Politiker und Wissenschaftler fordern 30-Stunden-Woche

11. Februar 2013, 10:20 Uhr

Angesichts von Arbeitslosigkeit und Lohnverfall erheben mehr als 100 Prominente eine ungewöhnliche Forderung: In einem offenen Brief schlagen sie eine 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich vor.

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Arbeit sichert das Auskommen der meisten Bürger. Geht es nach einigen Politikern und Wissenschaftlern, soll sich die Arbeitszeit bei gleichem Lohn drastisch verkürzen.©

Immer weniger Menschen können von ihrem Gehalt angemessen leben. Um der Massenarbeitslosigkeit und den prekären Verhältnissen, in denen sich viele Arbeitnehmer in Europa befinden, etwas entgegenzusetzen, wagen über 100 Prominente nun einen radikalen Vorstoß: In einem offenen Brief, der am Montag vorgestellt und auf der Seite der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik veröffentlicht wurde, fordern Politiker, Forscher, Gewerkschafter und Publizisten eine 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich.

Die Unterzeichner wenden sich an die Vorstände von Parteien, Gewerkschaften, Sozial- und Umweltverbände und Kirchenleitungen. Die Begründung für ihre Forderung: Die Arbeitszeitverkürzung sei ein Mittel, die Massenarbeitslosigkeit in Deutschland und Europa zu bekämpfen, da ein Überangebot auf dem Arbeitsmarkt zu Lohnverfall führe. Zu den Unterstützern des Briefes zählen die Linken-Politikerinnen Sahra Wagenknecht und Katja Kipping, der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel, der Berliner Sozialwissenschaftler Peter Grottian und der Hannoveraner Sozialphilosoph Oskar Negt.

Gewerkschaften sollen handeln

Die Verkürzung der Arbeitszeit soll nach den Vorstellungen der Unterzeichner gestreckt über mehrere Jahre erfolgen. Hein-Josef Bontrup, Professor für Wirtschaftsrecht an der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen und Mitinitiator des Briefs, sieht nach Angaben der "taz" vor allem die Gewerkschaften in der Verantwortung und schlägt eine DGB-Kampagne vor. Er wirft den Vertretern der Beschäftigten fehlendes Wissen vor.

Der Vorschlag der Arbeitszeitverkürzung soll ausdrücklich für Europa und Deutschland gelten: "Neben den offiziell etwas über drei Millionen Arbeitslosen gibt es hierzulande über drei Millionen Teilzeitbeschäftigte, die im Schnitt 14,7 Stunden in der Woche arbeiten und denen das nicht reicht", sagte Bontrup der "taz".

Der Kampf gegen die Massenarbeitslosigkeit müsse höchste wirtschaftliche und politische, soziale und humanitäre Priorität haben, heißt es in dem Brief. Deutschland und die ganze EU befänden sich in einer schweren ökonomischen und sozialen Krise. Die Arbeitslosigkeit habe in Europa "unerträgliche Größenordnungen" erreicht. Besonders erschreckend sei die Jugendarbeitslosigkeit. In Deutschland sei die Zahl der Jobs in den vergangenen Jahren zwar gestiegen, es seien aber überwiegend Kurz-Jobs, die als Lebensgrundlage nicht ausreichten. Notwendig sei eine faire Verteilung der Arbeit durch eine kollektive Arbeitszeitverkürzung.

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