30. Juni 2012, 13:00 Uhr

Falsche Tränen nach Balotelli-Tor

Die Uefa hat bei der Übertragung des Halbfinales zwischen Deutschland und Italien wieder manipulierte TV-Bilder gezeigt. Die Tränen einer deutschen Anhängerin flossen bereits vor dem Anpfiff. Die ARD will sich jetzt erneut beschweren.

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Die Zuschauerin weinte bei dem Spiel Deutschland gegen Italien vor Rührung - und vor dem Anpfiff. Der Uefa passte die Szene jedoch besser nach dem Balotelli-Tor©

Die Tore gegen die deutsche Nationalmannschaft durch Italiens Stürmer Mario Balotelli im EM-Halbfinale haben die Fans in Deutschland tief getroffen. Man ahnte schon nach 20 Minuten, als der erste Treffer fiel: Die deutsche Elf, der doch alle den Titel zugetraut haben, fliegt aus dem Turnier. Passend dazu zeigte die ARD in ihrer Liveübertragung eine deutsche Anhängerin auf der Tribüne des Warschauer Nationalstadions, der ein paar Tränen über die Wangen kullerten.

Doch diese Bilder waren – wieder mal – manipuliert. Die Tränen der Frau flossen bereits vor dem Anpfiff, als die Präsentation der Mannschaften lief. Die Frau weinte aus "wohliger Rührung", wie sie der "Süddeutschen Zeitung" bestätigte. Die Uefa spielte die Bilder aber ein, als Balotelli seine Tore gegen die Deutschen schoss – so wurde suggeriert, die Frau weine, weil das deutsche Team auf der Verliererstraße sei.

Die Uefa versorgt die Fernsehstationen mit ihrem sogenannten Weltbild, das heißt die Livebilder von den Spielen werden zentral von einer für die Uefa arbeitenden Agentur geliefert, auf die die TV-Sender keinen Einfluss haben. Schon während der Gruppenphase hatte die Uefa während des Spiels der Deutschen gegen Holland eine Szene mit Bundestrainer Löw manipuliert. Genau wie im Fall mit der weinenden Frau wurde eine Szene, in der Löw einem Balljungen aus Spaß den Ball aus der Hand schlägt, während des Spiels gezeigt, obwohl sie sich vor Beginn des Spiels ereignet hatte. stern.de hatte die Fälschung damals aufgedeckt. Nach scharfer Kritik des übertragenden ZDF sagte die Uefa zu, derartige Bilder in Zukunft zu kennzeichnen. Genau das tat sie aber im Fall der weinenden Frau wieder nicht.

Die ARD will sich nun bei der Uefa beschweren. Der ARD-Teamchef bei der EM, Jörg Schönenborn: "Wir sind erstaunt und irritiert. Diese Bilder sind für uns so nicht akzeptabel - zumal wir mit der Uefa über diese Problematik vor wenigen Tagen gesprochen hatten. Wir werden jetzt erneut das Gespräch suchen."

Die Uefa räumte unterdessen eine erneute Panne bei der Übertragung von TV-Bildern ein - wies den Vorwurf der Manipulation aber energisch zurück. "Die Uefa hat keinerlei Absicht, eine wie auch immer geartete Kontrolle über die den Sendeanstalten zur Verfügung gestellten Bilder auszuüben", teilte der Dachverband am Samstag mit.

Die beiden genannten Fälle sind aber nicht die einzigen. Das Weltbild der Uefa zensierte bei dieser EM häufig Inhalte, um das Bild eines fröhlichen und stimmungsvollen Fußballfestes zu fördern. Alles, was nicht passt, wird systematisch ausgeblendet: Die Bengalos kroatischer Fans, politische Plakate grüner Bundestagsabgeordneter, leere Tribünen oder Flitzer - all das passt nicht zum Hochglanzprodukt Fußball, so wie es die Uefa verkaufen will.

Tim Schulze
 
 
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