Katrin Göring-Eckardt - Frau ohne Risiko

10. November 2012, 13:09 Uhr

Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt als Spitzenkandidaten - das ist die im Augenblick beste Kombination für die Grünen. Göring-Eckardt macht die Partei auch für Wechselwähler interessant. Ein Kommentar von Hans-Peter Schütz

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Katrin Göring-Eckardt war Präses der evangelischen Kirche©

Die Grünen haben bei der Urabstimmung über ihre Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl eine kluge und bemerkenswert klare Entscheidung getroffen. Jürgen Trittin plus Katrin Göring-Eckardt - das ist die im Augenblick beste Kombination. Zum einen kürte man mit Trittin den politisch erfahrensten Mann. Es hätte die ganze Partei, die derzeit in den Umfragen sehr gut im Rennen liegt, schwer beschädigt, wäre er aus der Führung geworfen worden. Mit diesem Risiko ist eine Urwahl stets verbunden. Einen politisch Besseren haben die Grünen nicht. Und man stellte ihm eine Frau zur Seite, die seine zweifellos vorhandenen Schwächen - seine intellektuelle Kühle, seine zuweilen ausgeprägte Aggressivität im Umgang mit Parteifreunden - mit Sicherheit mildert und auch erträglicher macht für ein Wählerpublikum, das sich daran stört.

Ohne innerparteiliches Risiko

Göring-Eckardt ist für die Grünen zudem eine Frau ohne innerparteiliches Risiko. Renate Künast ist seit ihrem Auftritt bei der Berliner Wahl angeschlagen, besitzt derzeit keine politische Autorität mehr. Claudia Roth bietet dergleichen ebenso wenig, ist in der Rolle des bunten Zaunvogels besser aufgehoben als in der Funktion einer Spitzenkandidatin, die sich eher politisch-paradiesische Aktionen, zu der Roth immer wieder neigt, nicht leisten darf. Zwischen Roth und Katrin Göring-Eckardt liegen Welten, und es ist schwer begreiflich, dass der einen die Kandidatur an der Spitze zugetraut wurde, der zweiten aber allenfalls mal wieder in Plätzchen im künftigen Parteirat.

Die Realos in der Partei, die sie um Antreten gedrängt haben, stehen voll hinter ihr. Sie bringt zusätzlich das Ansehen einer erfolgreichen Amtszeit als Bundestagsvizepräsidentin und eine sehr überzeugende Vergangenheit als Präses der Evangelischen Kirche mit, ein Amt das sie mit Sicherheit nicht ohne Bedauern der Kirche ruhen lassen muss. Sie zeichnet sich eine innere Gelassenheit aus, mit der die Kräfte in der politischen Auseinandersetzung eines Bundestagswahlkampfs geschont werden. Das tut den Grünen gut.

Attraktiv auch für Bürgerliche und Liberale

Was indes über ihr Talent zur Teamarbeit ihrer Partei nutzen wird, ist die Tatsache, dass sie für viele Wechselwähler aus dem bürgerlichen Lager sehr attraktiv sein dürfte. Für die von der CDU enttäuschten Wertkonservativen ebenso wie für die vielen bisherigen FDP-Wähler, die nach einer Alternative suchen. Sie ist zudem unbelastet von rot-grünen Sünden aus der Ära des Kanzlers Schröder, ist in Fragen der Sozialpolitik eine ausgeprägte Linke, die für die Überzeugung steht, dass sich Solidarität mit den sozial Schwachen in der Gesellschaft durchaus mit ökologischen Zielen vereinbaren lässt. Und sie ist letztlich auch eine gesamtdeutsche Grüne, die die Attraktivität der Partei in den neuen Ländern mit Sicherheit erhöht. Ein breiteres Angebot an alle inneren und äußeren politischen Milieus der Grünen hätte man nicht finden können.

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