Bruchlandung für den "kleinen Engel"

16. September 2012, 20:10 Uhr

Der HSV kann auch mit Rafael van der Vaart nicht gewinnen. In Frankfurt setzte es die dritte Niederlage im dritten Spiel. Der vermeintliche Heilsbringer weiß jetzt, was er sich eingebrockt hat. Von Klaus Bellstedt

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Oh Schreck: Rafael van der Vaart ist beim HSV nun auch auf dem Platz angekommen©

Zwei Wochen drehte sich in Hamburg alles nur um ihn: Rafael van der Vaart. Als "Messias" feierten sie den Rückkehrer in der ansonsten nicht sehr religiösen Hansestadt. Der miserablen Stimmung rund um den HSV tat das unerträgliche Ballyhoo gut. Sie drehte sich komplett. Dass die Verpflichtung van der Vaarts für 13 Millionen Euro den taumelnden Bundesliga-Dino tief in die roten Zahlen reißen wird? Geschenkt! Hauptsache der "kleine Engel" zaubert wieder. Er allein wird es schon richten - und die kriselnden Hamburger nach Europa schießen. Mindestens. So dachten viele. Die lokalen Medien, die Fans sowieso und der ein oder andere Verantwortliche im Verein vielleicht auch. Nur van der Vaart selbst trat auf die Bremse. Er wusste schon warum.

Er sei schließlich nicht Supermann. Nicht mal Messi oder Ronaldo. "Nur gemeinsam sind wir stark", warnte van der Vaart bei seiner Vorstellung vor den übertriebenen Erwartungen und beteuerte: "Ohne die Unterstützung der Kollegen geht nichts." Nach der 2:3-Pleite des HSV bei Eintracht Frankfurt, der dritten Niederlage im dritten Saisonspiel, lässt sich festhalten: Obwohl der Niederländer perfekt Deutsch spricht, haben seine Mitspieler die Warnung nicht verstanden. Die bloße Rückkehr van der Vaarts hat beim HSV, das ist die eigentliche Erkenntnis, nicht viel geändert.

Van der Vaart schwört HSV ein

Wie schon in den ersten beiden Partien gegen Nürnberg und bei Werder Bremen offenbarten die Hamburger auch bei ihrem Gastspiel in Frankfurt vor allem im Abwehrverhalten eklatante Schwächen. Die beiden Innenverteidiger Heiko Westermann und Michael Mancienne wirkten überfordert. Mit dem schnellen Direktspiel der Eintracht kamen auch die restlichen Defensivspieler nie wirklich zurecht. Es wird immer deutlicher, dass es dem HSV in allen Mannschaftsteilen an Qualität mangelt. Ein System ist nicht erkennbar. Vieles sieht wie Zufall aus. Dabei hatten sie sich so viel vorgenommen.

Vor dem Anpfiff bildete der gesamte Kader inklusive Trainerstab und Sportdirektor Frank Arnesen einen Kreis. Man schwor sich ein. Wer hielt die Rede? Natürlich der "Retter". Es war eine Szene mit Symbolcharakter. Wie verunsichert muss eine Mannschaft sein, wenn der Neueinkauf ohne bisher auch nur eine Sekunde gespielt zu haben schon den Einpeitscher geben muss? Was war eigentlich mit dem Spieler Rafael van der Vaart? Nun ja, in erster Linie hat er einen Eindruck davon bekommen, was er sich da beim HSV eingebrockt hat. Ansonsten deutete er in Frankfurt an, dass er für die Rothosen natürlich noch wichtig werden kann. Der Niederländer hatte die meisten Ballkontakte, schoss einen gefährlichen Freistoß und leistete die Vorarbeit zum 2:3-Anschlusstreffer durch Heung-Min Son (63.). Kurzum: Es war ein ordentliches Debüt. Nicht mehr und nicht weniger.

Und jetzt auch noch Dortmund

"Ohne die Unterstützung der Kollegen geht nichts." Das war der Einstandssatz von Rafael van der Vaart. In Frankfurt ließen sie den Mittelfeldlenker viel zu oft im Stich. So wie Petr Jiracek, der der eigenen Mannschaft mit einem völlig überflüssigen Foul schadete, für das er vom Platz flog. Und zwar just in dem Moment, als das HSV-Herz wieder zu schlagen anfing. Kurz zuvor nämlich hatte Kapitän Heiko Westermann das wichtige Tor zum 1:2 erzielt. So aber mussten die Hamburger die gesamte zweite Hälfte personell dezimiert gegen die selbstbewusste Eintracht bestreiten. Das konnte trotz einer verbesserten kämpferischen Einstellung nicht gutgehen. Ja, der HSV hatte seine Chancen, aber Rudnevs, Son und Diekmeier, sie alle scheiterten kläglich, weil alleinstehend, vor dem Tor der Frankfurter. Nicht auszudenken, wie das Spiel wohl ausgegangen wäre, wenn van der Vaart auch nur ein einziges Mal in diese Schussposition gekommen wäre. Aber selbst Engel können eben nicht überall zeitgleich auf dem Fußballplatz für Gutes sorgen.

Für den HSV hat sich die Lage auch mit Rafael van der Vaart nicht verbessert. Im Gegenteil. Die Hamburger grüßen als einzige Mannschaft neben der TSG 1899 Hoffenheim ohne Punkt vom Tabellenende. Und Besserung ist nicht in Sicht. Als nächstes hat sich der Deutsche Meister in der Hansestadt angekündigt. Bei einer nicht ganz unwahrscheinlichen Niederlage gegen Borussia Dortmund dürfte es dann auch für Trainer Thorsten Fink ungemütlich werden. Von der Aufbruchstimmung ist jedenfalls schon jetzt, nach der Niederlage gegen Frankfurt, nicht mehr viel übrig.

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