Mesut Özil ist das Hirn der deutschen Nationalmannschaft. stern.de traf ihn vor der Partie gegen Argentinien und sprach mit ihm über Lionel Messi, Löws Kabinenansprachen und die Siegtaktik.
Das kommt aus früheren Schalker Zeiten. Wegen meines Vornamens wurde ich von den Mitspielern irgendwann mal so genannt. Mesut erinnert ja ein bisschen an Messi. Das hat sich bis heute gehalten. Hier bei der Nationalmannschaft nennen mich die Jungs auch "Messi" oder "Mess".
Messi ist ein sehr schneller Spieler. Dazu ist er klein. Deshalb ist er auch so wendig. Er ist selbstbewusst auf dem Platz und sucht immer wieder den Abschluss.
Ich bin ein anderer Spielertyp, habe meine eigenen Fähigkeiten. Messi kommt viel lieber über die Außenpositionen. Ich dagegen ziehe mein Spiel in der Mitte auf und bewege mich in der Zentrale. Der Pass in die Tiefe, die Tempodribblings, die Schüsse aus der Distanz, das sind meine Stärken.
Das ehrt mich sehr. Aber ich denke darüber nicht viel nach. Für Lob und Kritik ist im Moment keine Zeit. Wir haben einen Auftrag zu erfüllen.
Nein, das nicht. Ich habe schon viele K.o.-Spiele in meiner Karriere absolviert. Auch hier in Südafrika bei der WM: Der Druck gegen Ghana war viel größer, weil es das Aus in der Vorrunde bedeutet hätte. Dann kam England. Diese Hürde haben wir auch genommen. Es ist ein besonderes Spiel, natürlich, aber ich bin eigentlich ganz ruhig. Wir müssen nur unsere Fähigkeiten abrufen, dann gewinnen wir auch.
Ich bin ein ruhiger Typ, schon deshalb kann ich damit umgehen. Und die Mannschaft kann das auch. Die Argentinier spielen einen harten Stil, vielleicht werden sie auch provozieren. Für uns geht es darum, sich spielerisch durchzusetzen.
Die Engländer sind auch sehr erfahren. Terry, Ashley Cole, Lampard, das sind gestählte Spieler. Aber wir haben sie geschlagen. Erfahrung spielt eine Rolle, aber es kommen andere Faktoren dazu. Wichtig wird sein, sich auch körperlich und mit fairen Mitteln gegen die Argentinier zu stemmen.
Nein, daran glaube ich nicht. Es wird ein sehr taktisch geprägtes Spiel werden. Die Defensive wird dieses Match entscheiden. Hintern zu null und vorne eine Bude machen, so könnte es gegen Argentinien klappen (lacht).
Angespannte Lockerheit. Das trifft es vielleicht am ehesten. Wir hören viel Musik. Kurz vor dem Rausgehen wird dann unserer Heißmacher-Lied aufgedreht, "Fackeln im Wind" von Bushido.
Er motiviert uns unglaublich gut. Er findet auch in der Halbzeit, wenn es erforderlich ist, immer die richtigen Worte, um uns neu einzustellen. Das ist eine besondere Fähigkeit. Wenn es mal nicht so gut läuft, dann kann Löw natürlich auch mal lauter werden. Was er dann sagt, verrate ich aber nicht (lacht).
Ja schon. Es ist ein bisschen so wie bei Werder. Deshalb kommt mir das Spiel der Nationalmannschaft auch so entgegen. Die Systeme ähneln sich. Natürlich muss man im modernen Fußball heutzutage auch nach hinten arbeiten. Das versuche ich auch (lacht.) Aber vorne bin ich eindeutig stärker. Und da habe ich auch alle Freiheiten. Die Kollegen halten mir den Rücken frei. Und der Trainer legt auch viel Wert darauf.
Er ist ein fantastischer Stürmer - und ein toller Mensch. Auf dem Platz verstehen wir uns blind. Das macht mir sehr viel Spaß. Er kann Situationen vorausahnen. Das kann nicht jeder. Abseits des Platzes machen wir auch viel zusammen.
Kumpel kann man gar nicht sagen. Es sind mehrere, vor allem natürlich meine Mitspieler von Werder. Die kenn ich einfach am Besten. Da gibt es schon so ein paar heiße Duelle beim Tischtennis oder am Snooker-Tisch.
Der Wechsel war das Beste, was mir passieren konnte. Bei Werder konnte ich mich entwickeln. Man gab mir die nötige Zeit.
Ich habe ja noch einen Vertrag bis 2011. Was danach kommt wird man sehen. Da wird es noch Gespräche geben. Jetzt gilt meine volle Konzentration erstmal der Weltmeisterschaft.