Concept A Feuer und Flamme für den Eisprinzen


VW träumt einen Mädchentraum. Einmal schöner sein, als die Natur es wollte. Für diese Vision wurden Hunderte nach Berlin gebeten, alte Schuppen geflutet und Eisblöcke entflammt. Ja, nichts ist unmöglich, Volkswagen.
Von Gernot Kramper

Bange Sekunden, knisterndes Eis und dann kommt er - der Retter aus Wolfsburg - in die Halle geritten: Prinz Bernhard, der Erneuerer. Konzern- und Fahrzeuglenker in einer Person. Dieses Mal trägt ihn die Studie "Concept A" vor das staunenden Volk. Für den spritzigen Auftritt wurde die alte Bahnhofshalle folienverschweißt und unter Wasser gesetzt - damit die Gäste ihre Häppchen trockenen Fußes genießen konnten, wurden für sie Pontons und Stege verlegt. Prinz Bernhard spritzt nun gewaltig durch das pfützentiefe Nass und schwenkt das Unikat "Concept A" zielstrebig zwischen gewaltigen Eisblöcken hindurch. Welch Wagnis - hätte er das handgefertigte Concept-Stückchen in die Eisbrocken krachen lassen, wäre die Blamage groß. Für das gelungene Einparkmanöver gab es Applaus und Feuerwerk.

Die Elementarteilchen der Reklame

Wer mit Sitten und Gebräuchen der Autobauer nicht vertraut ist, mag sich zwischendurch fragen: Wasser, Eisblöcke? Was soll denn das? Cool soll es sein und heiß aussehen, mit kunstvollen Apparaturen wurden die Eiszapfen im Laufe des Abends sogar in Feuer getaucht. Botschaft: Auch wenn die Zeiten schlecht sind, muss doch nicht gegeizt werden.

Stefan Marquard, der Küchenpunk mit Zipfelbart, servierte Ochsenfilet mit Jakobsmuschel oder Wildlachs mit Honig. Nachdem die Kracher von Kosheen die ältlichen Fachbesucher vetrieben hatte, gesellte sich die Goldene Jugend der Hauptstadt zu den Prominenten. Auch die erprobten Büffet- und Champagnermarodeure durften sich am Gabentisch von Volkswagen laben.

Die Inszenierung hatte also Hauptstadt-Niveau, aber wie sieht es mit dem Auto aus? Da hüpft das Herz nur ein wenig, selbst wenn Heroinnen wie Tina Roland (Ja, genau die süße Friseurin aus "Manta, Manta") nun auch mal VW-Lenker sitzen.

Was länge währt, wird ....

Concept A soll ein so genannter Small SUV werden. Einen Wagen den VW vor vier Jahren hätte bringen sollen, nun soll die Serie 2008 beim Händler stehen. Sieben Jahre Verzug sollte beim Auto zum Reifen reichen, aber wer deshalb gedacht hat, im Berliner Glanz würde sich eine Studie sonnen, die man irgendwann einmal in etwa so, wie sie jetzt aussieht, wird kaufen können, wurde enttäuscht.

Es wurde ein Blech gewordenen Absichtserklärung und Willensbekundung vorgestellt. Im Concept A schminkt sich heute VW einmal so, wie VW in Zukunft aussehen möchte. "Das ist die erste Kostprobe, wie die Zukunft bei VW aussehen könnte", sagte Marken-Vorstandschef Wolfgang Bernhard. Richtig losgehen soll es dann später. "Ab 2008 wird unsere Produktoffensive beginnen. Die Designer und Entwickler arbeiten bereits intensiv an insgesamt 20 neuen VW-Modellen, und mit zehn von ihnen wird die Marke Neuland betreten." Für den Missklang von schönen Absichten und trüben Tagesaussichten kann Herr Bernhard wenig, bei Volkswagen kommen derzeit wie in anderen Häusern auch, die Sünden der Väter auf die Häupter der Nachfolger.

Wolfsburger Traumschloss

In der Tat sieht das Concept A beachtlich aus, der Wagen bietet eine kraftvolle Synthese aus Coupé und SUV. 4,35 Meter lang, wird der handgemachte Prototyp mit von einem 1,4-Liter-TSI-Motor mit 150 PS angetrieben. Der kleine Bruder des Touareg ist spannungsreich und kraftvoll geschwungen aufgebaut, die Dominanz der schnellen Linie scheint im VW-Konzern zu Ende zu gehen. Mehr Emotionen, mehr Kraft verheißt die Zukunft. Der Markengrill wurde geschickt weiterentwickelt, auch das Heck kann nur gefallen. Andere Hauptsächlichkeiten wie die Frontscheinwerfer bedürfen dringend der Überholung, den Raubvogellook bekommt ein Anbieter aus München seit Jahren besser hin.

Zukunfstfähigkeit demonstrieren

"Kleiner Bruder des Touareg", diesen Satz sollte man mit Einstiegspreis um 27.000 Euro übersetzen. Im Moment ruht der Wagen satt auf Felgen und Reifen. Designer Marc Lichte (Exterieur) und Tomasz Bachorski (Interieur) sind begeistert, wie "geil" der Wagen auf der Bühne steht. Kein Kunststück, muss man da unken, wenn 295er Gummis auf 20 Zoll verchromter Felgen gezogen werden. Solche Pimp-My-Ride-Eskapaden gibt es am Fließband nicht mehr, vorbei ist es dann mit dem Big-Foot-Look. Auch diese Studie prunkt mit sich gegenläufig öffnenden Türen, eine Zutat, die den Innenraum so großzügig und transparent macht, und die dennoch fast nie gebaut wird. Für den spöttischen Ton des Artikels müsste man sofort Abbitte leisten, wenn ausgerechnet VW genug Mut und Ideenreichtum aufbietet, die Flip-Flop-Tür preisgünstig zu bauen. Wenn.

Dabei sieht das Concept A großartig aus und zeugt vom Erneuerungswillen bei VW. Früher war der Golf das Maß der Dinge, Emotionen musste er nicht ansprechen. In Zukunft wird es nicht reichen, nur gute Autos zu bauen. Concept A zeigt eindrucksvoll, dass VW Blech so formen kann, dass es begeistert. Die leidige Mäkelei stellt sich eben ein, weil ein Traumschloss gezeigt wird, wo längst ein Serienfahrzeug hätte sein sollen. Die Sünden der Väter eben.


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