ja nicht mal die USA erkennen die Unabhängigkeit Tibets an. So gesehen ist der Dalai Lama keine Person den man unbedingt treffen muss. Herr Köhler besitzt nun mal die Freiheit mit wem er sich treffen will. Man muss ja nicht jede Person der zurzeit hoch im Kurs steht empfangen. Oder empfängt jemand die Exilregierung von Abchasien oder von Südossetien oder von Nordzypern? Wenn der Westen diesen Regionen nicht die Unabhängigkeit gewährt, wieso sollen dann die Chinesen Tibet die Unabhängigkeit gewähren damit dann die Amerikaner ihre Militärbasen eröffnen.
Eisenbaer (12.05.2008, 15:14 Uhr)
@novalis52
Kurz zusammengefasst: Der Dalai Lama stellt die höchste weltliche Autorität Tibets dar. Der Panchen Lama ist der Lehrer des kindlichen Dalai Lamas. Beide sind jedoch (auch) buddhistische Mönche der Gelug(-Schule), deren Oberhaupt nun wiederum der Gandem Tripa darstellt.

Sie haben jedoch insofern "Recht", als das sein Amt als höchste weltliche Autorität insofern ruht, als das dieses von den chinesischen Besatzern nicht anerkannt wird.
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