Die Bilder der Gorilla-Mutter, die ihr totes Baby durch das Gehege des Zoos in Münster trägt, schockieren. Im stern.de-Interview erklärt Zoo-Experte Harro Strehlow, dass es sich dabei um ein instinktives Verhalten handelt. Und dass man von Trauer besser nicht sprechen sollte.

Die Gorilla-Mutter mit ihrem toten Baby im Zoo in Münster© Frank Augstein/AP
Die Gorilla-Mutter hat schlichtweg noch nicht erkannt, dass ihr Baby gestorben ist. Momentan folgt sie nur ihrem natürlichen Trageinstinkt, der bei vielen Affenarten zu beobachten ist. Sobald die Mutter registriert, dass ihr Baby nicht mehr am Leben ist, wird sie es auch fallen lassen.
Das ist schwer zu sagen. Normalerweise dauert ein derartiges Verhalten nur wenige Tage an. Die Mutter erkennt irgendwann, dass ihr Baby nicht mehr die normalen Verhaltensweisen wie Trinken, Essen, etc. zeigt.
Nein, überhaupt nicht. Ein solches Verhalten ist bei Gorillas ebenfalls in freier Wildbahn zu beobachten. In Zoos kommt es sogar eher seltener vor - ganz einfach deswegen, weil dort die Überwachung durch die Pfleger gegeben ist, wodurch weniger Jungtiere sterben als im natürlichen Lebensumfeld.
Ich meine, es handelt sich dabei um eine ethische Frage: Will man dem Besucher dieses Bild zumuten? Der Zoo in Münster hat sich dafür entschieden. Ob man dem Muttertier schaden würde, wenn man ihm das Baby wegnimmt, lässt sich nicht sagen. Wissenschaftliche Studien gibt es dazu nicht.
Genau. Woher sollte man das wissen? Es ist eine sehr menschliche Interpretation, das Verhalten der Gorilla-Mutter als Trauer zu deuten. Das aber würde voraussetzen, dass Tiere ein Bewusstsein von Tod haben. Aber auch das lässt sich nicht sagen. Tierversuche dazu gibt es - glücklicherweise! - nicht.
Interview: Björn Erichsen
Zur Person Doktor Harro Strehlow ist promovierter Biologe und Zoohistoriker. Er verfügt über langjährige Erfahrung in der Zootierhaltung.