Reise ins Gewisse

21. März 2013, 14:33 Uhr

Gegner Kasachstan sollte für die deutsche Fußball-Nationalelf am Freitag nicht zum Problem werden. Es sind schon eher die Rahmenbedingungen der Partie, die von Joachim Löws Team Kreativität erfordern. Von Maximilian Koch

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Zeitumstellung? Kunstrasen? Mario Götze und die deutsche Fußball-Nationalmannschaft reisen dennoch völlig entspannt nach Kasachstan.©

Mit dem Charterflug LH 342 hob die deutsche Nationalelf am Donnerstagmorgen Richtung Kasachstan ab. Planmäßig um 10.05 Uhr begann die Reise nach Astana, der Streik der Lufthansa-Mitarbeiter hatte keinen Einfluss auf den Abflug des DFB-Teams. Doch auch eine kleine Verzögerung hätte Bundestrainer Joachim Löw wohl nicht in Panik versetzt. Denn um Zeit geht es nicht bei diesem Trip gen Osten. Zumindest nicht um die kasachische. In Absprache mit den Mannschaftsärzten hat sich das Trainerteam dazu entschieden, den deutschen Rhythmus beizubehalten. Uhren umstellen verboten! So will man den Jetlag vermeiden, der bei fünf Stunden Zeitunterschied garantiert wäre. "Einen Tag ist das machbar, von daher werden wir uns darauf einstellen", sagte Löw.

Der DFB überlässt nichts dem Zufall. Das kennt man ja, wenn Deutschlands beste Fußballspieler auf Reisen sind. Im Teamhotel wurden extra die Fenster verdunkelt, die Vorhänge mit Tapeverband zusammengeklebt. Der ungewöhnliche Tagesplan sieht nun vor, dass heute um 23 Uhr Ortszeit das Abschlusstraining stattfindet. Abendessen dann um 1 Uhr – und um 4 Uhr geht’s ins Bett. Kommt damit wirklich jeder klar? "Bei 20 Spielern ist es unwahrscheinlich, dass es alle gleich gut hinkriegen", erklärte Teamarzt Tim Meyer. Doch auch beim vorigen Gastspiel in Kasachstan habe diese Maßnahme funktioniert. "Eigentlich machen wir dasselbe wie damals", sagte der Internist. Im Oktober 2010 gewann die Löw-Elf 3:0 – von Müdigkeit war nichts zu spüren.

Wenn die Großen auf die Kleinen treffen...

Einen ähnlich guten Auftritt erwartet der Bundestrainer auch diesmal – trotz der Anstoßzeit am Freitag um 24 Uhr. In Deutschland ist es dann 19 Uhr. "Es liegt an uns, wie wir das Spiel gestalten. Wenn wir unser Potenzial abrufen, werden wir als Sieger vom Platz gehen", sagte Löw.

Dass die Nationalelf überhaupt zu so viel Kreativität gezwungen ist, liegt an dem übertragenden Fernsehsender. Auf Wunsch des ZDF wird die Partie am frühen Abend ausgetragen, darauf einigten sich die Mainzer mit dem kasachischen Verband und dem DFB. Was dahintersteckt, ist klar: Durch die Anstoßzeit um 19 Uhr kann der Sender mit einer deutlich höheren Einschaltquote rechnen als beispielsweise am Nachmittag. Das bedeutet gleichzeitig höhere Werbeeinnahmen.

So ist es das eben, wenn große Fußballnationen auf kleine treffen. Im Endeffekt sind es also die kasachischen Spieler, die ein "Zeitproblem" bekommen. Denn während die deutsche Mannschaft um 19 Uhr "ihrer" Zeit antritt, ist es für die Nummer 139 der Fußball-Welt Mitternacht.

Keine Lust auf Kunstrasen

Ein klarer Nachteil für die Gastgeber um die beiden Bundesligaprofis Heinrich Schmidtgal (Greuther Fürth) und Konstantin Engel (Energie Cottbus). Doch dagegen weiß man sich zu wehren. Als Ausgleich müssen auch Bastian Schweinsteiger und Co. mit einer ungewohnten Situation Vorlieb nehmen: Das Spiel findet auf Kunstrasen statt. "Das ist schon ein bisschen anders", räumte der Münchner Mittelfeld-Dirigent ein. "Ich denke, wir können uns alle noch in die Jugend zurück versetzen. Da hat man öfter mal auf Kunstrasen gespielt." Ein Problem sei der Untergrund aber nicht: "Das klappt schon. Wir haben hohe Qualität und wollen guten Fußball zeigen."

Am Dienstagabend übte das DFB-Team in Frankfurt bereits auf dem künstlichen Geläuf. Begeistert war hinterher keiner der Nationalspieler. "Ein Vorteil ist es nicht, schließlich sind wir es nicht gewohnt, auf diesem Belag zu spielen", sagte Mesut Özil. Und auch Mario Götze hat einer Partie wohl schon mehr entgegen gefiebert: "Wir könnten auf Rasen spielen, das Wetter könnte besser sein, aber wir werden versuchen, unsere Pflicht zu erfüllen."

Mit Götze als "Kreisläufer"

Auf den Dortmunder Regisseur wird es morgen besonders ankommen. Löw plant mit ihm als Stürmer. Im Wechselspiel mit den offensiven Mittelfeldspielern Müller, Özil und Podolski soll der 20-Jährige die kasachische Abwehr durcheinander wirbeln. Es ist zu erwarten, dass sich der deutsche Gegner vor dem eigenen Strafraum versammeln wird, um geschlossen das eigene Tor zu verteidigen. Auch deshalb wechselte Löw im Training am Mittwoch kurzerhand die Sportart. "Man hat in anderen Spielen gesehen, dass Kasachstan extrem tief steht, wie im Handball, deswegen haben wir Handballübungen gemacht", verriet Schweinsteiger.

Zeit, Kunstrasen, Gegner – das DFB-Team scheint auf alles bestens eingestellt.

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