HOME

Viele Air-Berlin-Kunden sehen ihr Geld nie wieder

Der Flugplan von Air Berlin wird immer weiter ausgedünnt. Ab dem 15. Oktober wird kein Interkontinentalflug mehr stattfinden. Was bedeutet das für Passagiere? Werden die Ticketkosten erstattet? Entscheidend ist, wann gebucht wurde.

Ein Airbus A330 der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin rollt in Düsseldorf zu einer Parkposition

Ein Airbus A330 der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin rollt in Düsseldorf zu einer Parkposition

Der Ärger für Air-Berlin-Reisende wird immer größer: Erst traf es nur Kunden der Airline, die ein Ticket ab Berlin-Tegel für einen Langstreckenflug gebucht hatten. Jetzt sind auch alle Passagiere ab Düsseldorf betroffen. "Air Berlin muss zum 15. Oktober 2017 ihr Langstreckenangebot vollständig beenden, da die Flugzeugleasingfirmen sukzessive ihre Airbus A330-Jets zurückziehen", heißt es in einer Presseerklärung am Montag. "Die Verbindung zwischen Düsseldorf und Los Angeles wird daher am heutigen 25. September 2017 eingestellt. Die weiteren Streichungen folgen zum 16. Oktober 2017."

Am 25. September waren auch alle Flüge von nach Curaçao auf die Niederländische Antillen, nach Cancun in Mexiko, nach Havanna und Varadero auf Kuba sowie Punta Cana und Puerto Plata in der Dominikanischen Republik sowie nach Boston und Orlando entfallen.

Aus dem Verkehr gezogene Airbus A330 sind in Lourdes

Da kein Flugzeug von Air Berlin im Besitz der Airline ist, fordern die Leasing-Firmen die angemieteten Maschinen zurück. Inzwischen haben die ersten von den Flugstreichungen betroffenen Airbus A330-200 ihre Basis in Düsseldorf verlassen und sind nach Angaben von flightradar24.com nach Lourdes in Frankreich geflogen worden. Der Tarbes Lourdes Airport ist neben Teruel in Spanien bekannt für seine Abstellflächen nicht mehr benötigter Passagierflugzeuge.

Was mit den insgesamt 17 Langstreckenmaschinen, die einst im Auftrag von Air Berlin flogen, in Zukunft passieren wird, ist unklar. Es bleibt abzuwarten, wen die Leasing-Unternehmen als neue Kunden für die Ex-Air-Berlin-Langstreckenflotte gewinnen können. Dementsprechend werden die Flugzeuge umlackiert und erhalten ebenso eine neue Inneneinrichtung.

Was Air-Berlin-Kunden jetzt wissen müssen

Für Kunden von Air Berlin, die Interkontinentalflüge mit Start ab dem 16. Oktober gebucht haben, ergibt sich folgende Situation. "Es ist entscheidend, wann unsere Kunden das Ticket gebucht haben", sagt ein Pressesprecher der Airline auf Anfrage des stern. "Alle vor dem 15. August 2017 ausgestellten Tickets sind nicht mehr erstattbar. Dies ist insolvenzrechtlich ausgeschlossen." Das heißt im Klartext: "Das Geld für die Tickets ist nach meiner Einschätzung weg", sagt Luftrechtler Ronald Schmid von Fairplane. Geschädigte können sich höchstens an den Insolvenzverwalter wenden, jedoch mit wenig Aussicht auf Erfolg.

Für Reisende, deren Tickets "ab dem 15. August 2017 ausgestellt wurden, gelten die jeweils gültigen Tarifkonditionen", heißt es in einer FAQ auf der Homepage von Air Berlin. Sollte also ein Flugschein, egal ob zum Spartarif oder flexiblen Vollzahlertarif in der Business Class, erst nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens erworben sein, sind die Rückzahlungsmodalitäten eventuell einfacher, weil die Einnahmen auf einem Sicherungskonto unter Aufsicht des Insolvenzverwalters lagern sollten. Wenn der Flug von Air Berlin abgesagt wird, kann das Geld ab dem ursprünglich geplanten Flugtag von der Airline zurückgefordert werden.

Ersatzticket auf eigene Kosten

Besonders hart trifft es Kunden, die lange in Voraus ein Ticket gebucht haben, zum Beispiel für einen von Düsseldorf nach New York mit folgenden Flugtagen: Hinflug vor dem 15. Oktober, Rückflug nach dem 15. Oktober. Zwar dürfte der Flug nach New York noch stattfinden, allerdings entfällt der Rückflug ersatzlos. Das bedeutet, dass sich Tausende wie in diesem Fall ein neues One-way-Ticket kaufen müssen - auf eigene Kosten.

Ob die Lufthansa, die als der Hauptinteressent für große Teile der insolventen Airline gilt, dem tatenlos zusehen wird, bleibt offen. Besser dran sind auch alle Kunden, die einen Air-Berlin- oder Niki-Flug im Zusammenhang mit einer Pauschalreise bei einem Reiseveranstalter gebucht haben, der für eine Ersatzbeförderung aufkommen muss.


Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Wissenscommunity