17. Februar 2011, 14:42 Uhr

Dr. Guttenberg - bedingt tauglich

Es gibt Skandale, die bleiben dauerhaft kleben: Westerwelles Auftritt bei "Big Brother". Ulla Schmidts Dienstwagentour. Nun demoliert sich Karl Theodor zu Guttenberg mit dem Text-Klau. Ein Kommentar von Lutz Kinkel

Guttenberg, Plagiatsvorwürfe, Skandal, Doktorarbeit

Guttenberg ist jetzt "Minister Copy and Paste"©

Durch alle, aber auch wirklich alle Untiefen seines Politikerlebens ist Freiherr Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg bislang glatt durchgesurft. Er bot im Streit um die Opel-Subventionen seinen Rücktritt als Wirtschaftsminister an (und machte weiter). Er bezeichnete das Kundus-Bombardement als "angemessen" (und nannte es später "nicht angemessen"). Er mahnte das Parlament, den "Gorch Fock"-Kapitän nicht vorzuverurteilen (und entließ ihn Stunden später).

Die Opposition polemisierte sich die Lippe franselig. Es half nichts. Guttenberg stieg auf der Welle der Beliebtheit sogar immer höher. Supermann. Unverwundbar. Wow.

Das war einmal. Nun liegt ein Skandal vor, der so simpel ist, dass ihn jeder verstehen und bewerten kann. Ausgerechnet der Mann, der für seine Glaubwürdigkeit gefeiert wurde, hat geklaut - Texte und Gedanken von anderen Autoren, die er in seine Doktorarbeit einfließen ließ, ohne sie kenntlich zu machen. Ein krasser Verstoß gegen die wissenschaftlichen Regeln. Und eine politische Dummheit sonders gleichen. Jeder darf nun ungestraft Sprüche über Guttenberg reißen. Na, KT, schon wieder abgekupfert? Bisschen im Internet verirrt? Minister Copy und Paste?

Ehemals als Kanzlerkandidat gehandelt

Es spielt keine Rolle mehr, wie ihm diese Dummheit unterlaufen konnte. Es spielt keine Rolle mehr, ob die Benotung seiner Arbeit zurückgestuft oder ihm der Doktortitel ganz aberkannt wird. Der Imageschaden ist schon jetzt gewaltig. Und er wird bleiben. So wie bei Westerwelle der Auftritt bei "Big Brother" und die 18 unter der Schuhsohle, so wie bei Ulla Schmidt die Dienstwagentour ins sonnige Spanien. Das alles hat die Republik nicht ins Wanken gebracht. Aber die Betreffenden ins politische Zwielicht katapultiert. Gerade ein Mann wie Guttenberg, der sich so virtuos in den Medien inszeniert, muss das wissen.

Verdoppelt und verdreifacht wird das Ganze durch die ungeschickte Reaktion der Union und des Ministers selbst. Nahezulegen, dies sei eine Kampagne linker Kräfte, wie dies die Union tut, ist eine unhaltbare Verschwörungstheorie. Professor Andreas Fischer-Lescano, der den Skandal ins Rollen brachte, steht politisch zweifellos links. Aber Fakten bleiben Fakten, egal wer sie vorträgt. Und ein Minister, der Fakten einfach nur "abstruse Vorwürfe" nennt - und sich dann tonlos auf eine Auslandsreise flüchtet - offenbart nur seine eigene Hilflosigkeit. Guttenberg hätte sich schnell erklären müssen. Reuig. Demütig. Hat er nicht. Chance vertan.

Vor wenigen Monaten wurde Guttenberg noch ernsthaft als Kanzlerkandidat gehandelt. Nun ist er politisch nur noch bedingt verwendungsfähig. Und Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin hat ja Recht: Es ist das erste Mal, dass Guttenberg nicht andere zur Verantwortung ziehen kann. Sondern nur sich selbst.

 
 
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