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Follow Me: Warum in der spanischen Provinz Milliardenwerte parken

Spanien baut gerne Flughäfen, die keiner braucht. Als Geisterflughäfen gelten die in Castellón oder Ciudad Real. Jetzt gibt es in Teruel einen neuen Airport - ohne Passagierterminal. Aber hier stehen mehr Jumbos rum als im Hauptstadtflughafen Madrid. Was ist da los?

Teruel Airport

Schmoren bei über 30 Grad in der Sonne: Dutzende von Flugzeugen der Plataforma Aeroportuaria Teruel

On the road in Aragonien im Nordosten Spaniens. Die Luft flimmert in der Sommerhitze. Die Getreidefelder sind längst abgeerntet. Plötzlich tauchen am Horizont riesige Dreiecke auf, die in den Himmel ragen. Die übergroßen Haifischflossen wirken wie eine Fata Morgana aus einer anderen Welt. Doch beim Näherkommen entpuppen sich die bunten Formen nicht als Installation irgendeines Künstlers, sondern als Leitwerke von Linienmaschinen.

Ich trete auf die Bremse, fahre rechts ran und zähle, was ich hinter einem Zaun sehe: über 40 Flugzeugrümpfe, darunter besonders viele Boeing 747 und Airbus-Maschinen vom Typ A330 und A340. Was treiben so viele Großraumflugzeuge in dieser abgelegenen Halbwüste östlich von Madrid?

Ein Schild der Landesregierung von Aragon besagt, dass es sich um ein Aeródromo handelt und kürzlich vier Millionen Euro in eine 2850 Meter lange Piste und ein riesiges Abstellareal investiert wurden. Denn der ehemalige Militärflughafen, der im Spanischen Bürgerkrieg auch von der deutschen Legion Condor genutzt wurde, verfolgt heute ein ungewöhnliches Geschäftsmodell: Die Plataforma Aeroportuaria Teruel, so der offizielle Name, ist nicht für Fracht oder Passagiere konzipiert. Auf der langen Piste landen nur leere Maschinen: neuere und ältere Jets, die vorübergehend nicht mehr benötigt werden oder das Ende ihres Lebenszyklus erreicht haben.

Arizona liegt in Spanien

Auf dem mehr als drei Quadratkilometer großen Gelände hat sich das Unternehmen Tarmac Aerosave angesiedelt, eine Tochterfirma von Airbus, die sich auf Flugzeugwartung, Lagerung, und Recycling spezialisiert hat. Eigentlich hat sie ihren Sitz im französischen Tarbes, aber am Flughafen von Teruel kann sie sich in der Fläche besser ausbreiten.

Im August 2013 begann mit der Landung einer Boeing 747-400F der insolventen Air Cargo Germany aus Hahn das neue Kapitel dieses Flughafens - als hochmoderner Betrieb zur mittel- und langfristigen Einlagerung von Flugzeugen. Denn mit 240 Sonnentagen im Jahr und wenig Niederschlag ist das Klima für das "Überwintern" von Jets unter freiem Himmel viel besser geeignet als in Mitteleuropa. Auch ist es nicht mehr erforderlich, überflüssige Maschinen zur Einlagerung in die fernen Wüsten von Arizona oder Kalifornien zu fliegen.

Durch den Niedergang der Zivilluftfahrt in Russland sind es derzeit vor allem Flugzeuge von UTair und der in Konkurs gegangenen Transaero, die hier eingeparkt sind, darunter viele Boeing 747 inklusive des Jumbojets, dessen Frontpartie im Tiger-Look lackiert wurde.

Big Business mit Aluschrott

Doch auch Exemplare mit dem Kranich am Leitwerk entdecke ich. Es handelt sich um drei Airbus A340-600 von Lufthansa, die die Airline hier "vorübergehend" abgestellt hat, wie mir später bestätigt wird. Mit Eva Air aus Taiwan, einer Boeing 777 von Malaysia Airlines und Avianca aus Kolumbien sind auch Maschinen aus fernen Regionen vertreten. Selbst Emirates hat kürzlich einen Airbus nach 16 Dienstjahren nach Teruel aufs Abstellgleis überführt. Einige Jumbos wurden zensiert: Schwarz getünchte Balken verdecken die Airline-Namen und offizielle Registrierungen.

Nicht nur die temporäre Aufbewahrung überzähliger Flugzeuge, sondern auch das Ausschlachten und Recycling wird zum großen Geschäft. Nach Schätzungen der Luftfahrtindustrie müssen in den nächsten 20 Jahren weltweit 15.000 Flugzeuge stillgelegt werden. Die Jets haben entweder die Altersgrenze erreicht oder die Maschinen mit vier Triebwerken sind unrentabel geworden. Teruel hat die Nische längst erkannt und verdient Geld mit Flugzeugen, die nutzlos am Boden rumstehen - eine Horrorvorstellung für jede Airline.

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