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Autofahren in Afrika: Bei Rot: Gas geben!

"Drive to Survive" lautet das Motto von Glen Edmunds Fahrschule in Nairobi. Der Rallyefahrer bietet in der Hauptstadt von Kenia "Anti-Carjacking"-Kurse an, in denen vermittelt wird, wie man die vielfältigen Gefahren auf Afrikas Straßen meistert.

Von Roland Brockmann

Diesmal gerieten die Räuber an ihren Meister: Als Glen Edmunds auf dem Nachhauseweg bewaffnete Gangster direkt vor dem eigenen Bungalow in Nairobi auflauerten, trickste der Rallyefahrer die Räuber mit einem geschickten Wendemanöver aus und kam mit heiler Haut davon. Kein Wunder: Edmunds hat zweimal die "Kenya Safari Rally" gewonnen. Ihm macht keiner so schnell etwas vor.

Im eigenen Haus verbarrikadieren sich Einheimische wie Expatriates in Afrika längst hinter Wachleuten und Elektrozäunen - das Heim als Hochsicherheitstrakt. Aber irgendwann ist jeder unterwegs von A nach B, und da schlagen die Gangster deshalb gerne immer öfter zu. Der Weg als Gefahr.

Vollgas auf sandigem Boden

Rallyefahrer Glen Edmunds bietet in Nairobi daher inzwischen "Anti-Carjacking"-Kurse an. "Drive to Survive" - Fahren, um zu überleben - lautet das Motto von Glen Edmunds Fahrschule. Vierstunden Theorie (inklusive Psychotraining: "mit den Entführern kooperieren", dazu vier Stunden Praxis mit Vollgas auf sandigem Boden, vorwärts wie rückwärts. Oder das Fahrzeug per Vollbremsung um 180 Grad drehen.

Edmunds Grundregeln für sicheren Verkehr: Auf keinen Fall im Dunkeln an einer Roten Ampel halten. Sie entdecken einen Verletzten am Straßenrand? Besser weiterfahren, es könnte eine Falle sein. Auch zwei oder mehr junger Männer im Nachbarauto können in Afrika bereits als Gefahr gewertet werden. Immer den Rückspiegel im Auge behalten und bereits beim Kauf des Wagens beachten: Entführer sperren ihre Opfer gerne in den geschlossenen Kofferraum, als Schutzschild gegen eventuell verfolgende Polizisten, auf das diese nicht gleich losballern. Aber werden die sich auch an diese Regel halten? Also besser einen Kombi wählen. Und bei Glen Edmunds einen Kurs besuchen.

Ein Industrieviertel am Rande der Stadt. Zwischen den Lagerhallen sind mit Verkehrshüten Fahrparcours aufgebaut. Hier kann man ordentlich Gummi geben. Aber beherrscht man den Wagen auch? Bei den Kursteilnehmern bricht das Fahrzeug ständig aus. Aufs Gas drücken ist leicht, nicht aber den Wagen im entscheidenden Moment auch unter Kontrolle zu halten.

Nacht im Kofferraum

Nach drei Entführungen hat sich auch Edmund Makenzi, 50, entschlossen, am Kurs Drive to Survive teilzunehmen. Vor den anderen Kursteilnehmern, meist einheimische Fahrer von Hilfsorganisationen, aber auch zwei europäische Manager, erzählt er von seiner Nacht im Kofferraum: "Ich fuhr als Gast mit einem Taxi, in einer dunklen Seitenstraße, als ein Pick-up plötzlich den Weg blockierte. Drei Männer mit Pistole sprangen von der Ladefläche zwangen uns die Türen zu öffnen und dann auf die Rückbank." Die Gangster steuerten den Wagen in eine abgelegene Gegend, wo sie Makenzi und dem Taxifahrer Geld, Uhren, Handys abnahmen und in den Kofferraum einsperrten. Dann ging die Fahrt weiter, etwa eine Stunde.

"Zum Glück was es Nacht und deshalb nicht so heiß, aber zu zweit in dem engen Raum, das war fürchterlich", erinnert sich Makenzi. "Schließlich hielten die Gangster an und stiegen aus, sie redeten laut darüber woher sie Benzin kriegen sollten. Und dass ein Mann zur Bewachung beim Wagen bleiben würde. Aber das war in Wahrheit Fake! Tatsächlich ließen alle drei Räuber uns im Glauben zurück, noch immer in Gefahr zu sein. Also blieben wir still, und zwar bis morgens um sechs", als Makenzi schließlich Passanten hörte und sich mit Rufen bemerkbar machte. "Der Taxifahrer war trotz allem tatsächlich eingeschlafen, hatte die ganz Nacht über geschnarcht!" Da müssen nun alle Kursteilnehmer lächeln - es ist ja noch einmal gut gegangen.

Gangster-Trick: Nagelbretter

Erst im blendenden Morgenlicht hatten die Befreiten überhaupt realisiert, wo sie sich befanden: nahe der Ngongroad, einer ohnehin berüchtigsten Straßen Nairobis, auf der im letzten Jahr ein hoher russischer Botschaftsbeamter entführt wurde. Beliebter Trick der Gangster hier: Nagelbretter. Glen Edmunds Rat: "Auch mit vier platten Reifen kann ein Wagen noch gut davon ziehen! Aber bei Blockaden stets darauf achten, ob sie Raum für den Rückwärtsgang haben. Sind Sie eingekeilt, ist es besser aufzugeben."

Leichte Angriffspunkte für Autoentführer sind laut Edmunds alle Situationen, in denen der Wagen verlangsamt oder gar zum Halt kommt: Staus, Schlaglöcher und natürlich der Eingang zum eigenen Grundstück. Während der angestellte Wachmann das Tor öffnet, tauchen aus dem Gebüsch plötzlich bewaffnete Banditen auf und kapern den Wagen.

Auf der unbeleuchteten Straße gab es kein Entkommen

Und so passierte es übrigens auch dem Autor, als er in der Hauptstadt des Kongo überfallen wurde - ohne selbst am Steuer gesessen zu haben: Der größte Fehler war, zulange neben dem Auto stehen geblieben zu sein, um mit dem Fahrer zu reden. Plötzlich tauchten zwei Bewaffnete auf. Im Wagen hätten wir flüchten können; hinter der Mauer des Hauses wäre ich sicher gewesen. Auf der unbeleuchteten Straße vor dem Grundstück aber gab es kein Entkommen. Mit vorgehaltener Uzi raubten sie uns aus. Und obwohl wir kooperierten, wurden sie immer aggressiver. Um sie zu beruhigen, bot ich an mehr Geld aus dem Haus zu holen.

"Streifschüsse am Kopf und Hüftdurchschuss"

"Ein schwerer Fehler", wie Edmunds erklärt, als ich von meinem Erlebnis berichte. Denn natürlich ließen mich die Gangster nicht alleine ins Haus gehen. Tatsächlich hatte ich so erst eine noch gefährlichere Situation geschaffen: Denn in der Wohnung waren wir nun ganz allein. Die Banditen drohten gar mich zu erschießen. Als ich mich in letzter Not dann doch wehrte, drückten die Gangster ab. Ich erlitt Streifschüsse am Kopf und einen Hüftdurchschuss, bevor die Angreifer wie durch ein Wunder flüchteten. Vielleicht war ihnen die Munition ausgegangen. Doch dazu hätte es gar nicht kommen dürfen. Und hätte ich bereits vorher an dem Kurs "Drive to Survive" teilgenommen, wäre es das wahrscheinlich auch nicht.

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