28. Februar 2013, 01:07 Uhr

Die Bayern sind wieder die Nummer eins

Geglückte Revanche: Bayern München hat auch im Pokal bewiesen, dass Dortmund im Moment nicht mithalten kann. Die Münchner waren bissiger und gewannen die entscheidenden Duelle - nur eines nicht. Von Tim Schulze

DFB, Pokal, Bayern, Dortmund, Klopp, Robben, Reus, Schweinsteiger

Arjen Robben jubelt wie entfesselt über seinen Siegtreffer gegen den Erzrivalen.©

Die Genugtuung war Uli Hoeneß deutlich anzumerken. Mit einem hochverdienten 1:0 Sieg hatten seine Bayern gerade den Erzrivalen aus Dortmund aus dem Pokal-Wettbewerb geworfen und den Einzug ins Halbfinale geschafft. Aus Sicht des Bayern-Bosses hat das zur Klärung einer dringenden Frage beigetragen, nämlich der, wer denn die Nummer 1 im deutschen Fußball sei. Die Antwort von Hoeneß nach der aufreibenden und hochklassigen Partie in der Münchner Allianz Arena ließ keine Zweifel zu: "Mit diesem Spiel haben wir die Vormachtstellung im deutschen Fußball zurück, die deutschen Verhältnisse sind geklärt." Ruuums. So sprach der Machtmensch Hoeneß, der immer heiß läuft, wenn es ans Eingemachte geht.

Und ums Eingemachte ging es hier für die beiden besten deutschen Mannschaften, deren Duelle mittlerweile weit über die nationalen Grenzen hinaus Strahlkraft besitzen. Sogar Uefa-Präsident Michel Platini weilte unter den Zuschauern. Der Franzose schwärmte nach Aussage von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, der neben ihm saß, von der Stimmung im restlos ausverkauften Stadion. Auch Platini wusste, was an diesem Abend auf dem Spiel stand. Die Bayern brauchten den Sieg, eine Niederlage gegen Dortmund im Pokal hätte den Meistertitel, den sie in dieser Saison gewinnen werden, entwertet. Ihre Vormachtstellung wäre nicht ganz so formvollendet, wie das nach dem Selbstverständnis der Bayern und eines Uli Hoeneß sein sollte. Für Dortmund war es hingegen der letzte Versuch, zumindest im Pokal den Titel zu verteidigen und die nationale Vormachtstellung der Bayern zu untergraben.

Schweinsteiger gibt die richtige Antwort

Der Widerstand der Dortmunder im innerdeutschen Duell schlug allerdings fehl. "Man sollte schon 90 Minuten gut spielen, um die Bayern schlagen zu können. Wir hatten unsere zwei, drei Momente. Wenn wir davon einen nutzen, fangen die Bayern an zu schnaufen" urteilte BVB-Coach Jürgen Klopp danach. Das dem nicht so war, lag daran, dass die Bayern insgesamt bissiger, zielstrebiger waren.

Beispiel Bissigkeit: Die Bayern kassierten drei gelbe Karten, während sich die Dortmunder keine Verwarnung abholten. Beispiel Zielstrebigkeit: Die Bayern hatten zahlreiche gute Torchancen. Mandzukic, Martinez, Müller, Kroos, Dante und Robben scheiterten oft nur an Torwart Roman Weidenfellder, dem besten Dortmunder auf dem Platz. Nur einmal hatte Weidenfeller keine Chance. Bei Robbens Kunstschuss aus gut 18 Metern kurz vor der Halbzeit war er machtlos. Der Ball landete unhaltbar im Winkel. Die Torgelegenheiten der Gäste waren dagegen ausnahmslos harmlos, nur einmal musste Manuel Neuer bei einem Schuss von Ilkay Gündogan richtig zupacken. Vor allem in der ersten Halbzeit hatte Dortmund offensiv gar nichts zu bieten.

Auch in den direkten Vergleichen der Spieler ging der Sieg eindeutig an die Bayern. Der zuletzt so hoch gelobte Gündogan verlor das Duell mit seinem bayerischen Pendant, Bastian Schweinsteiger. Zuletzt hatten Günter Netzer und andere hauptberufliche Fußball-Experten dem Bayern-Star schon eine fallende Formkurve attestiert, während sie Gündogan für seinen starken Auftritt in der Nationalmannschaft das Prädikat "weltklasse" gaben.

Schweinsteiger gab im direkten Zweikampf mit dem Konkurrenten die entsprechende Antwort. Er zeigte die beste Partie seit langem. "Bastian war der beste Spieler auf dem Feld, er wollte das Spiel unbedingt gewinnen. Er ist ein Stratege, er bestimmt den Takt bei uns im Mittelfeld", schwärmte Trainer Jupp Heynckes, als alles vorbei war.

Dortmund ächzt unter der Belastung

Eine ähnliches Kräfteverhältnis gab es auf anderen Positionen. Während von Reus so gut wie gar nichts zu sehen war und er schließlich Julian Schieber wich, war Arjen Robben auf der Gegenseite oft nicht zu stoppen. Philipp Lahm war in bestechender Form und eroberte vor dem Siegtreffer den Ball von Marcel Schmelzer, der nicht seinen besten Tag erwischte. Während den Bayern das Fehlen von Franck Ribéry nicht anzumerken war, litt die Dortmunder Abwehr sichtlich unter dem Ausfall von Mats Hummels. Felipe Santana war in diesem Spiel wie schon gegen Donezk oft ein Unsicherheitsfaktor. Und auch Mario Götze blieb unter Bestform, während Toni Kroos stark spielte.

Von einer Formkrise der Dortmunder zu sprechen, wäre übertrieben. Aber der Doublegewinner erreicht aktuell nicht das Leistungsniveau der vergangenen Spielzeit. Zumindest national. Die Mannschaft von Jürgen Klopp ächzt unter der Belastung aus Liga, Pokal und Champions League, viele Spieler sind angeschlagen oder leisten sich Auszeiten. Außerdem ist der Kader in der Breite nicht so gut besetzt, da wirken sich Formschwankungen und Verletzungen stärker aus.

Die nächste Gegner heißen jetzt Hannover und Donezk in der Champions League, zwei schwere Aufgaben. Es wird spannend zu beobachten sein, wie die Dortmunder die Niederlage gegen die Bayern verkraftet haben. Nur in einem waren sie an diesem Abend den Bayern überlegen, nämlich in der Frage nach der Vormachtstellung, die Hoeneß so wichtig ist. Danach gefragt antwortete Klopp angemessen souverän: Wenn sich die Bayern gut fühlen, sind wir alle glücklich. Wir werden trotzdem weitermachen."

 
 
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