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Deutsche Dschihadisten sind unsere Söhne und Töchter

Was gehen uns 450 Deutsche Dschihadisten an? Viel, findet Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Im stern sagt er: "Wir tragen die Verantwortung für ihre Radikalisierung."

Von Jens König und Axel Vornbäumen

  "Das hat mit dem Islam nichts zu tun": Bundesinnenminister Thomas de Maizière im Interview mit dem stern

"Das hat mit dem Islam nichts zu tun": Bundesinnenminister Thomas de Maizière im Interview mit dem stern

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sieht Deutschland in besonderer Verantwortung beim Kampf gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS), weil in deren Reihen mindestens 450 Dschihadisten aus Deutschland kämpfen. "Die deutschen Kämpfer sind nun mal auch Teil des Konflikts, den wir zu lösen haben", sagte de Maizière in einem Interview mit dem stern. "Es sind unsere Söhne und Töchter. Ein Großteil wurde hier geboren. Sie sind in unsere Schulen gegangen, in unsere Moscheen, in unsere Sportvereine. Wir tragen für deren Radikalisierung Verantwortung."

De Maizière begründet damit auch indirekt die veränderte deutsche Haltung in der Außen- und Sicherheitspolitik. Seit Anfang September unterstützt die Bundesregierung kurdische Peschmerga-Kämpfer mit Waffenlieferungen in ihrem Krieg gegen den IS. Im stern sagte de Maizière, Deutschland habe die "verdammte Pflicht und Schuldigkeit, dafür zu sorgen, dass der Terror nicht aus Deutschland in die Welt getragen werde". 450 Kämpfer halte er für viel, vor allem deshalb, weil die Zahl rasant anwachse.

IS betreibt kulturellen Imperialismus

Der Innenminister räumte in dem einstündigen Interview ein, auch keine eindeutige Erklärung für die Faszination zu haben, die die selbsternannten Gotteskrieger des IS hierzulande auf Einzelne ausübt: "Wir müssen verstört zur Kenntnis nehmen, wie dünn die Schicht der Zivilisation offenbar ist." Wenn er höre, so der Minister, "dass auch Minderjährige, die eben noch auf der Schulbank saßen, von heute auf morgen in den heiligen Krieg ziehen, dann erschüttert mich das auch als Familienvater". Die Dschihadisten seien oft Menschen, die nach Orientierung suchten, denen Vorbilder fehlten. Wer bei der IS mitkämpfe fühle sich dann plötzlich, "als Teil einer globalen Bewegung, steht scheinbar auf der richtigen Seite".

Einen Kampf der Kulturen sieht der Innenminister gegenwärtig nicht, auch wenn es der IS darauf anlege: "Das hätten diese Terroristen gern". Dass der IS von jedem Muslim "unbedingten Gehorsam" verlange, nannte de Maizière "kulturellen Imperialismus - das hat nichts mit dem Islam zu tun".

Das komplette Interview....

...können Sie ab Donnerstag im neuen stern lesen.

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