HOME

C4 Picasso: Unterwegs im Glashaus

Mit dem neuen C4 Picasso drängt Citroën in den bereits dicht besetzten Van-Markt. Überzeugen soll vor allem sein Schaufenster-Konzept.

Bernard Casanova hat sie alle gezählt. Der stellvertretende Kommunikationsdirektor von Citroën in Frankreich kam auf 25 Großraumlimousinen mit bis zu sieben Sitzen, die in Europa um Kundschaft buhlen. Nicht mehr viel Platz auf dem Markt für noch eine Familienkutsche dieser Gattung.

Trotzdem hat der französische Autobauer kürzlich den Citroën C4 Picasso in die Verkaufsräume geschoben, einen weiteren Siebensitzer. Begründung: Kleine Vans hören bei 4,50 Meter Länge auf, große fangen bei 4,70 Meter an. Damit die Kunden den kaum wahrnehmbaren Unterschied verstehen, muss etwas Besonderes geboten werden. Zum Beispiel die Weitwinkel-Panoramafrontscheibe, die kein Konkurrent hat. Der Blick da durch ist außergewöhnlich großzügig, weswegen die Marketing-Wortdrechsler auf den Beinamen "Visiospace" gekommen sind.

Das sieht sicher doll aus, aber visionär? Die 30 Zentimeter weit ins Dach gezogene Glasfläche bietet zwar beste Sichtverhältnisse - doch nur in die Ferne. Vom Fahrersitz aus ist das vordere Ende des Wagens (wie bei vielen Vans) nur zu erahnen, was das Einparken nicht gerade erleichtert. Zusammen mit den ebenfalls üppig bemessenen Scheiben seitlich und hinten sind im C4 Picasso 5,2 Quadratmeter Glas verbaut. Und ab 650 Euro extra gibt es in den Ausstattungsvarianten "Tendance" und "Exclusive" zusätzlich ein Panoramadach, was den Wagen mit dann 6,4 Quadratmeter Glas im Sommer zum fahrenden Treibhaus machen dürfte. Und scheint die Sonne grell rein, nützen wahrscheinlich auch die tablettgroßen Sonnenblenden nichts.

Wer nun annimmt, dass es gerade wegen eventuell unangenehm hoher Temperaturen für die Basisversion "Advance" eine Klimaanlage wenigstens gegen Aufpreis gibt, wird enttäuscht. Serienmäßig dagegen ist eine dritte Sitzreihe mit zwei versenkbaren Stühlen im Heck. Auf den Plätzen können sogar Erwachsene vorübergehend ausreichend bequem sitzen - sofern sie nicht über die Statur eines Basketballspielers verfügen. Gleiches gilt für drei normal gewachsene Menschen in Reihe zwei. Und vorn werden sich Fahrer und Beifahrer bei einer Ellenbogenfreiheit von 1,51 Metern kaum in die Quere kommen.

Drängler wird von Polizei überrascht.

Das Fahren erinnert stark an die Philosophie vergangener Jahre: Kein sportlich-hartes Fahrwerk, sondern viel Komfort. Die weiche Federung bügelt schlechte Straßen zwar gut weg, doch zusammen mit der indirekten Servolenkung erzeugt das ein schwammiges Gefühl. Ein Schaltgetriebe mit fünf Gängen erhält nur, wer sich für den kleinsten Diesel- oder Benzinmotor entscheidet. Die beiden größeren Aggregate gibt es mit Viergang-Automatikgetriebe oder elektronisch gesteuertem Sechsganggetriebe, das entweder automatisch arbeitet oder über Wippen am Lenkrad bedient wird. Ansonsten ist der Franzose mit dem Schleuderverhinderer ESP, sieben Airbags, Partikelfilter (bei Dieselmotoren) oder Tempomat gut ausgestattet. Die Extraliste ist nicht lang. Klasse zum Beispiel die elektrisch herunterfahrbare Scheibe in der Heckklappe (380 Euro), was den Zugang zum Kofferraum in engen Parklücken ermöglicht.

Ab Version "Confort" gehört sogar ein Parfümspender zur Serie - wahlweise mit einem Anti-Tabakparfüm.

Hans-Robert Richarz / print
Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity