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18. Februar 2011, 16:13 Uhr

Dr. Unglaubwürdig zu Guttenberg

Er erklärte nichts und ließ keine Rückfragen zu: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist nach seinem Statement zu den Plagiatsvorwürfen politisch schwerstbeschädigt. Ein Kommentar von Hans-Peter Schütz

Was war das, was der Ich-bin-vorläufig-nicht-mehr-Doktor Karl Theodor zu Guttenberg der Öffentlichkeit geboten hat? Es war, höflich ausgedrückt, der peinliche Versuch, sich selbst als unschuldiges Kaninchen aus dem Hut zu zaubern. Will man gröbere Worte benutzen, muss man dem Verteidigungsminister den grotesken Versuch bescheinigen, die Realität wegzuquatschen, dass er in seiner Dissertation massiv abgeschrieben hat.

Die Inszenierung des - offenbar von der Kanzlerin angeordneten - Statements des bisherigen Starministers setzt die Peinlichkeiten dieser Affäre nahtlos fort: Guttenberg sperrt die Medien bis auf eine kleine Zahl Kamera-Teams aus, sein Sprecher sagt, es sei eben ein Spontantermin gewesen, so dass nicht einmal die Zeit geblieben sei, die Erklärung des Ministers auch in schriftlicher Form zu präsentieren. Oder gar kritische Fragen an ihn zuzulassen. Den Gipfel der Unglaubwürdigkeit erreicht Guttenberg, als er den Tod eines Soldaten in Afghanistan benutzt, um zu erklären, er habe als Verteidigungsminister schließlich Wichtigeres zu tun, als sich für eine hart erkämpfte akademische Leistung rechtfertigen zu müssen.

Dieser Versuch, die Diskussion abzuwürgen, ist so passend wie Akne bei einer Kosmetikverkäuferin. Nach diesem Solo ist Guttenberg nur zu raten, er sollte sich und uns derartiges künftig ersparen.

Druck auf die Uni Bayreuth

In der Sache sieht er nachher nicht besser aus als vorher. "Mit allem Nachdruck" wies Guttenberg den Vorwurf zurück, seine Dissertation sei ein Plagiat. Ungeklärt bleibt, wie dann zig Redetexte, Artikel und Aufsätze ohne entsprechende Kennzeichnung in seine Doktorarbeit kommen konnten. Von "Fehlern" zu sprechen, wie Guttenberg dies tat, reicht nicht aus. Im Prinzip gibt es nur eine überzeugende Erklärung: Womöglich lieferten ihm akademische Fremdarbeiter die inkriminierten Passagen zu. Aber auch das weist zu Guttenberg vehement zurück. Also muss er die Textstellen selbst in seine Arbeit hineingepfuscht haben. Wenn sein Auftritt einen Sinn gehabt hat, dann nur diesen: Guttenberg übte massiven Druck auf die Universität Bayreuth aus, die derzeit seine Dissertation prüft. Sollten die Professoren bislang nicht realisiert haben, worum es geht, wissen sie es jetzt: Es geht um Guttenbergs politischen Kopf.

Seine Glaubwürdigkeit, bislang der Garant seines politischen Erfolgs, hat Guttenberg nicht zurück gewonnen. Sie ist ihm vielmehr entschwebt im Zeppelin seiner Worthülsen. Das werden auch die Wähler registrieren, die ihn bislang in den Umfragen zum beliebtesten Politiker wählten. Das zu korrigieren, wird Guttenberg so schnell nicht gelingen. In jeder künftigen Konfliktsituation wird ihm sein derzeitiges persönliches Versagen wieder vorgehalten werden. Guttenberg ist nach diesem lendenlahmen, rückgratlosen Auftritt im politischen Geschäft dauerhaft schwerstbeschädigt.

Ein Kommentar von Hans-Peter Schütz
 
 
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