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Nach Plagiatvorwürfen Guttenbergs Glaubwürdigkeitsproblem


Glaubwürdigkeit ist die Währung, in der Politiker gemessen werden. Für die politische Karriere des Verteidigungsministers kann der Plagiatsvorwurf schlimmere Konsequenzen haben, als alle politischen Streitfragen. Davon gehen Meinungsforscher aus.

Der Plagiatvorwurf kann nach Einschätzung von Meinungs- und Politikforschern für Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg gefährlicher als alle bisherigen Streitthemen werden. "Die wichtigste Politikereigenschaft ist das Vertrauen. Wer das verspielt, hat ein Problem", sagte der Chef des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid, Klaus-Peter Schöppner, am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. "Das erste Mal kann dem Verteidigungsminister etwas wirklich schaden", meint auch sein Kollege Manfred Güllner von Forsa. Ähnlich äußerten sich der Unions-Experte Gerd Langguth und der Politikberater Klaus-Peter Schmidt-Deguelle, der vom möglichen "Anfang einer Götterdämmerung" sprach.

Die Einigkeit der Experten ist offenbar deshalb so groß, weil alle Beobachter Guttenberg hohe Sympathiewerte zuschreiben, die auf seiner Glaubwürdigkeit beruhten. Er genieße gerade deshalb eine hohe Popularität, weil er als authentisch, offen und vertrauenswürdig wahrgenommen werde, sagte Schöppner. Gerade Guttenberg erhebe den hohen Anspruch moralischer Autorität in seinem Handeln, sagte Schmidt-Deguelle Reuters TV. Eine Forsa-Umfrage von Ende Januar hatte ergeben, dass die Befragten ihn vor allem als sympathisch (68 Prozent), kompetent (67), gradlinig (67), führungsstark (62), glaubwürdig (59), nobel (53) und vorbildlich (51) eingestuft hatten.

Umso mehr treffe jetzt der Vorwurf eines persönlichen Fehlverhaltens, meint Forsa-Chef Güllner. "Hier geht es nicht um eine Bundeswehr-Affäre, bei der Guttenberg in der Bevölkerung eigentlich keine direkte Schuld gegeben wird. Auch der Politikwissenschaftler Gerd Langguth sieht in der alleinigen persönlichen Verantwortung für die Doktorarbeit die größte Gefahr für den CSU-Politiker. "Sein persönlicher Charme beruht auf Glaubwürdigkeit."

Während Güllner und Schöppner aber ausdrücklich die Beurteilung vom Ergebnis der Prüfung der Plagiatvorwürfe durch die Universität Bayreuth abhängig machen, sieht Langguth auf jeden Fall einen Schaden für das Image des Politikers. "Auch das Ergebnis einer nur schlampigen Arbeit wäre gefährlich. Denn Wissenschaft ist Wissenschaft." Sicherlich brauche ein Verteidigungsminister keinen Doktortitel. "Aber Guttenberg selbst hat Wert darauf gelegt."

Entscheidend ist das Krisenmanagement

Entscheidend für mögliche politische Konsequenzen sei nun, wie Guttenberg die Vorwürfe aufkläre. Dies dürfe nicht mit einer "Salamitaktik" geschehen, glaubt TNS-Emnid-Chef Schöppner. Wenig Einfluss misst er dagegen Angriffen des politischen Gegners zu. "Wenn nun bereits der Rücktritt gefordert wird, ist dies eine Spur zu mächtig und kann kontraproduktiv wirken."

Schmidt-Deguelle warf Guttenberg vor, überstürzt zu handeln und die Vorwürfe der Plagiatsopfer als "absurd" abzutun. Die Affäre bedeute dennoch nicht unbedingt, dass Guttenbergs politische Karriere beendet sei. Denkbar sei etwa eine reumütige Entschuldigung. "Wenn er das jetzt geschickt macht, wird er als Büßer mit einem Bußgang in einem Kloster in Bayern sicherlich von der Bevölkerung Vergebung und Pardon bekommen." Ein Flecken auf der weißen Weste bleibe aber.

von Andreas Rinke, Reuters Reuters

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