. .
Mensch - Hintergründe und Wissen
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
30. Dezember 2007, 12:04 Uhr

Schneidern oder sterben

Weshalb der Neandertaler ausstarb, kann noch immer niemand genau sagen. Ein australischer Forscher vertritt die These, dass der Frühmensch nicht überlebte , weil es ihm an Talent im Umgang mit Nadel und Faden mangelte.

© Picture-Alliance/DPA

Für das Aussterben der Neandertaler könnte ihr fehlendes Geschick mit Nadel und Faden - beziehungsweise Knochenspitze und Sehne - mitverantwortlich gewesen sein: Die Frühmenschen hatten nie gelernt, Kleidungsstücke so anzufertigen, dass sie sich in mehreren Schichten übereinander tragen ließen, und waren deshalb plötzlichen Kälteeinbrüchen praktisch schutzlos ausgeliefert, meint der australische Forscher Ian Gilligan. Damit wären ihnen paradoxerweise gerade ihre robuste Natur und ihre gute Kältetoleranz zum Verhängnis geworden. Der anatomisch moderne Mensch habe schließlich nur deswegen früher die für das Schneidern nötigen Fertigkeiten entwickelt, weil er schon mit einer leichten Abkühlung schlecht zurechtkam, schreibt der Forscher von der Australischen Nationaluniversität in Canberra im Fachmagazin "World Archaeology".

Die Neandertaler verschwanden wahrscheinlich vor etwa 30.000 Jahren von der Bildfläche - kurz vor dem Maximum der letzten Eiszeit und etwa zu der Zeit, als sich der moderne Mensch in Europa auszubreiten begann. Weshalb das passierte, ist unter Wissenschaftlern nach wie vor umstritten. Als Schlüsselfaktoren werden vor allem das Klima und die Überlegenheit des modernen Menschen beim Jagen diskutiert, erläutert Gilligan. Allerdings hält er es genau wie eine Reihe anderer Forscher für merkwürdig, dass der Neandertaler mehr als 100.000 Jahre mit seinen Jagdmethoden glänzend zurechtkam und diese plötzlich nicht mehr ausreichend gewesen sein sollen.

Der moderne Mensch konnte schon vor 90.000 Jahren schneidern

Trotzdem könnten das Klima und eine gewisse Überlegenheit von Homo sapiens die entscheidenden Faktoren gewesen sein - jedoch nicht in Bezug auf die Jagd, sondern in Bezug auf angemessene Kleidung, lautet Gilligans These. Da der moderne Mensch sehr empfindlich gegenüber kühlerem Wetter war, entwickelte er bereits vor etwa 90.000 Jahren und damit lange vor dem Höhepunkt der Eiszeit eine frühe Form des Schneiderhandwerks. Dazu gehörten Werkzeuge wie Steinklingen, Knochenspitzen und später auch Knochennadeln, mit denen sich Tierhäute zuschneiden und zusammennähen ließen. Auf diese Weise war es möglich, komplexe Kleidungsstücke inklusive Unterwäsche herzustellen, die den Körper optimal umschlossen und ihn so warm hielten.

Der Neandertaler hingegen war besser an niedrige Temperaturen angepasst und benötigte während normaler Klimaphasen keine zusätzliche Kleidung, abgesehen von umgehängten Tierhäuten. Als dann jedoch der Höhepunkt der Eiszeit mit seinen extremen Temperaturen kam, konnten die Neandertaler nicht schnell genug reagieren: Ihnen blieb keine Zeit mehr, die notwendigen Fertigkeiten zu entwickeln. Gilligan hält es daher für wahrscheinlich, dass viele von ihnen erfroren seien - und die das Aussterben der Frühmenschen besiegelt habe.

DDP
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Menschliche Evolution Tête-à-tête zwischen Neandertaler und Homo

Zwischen Neandertaler und modernem Menschen gab es wohl auch sexuelle Kontakte. Neue Untersuchungen menschlicher Knochen deuten darauf hin, dass sich beide gekreuzt haben. mehr...

Neandertaler Forscher setzen Gen-Puzzle zusammen

Erstmals haben Forscher größere Teile des Neandertaler-Genoms entschlüsselt. Das Erbgut des Urmenschen verrät ihnen auch einiges über die Wurzeln des Homo sapiens. mehr...

Urmensch Neandertaler lebte sogar in Sibirien

Bislang galt Usbekistan als östlichster Fundort von Neandertalerknochen. Doch jetzt haben Forscher fossile Überreste eines neunjährigen Jungen in Südsibirien gefunden - ein Hinweis darauf, dass die Urmenschen noch viel tiefer im Osten lebten als bis jetzt angenommen wurde. mehr...

 
stern testen, Serie sichern

Jetzt den stern inklusive der aktuellen Gesundheits-Serie testen! Jetzt sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (7/2012)
Unser täglich Fleisch