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Luxus in der Holzklasse

Alexander Geißler hat ein besonderes Berghotel gebaut: Das Mattlihüs im Allgäu ist Deutschlands erstes Vier-Sterne-Haus, das zu 100 Prozent aus Holz besteht - ohne Nägel, Leim und Kunststoff.

Von Robert Kropf und Petra Percher

Er wolle niemandem Vorträge halten, man solle einfach übernachten und selbst herausfinden, wie gut das tue. Für die Erweiterung des Familienhotels Mattlihüs mitten im Naturschutzgebiet des Allgäus hat Alexander Geißler viele Pläne geschmiedet und wieder verworfen. Bis er auf Erwin Thoma stieß. Mit dem österreichischen Holzhändler und Querdenker in Sachen ökologischer Bauweise hat er das erste sogenannte "Holz100"-Hotel in Deutschland aufgestellt.

Die dafür verwendeten Bäume wurden bei untergehendem Mond gefällt. Zu dieser Zeit bleiben die Inhaltsstoffe im Wurzelwerk, das Holz wird resistent gegen Schädlinge und Schimmel.

Für die Geißlers stand aber ein Gedanke im Vordergrund: zurück zur Natur. Sie wollten ein Haus wie anno dazumal bauen. Die äußere Schicht besteht aus Zirbe, der "Königin der Alpen", die dem Herz in der Nacht 3000 Schläge erspart und somit optimalen Schlaf verspricht. "Das Material ist uns sehr wichtig: keine Nägel, kein Leim und keine Chemikalien."

Regenwasser für die Toilettenspülung

Wenn der Bauherr vorm Hotel stehend doziert, in traditioneller Tracht und mit bayrischem Akzent, möchte man es nicht für möglich halten, dass hier auch ein Feng-Shui-Experte spricht. Für Nachhaltigkeit spielt die fernöstliche Wohnphilosophie keine Rolle, trotzdem hat er das Wissen in die Konstruktion einfließen lassen. Eine einzigartige Kombination, "vor allem für die Sauerstoffversorgung im Haus". Für die Toilettenspülung wird nun gesammeltes Regenwasser verwendet. "Das ist nicht nur aus Sicht von Feng Shui eine Optimierung, sondern reduziert den Frischwasserbedarf", so Geißler.

Seit Kurzem ist das Mattlihüs Mitglied der Bio-Hotels, eine Vereinigung, die den Tourismus ökologisieren will. Die Bedingungen für das Zertifikat: nachhaltig wirtschaften, mit regionalen Bio-Bauern kooperieren und die Gesetze der Natur respektieren - vor allem, was Abfall und Energiekreisläufe anbelangt. Gut, dass die Holzkonstruktion des Herrn Thoma überdies für eine Wärmespeicherung sorgt, die es ermöglicht, den Energiebedarf um die Hälfte zu reduzieren. Als gelernter Koch stellt Geißler die Küche gerade auf bio und regional um. "Eine teure Angelegenheit", wie er sagt.

Hausherrin Melita Geißler arbeitet im Laden. Sie hat sich außerdem auf Kräuter und Heilpflanzenkunde spezialisiert. Das Ergebnis findet man einerseits in der Küche, andererseits im Spa. Dort preist Schwägerin Claudia Geißler die selbstgemachten Packungen, Bäder und Masken von heimischen Milchprodukten, Bergwiesenkräutern und aus dem hoteleigenen Garten an. Bald soll es diese auch zu kaufen geben. Und Seminare, wo Gäste lernen können, Cremes selber zu mischen.

Bonus für Bahnfahrer

Das Allgäu ist eine der grünsten Regionen Deutschlands. Nicht nur, was die Wiesen betrifft. Nahe dem Mattlihüs steht das Biohotel Eggensberger, ein Pionier unter den Bio-Hotels, sogar mit eigenem, biogasbetriebenem Blockheizkraftwerk. Bahnfahrer erhalten einen Bonus; viele der verwendeten Lebensmittel und selbst die Möbel stammen aus der Umgebung.

Wie im Mattlihüs sollen auch hier Silberfäden in Matratzen und Vorhängen elektromagnetische Strahlung abschirmen. Das Ergebnis ließe sich sicherlich wissenschaftlich überprüfen. Mattlihüs-Chef Geißler würde aber sagen: Man spürt es beim Schlafen.

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