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Bekommt Berlin bald einen Coffeeshop?

Die Grünen in Berlin-Kreuzberg wollen einen Coffeeshop, um den Dealern das Geschäft zu vermasseln. Kiffer jubeln, doch ob das Geschäft erlaubt wird, ist ungewiss. Es wäre das erste Mal.

Von Birgit Haas

  Monika Herrmann (Grüne), Bezirksbürgermeisterin Friedrichshain-Kreuzberg wills wissen: Bringt sie den Coffeeshop durch oder nicht?

Monika Herrmann (Grüne), Bezirksbürgermeisterin Friedrichshain-Kreuzberg wills wissen: Bringt sie den Coffeeshop durch oder nicht?

In Berlin an illegale Drogen zu kommen, ist nicht schwer: Bei einem kurzen Spaziergang durch den Görlitzer Park im Osten des Stadtteils Kreuzberg können unkompliziert Cannabis und Haschisch von wartenden Händlern hinter vorgehaltener Hand gekauft werden. Sieben Tage, 24 Stunden lungern zahlreiche Dealer im Park herum.

Deshalb will der Bezirk nun einen ungewöhnlichen Weg gehen. Am Donnerstag beschloss das Bezirksparlament mit einem Antrag der Grünen, dort den ersten Coffeeshop Deutschlands einzurichten. Die Idee zum städtischen Drogenverkauf stammt von Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne). Es ginge aber nicht um ein lustiges Café, nach Vorbild niederländischer Coffeeshops, sondern um ein Fachgeschäft.

In dem geplanten Coffeeshop müssten die Kunden nachweisen, dass sie 18 Jahre oder älter sind. Medizinisch geschulte Mitarbeiter und Sozialarbeiter sollten außerdem einen Blick auf die Kunden werfen und ihnen bei Bedarf Unterstützung anbieten. So soll laut Herrmann eine "Bagatellisierung des Verkaufs" vermieden werden.

Polizeieinsätze haben nichts gebracht

Die Logik hinter dem Plan: Verkauft der Bezirk in einem Laden die Drogen selbst, haben die Dealer kein Geschäft mehr und lungern auch nicht mehr im Park herum. Der Bezirk nimmt Geld ein und spart sich Polizeirazzien, die bisher ohnehin kaum etwas verändert haben. Polizeisprecher Thomas Neuendorf verweist auf zahlreiche Kontrollen in der Parkanlage.

Die Polizei kann den Dealern nur in den seltensten Fällen eine Straftat nachweisen, denn die Händler verstecken ihre Ware im Gebüsch und tragen sie nicht am Körper. Werden sie nicht in flagranti erwischt, ist die Polizei machtlos. "So lange es Konsumenten gibt, wird Handel stattfinden," sagt er. Auch der Kauf von Haschisch und Gras ist illegal. Für Berliner Kiffer würde der Coffeeshop deshalb ein Ende der Strafverfolgung bedeuten. Und das kann der Polizeipräsident gar nicht gutheißen: "Dann bricht ein weiterer Damm und eine Stufe kommt zur anderen," sagt Neuendorf.

Ein Grund, warum das Projekt noch hohe Hürden nehmen muss, bevor es realisiert werden kann. Um trotz des Verbots einen Coffeeshop einrichten zu können, muss der Bezirk beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn eine Ausnahmegenehmigung beantragen. Solche Genehmigungen hat die dem Gesundheitsministerium unterstellte Behörde bisher nur an Einzelpersonen aus gesundheitlichen Gründen vergeben – an einen Coffeeshop noch nie.

Hasch soll in Brandenburg angebaut werden

Trotz geringer Erfolgschancen will Bürgermeisterin Monika Herrmann ihr Anliegen weiter verfolgen. Die nötigen Pflanzen zur Herstellung der Drogen könnten ihrer Ansicht nach möglicherweise sogar im Nachbarland Brandenburg geerntet werden.

Der "Bild"-Zeitung sagte Herrmann Anfang der Woche: "Es haben sich bei mir mehrere Bauern aus der Umgebung gemeldet und ihre Unterstützung angeboten." So könnte die Qualität einfach kontrolliert werden - mit Flüssigplastik, Schuhcreme oder Glassplittern gestrecktes Gras, wie es illegal auf der Straße verhöckert wird, wäre dann auch kein Problem mehr.

Ob der geplante Coffeeshop das Dealerproblem im "Görli“ löst, ist fraglich. Denn hochwertiges, in Brandenburg produziertes Marihuana wird teurer sein als das illegale – und im Preiskampf würden die Dealer gewinnen.

Mit AFP
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