Der Euro steht so gut wie lange nicht mehr, viele Reiseanbieter haben die Preise gesenkt. Ferien im "Nicht-Euro-Land" sind teilweise um 20 Prozent günstiger als im Vorjahr.

Der Strand von Las Galeras auf der Dominikanischen Republik© DPA
Reformchaos, hohe Arbeitslosigkeit, kaum Wirtschaftswachstum - und nirgendwo ein Ruck. Wohin man auch blickt in Deutschland: Krise und Tristesse. Wohin man auch blickt? Nicht bei Stefanie Heimann. Die Einkaufsdirektorin für Fernreisen bei der Thomas Cook AG, Deutschlands zweitgrößtem Reisekonzern, kann man, ohne allzu sehr zu übertreiben, als eine Krisengewinnlerin bezeichnen. An welcher entlegenen Ecke der Welt auch immer sie sich in den vergangenen Monaten meldete: Dass es in Deutschland gerade nicht so gut läuft und dass deshalb ausgerechnet die Weltmeister im Reisen, nämlich wir Bundesbürger, mangels Kasse lieber mal einen Urlaub auf dem Balkon eingelegt haben, das wusste jeder, hat fast jeder gespürt. Und so erwies sich die Malaise am Ende noch als gut fürs Geschäft. "Die wirtschaftliche Situation in Deutschland hat sich bis zu den Hoteliers rumgesprochen, so haben wir sehr günstige Preise bekommen", sagt Heimann. Und das alles natürlich nur zum Vorteil der Konsumenten, wie die Herrin über 55.000 Hotelbetten in der ganzen Welt schnell versichert. Na bitte, wenigstens im Urlaub können die Bundesbürger mal von der miesen Lage der Nation profitieren.Genau das haben in diesem Jahr so viele vor wie schon lange nicht mehr. Die Reisebranche, die sich in diesen Tagen auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin trifft, verzeichnet merklich anziehende Buchungen. Danach gefragt, woran sie am wenigsten bereit sind zu sparen, steht der Urlaub laut Branchenstudie gleich nach den Lebensmitteln wieder auf Platz zwei der Deutschen.So wird denn die folgende gute Nachricht aus der Reisebranche Millionen Leser verzücken: Der Traum von weißen Stränden, blauem Meer und Dauersonne lässt sich in diesem Jahr so günstig erfüllen, wie schon lange nicht mehr. Das liegt nicht nur am Verhandlungsgeschick von Reisemanagerin Stefanie Heimann und der miesen Konjunktur, sondern vor allem am starken Euro, der seit Monaten trotz einiger Rückschläge immer wieder Rekordhochs erreicht hat. Mit dem Dollar verloren viele Währungen, die mehr oder weniger stark am Dollar hängen: vom ägyptischen Pfund bis zum polnischen Zloty.
Der Höhenflug der europäischen Gemeinschaftswährung sorgt dafür, dass viele Nicht-Euro-Länder zum Teil drastisch billiger geworden sind. Ob in den USA oder Mexiko, in Norwegen oder Polen, in Tunesien, Thailand und vielen anderen Ländern - überall gibt es mehr Urlaub fürs Geld.2004 werde ein Fernreisejahr, prophezeit die Branche hoffnungsfroh. "Die Urlaubslaune der Deutschen ist spürbar gestiegen", sagt Christian Boergen vom Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verband. Nicht nur er sieht einen "enormen Nachholbedarf". Die Zahlen bestätigen das: Bis Oktober vergangenen Jahres hatten mehr als 40 Prozent der Deutschen noch keinen Urlaub gemacht. Weitere 20 Prozent machten Ferien in Deutschland.Billig reisen mit dem starken Euro - nach dieser Devise lassen sich Auslandsurlaube nun viel leichter finanzieren. Am deutlichsten spürt man die Vorteile der heimischen Währung im karibischen Pauschalreise-Paradies Dominikanische Republik. Um mehr als 43 Prozent verbilligte sich dort innerhalb eines Jahres das Leben für Reisende aus Euro-Ländern. Entsprechend stark ist die Kaufkraft gestiegen: Mit einem Euro kann man in "Dom-Rep" Waren und Dienstleistungen im rechnerischen Gegenwert von 1,56 Euro kaufen. Das bedeutet nun nicht, dass für Touristen jedes einzelne Bier und alle Zimmer stets günstiger werden - aber alles zusammengenommen, fällt der Urlaub hier schnell ein paar hundert Euro günstiger aus als in den vergangenen Jahren. Eine stern-Umfrage bei den großen Reiseveranstaltern ergab, dass die Reisepreise für die Dominikanische Republik in den Katalogen um bis zu elf Prozent gesunken sind. Dass es nicht mehr ist, hat mit den langen Planungsphasen der Urlaubsindustrie zu tun. "Wir haben die Preise Ende September und Anfang Oktober kalkuliert", sagt Thomas-Cook-Managerin Heimann. "Zu diesem Zeitpunkt war der Dollar noch nicht so weit gefallen." Der Kurs pendelte im Frühherbst 2003 um die 1,15 Dollar pro Euro. In der vergangenen Woche schwankte die US-Währung zwischen 1,21 und 1,26 Euro. Experten schließen sogar Kurse bis 1,40 Euro im Laufe des Jahres nicht aus.
Mehr Urlaub fürs Geld - Zwei Wochen "All Inclusive" in der Dominikanischen Republik sind im Sommer schon unter 1000 Euro zu haben - gut 15 Prozent günstiger als im vergangenen Jahr. - In den Vereinigten Arabischen Emiraten gibt es eine Woche Hotel mit Frühstück inklusive Flug für 644 Euro, mehr als 18 Prozent unter dem Vorjahrespreis.- Die Halbpension im Vier-Sterne-Hotel in Tunesien kostet für eine Woche mit Flug 389 Euro - das sind 12 Prozent weniger als 2003.