Neandertalereiweiß unter der Lupe

11. März 2005, 11:07 Uhr

Sie lebten zur gleichen Zeit, doch nur einer hat das Rennen gemacht. Gab es dennoch Vermischungen zwischen Neandertaler und Homo sapiens? Leipziger Forscher haben sich 75.000 Jahre alte Neandertaler-Knochen vorgenommen.

Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie: auf dem Computerbild ist der 75.000 Jahre alte Neandertaler-Knochenfund zu sehen©

Ein von Leipziger Forschern geführtes Team hat erstmals aus den Knochen eines etwa 75.000 Jahre alten Neandertalers ein Protein herausgelöst und dessen Aminosäurebausteine bestimmt. Es handelt sich nach Angaben des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig um das älteste erhaltene Protein, das jemals entziffert wurde.

Wieviel genetische Vermischung gab es?

"Mit Hilfe dieser Analyse können nun auch Fossilien, die keine DNA mehr enthalten, untersucht werden", sagte die Institutssprecherin Sandra Jacob der dpa am Donnerstag. Ähnlich wie die DNA können auch Aminosäuren Informationen über die genetische Verwandtschaft zwischen lebenden und ausgestorbenen Arten liefern.

Speziell interessiert die Wissenschaftler die mögliche genetische Vermischung zwischen dem vor 35.000 Jahren ausgestorbenen Neandertaler dem modernen Menschen. Dafür konnten bisher nur Überreste untersucht werden, die noch DNA-Spuren enthielten.

Knochenfund stammt aus dem Irak

Ältere DNA-Vergleiche mit den frühen modernen Menschen hatten bereits gezeigt, dass die Neandertaler keinen entscheidenden Beitrag zur genetischen Menschheitsentwicklung geleistet haben, obwohl sie theoretisch gemeinsame Nachfahren gezeugt haben könnten. Beide Gruppen existierten zu etwa derselben Zeit nebeneinander. Neandertaler lebten vor etwa 150.000 bis 30.000 Jahren in Europa, Teilen Asiens und des Mittleren Ostens. Der moderne Mensch trat erstmals in Afrika vor etwa 100.000 bis 200.000 Jahren auf.

Von der jetzt entwickelten Methode erhoffen sich die Wissenschaftler noch genauere Erkenntnisse. Der Knochenfund des 75.000 Jahre alten Neandertalers stammt nach Institutsangaben aus der irakischen Shanidar Höhle. Analysiert wurde das Protein Osteocalcin.

DPA

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