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Ukraine-Krieg Warum Elektroautos wie Tesla bis zum Jahresende um Tausende Dollar teurer werden könnten

Ein Tesla Model Y ist zum Tag der offenen Tür in einer Produktionshalle der Tesla-Gigafactory zu sehen
Die Produktion des Tesla Model Y in der Tesla-Gigafactory. Der Ukraine-Krieg lässt die Preise von Elektroautos um mehrere tausend Dollar ansteigen.
© dpa-Zentralbild | Patrick Pleul / Picture Alliance
Elektroautos könnten bald noch mal deutlich teurer werden – vor allem jene von Tesla. Der Preis für das Tesla Model Y könnte bis zum Ende des Jahres sogar um bis zu 8000 Dollar zunehmen. Die Ursache liegt in den Folgen des Ukraine-Kriegs.

Der Ukraine-Krieg hat extreme Auswirkungen auf die Wirtschaft weltweit. Lieferengpässe und Sanktionen gegen Russland treiben die Preise in die Höhe. Rohstoffe sind rund einen Monat nach dem Kriegsbeginn deutlich teurer geworden.

Dieser Anstieg könnte sich nun auf die Kosten von Elektroautos auswirken. Beliebte Automodelle, insbesondere das Tesla Model Y, könnten aufgrund der entstandenen Lieferengpässe deutlich teurer werden.

Der Preis für dieses Model könnte demnach um fast 8000 Dollar zunehmen. Das geht aus einem Bericht der Autoanalysten S&P Global Mobility hervor, der diesen Monat veröffentlicht wurde und der US-amerikanischen Automobilzeitschrift "Automotive News" vorliegt. Dabei handelt es sich auch um jenes Tesla-Modell, welches zunächst in der am Dienstag offiziell eröffneten Gigafactory in Grünheide produziert wird.

Die Kosten der Batterierohstoffe für den Mercedes-Benz EQS könnten ebenso steigen: im Vergleich zu 2021 um 11.000 US-Dollar. Ola Källenius, Vorstandschef der Mercedes-Benz Group, sagte vergangene Woche aber, dass der deutsche Autobauer trotz der erhöhten Kosten an seinen Investitionsplänen für die Elektromobilität festhalten wolle.

Ukraine-Krieg lässt Nickelpreis stark ansteigen

Grund für den prognostizierten Preisanstieg ist vor allem der Engpass um das Metall Nickel, ein wesentlicher Bestandteil der meisten Batterien von Elektroautos. Autobauer verwenden Nickel als Alternative zu Kobalt, welches wegen möglichen Menschenrechtsverletzungen im Kongo bereits in der Kritik stand.

Russland spielt eine enorme Rolle auf den Nickelmärkten; es ist der weltweit drittgrößte Lieferant dieses Metalls. Nornickel, der weltgrößte Nickelproduzent mit riesigen Anlagen in Sibirien, ist dazu berechtigt, eine spezielle Form von Nickel an der Londoner Metallbörse, an der das gesamte Nickelhandel abgewickelt wird, zu verkaufen – die Anzahl der dafür berechtigten Unternehmen ist begrenzt.

Anfang März lag der Preis dann zeitweise bei mehr als 100.000 US-Dollar pro Tonne. Der Handel an der Londoner Rohstoffbörse wurde in der Folge für eine Woche ausgesetzt. Zum Vergleich: In den vergangenen zehn Jahren wurde Nickel zwischen 10.000 und 20.000 Dollar pro Tonne gehandelt.

"Es ist klar, dass bei den derzeitigen Preisen jede Preissenkung, die mit den Skaleneffekten der Batterien zusammenhängt, zumindest durch die gestiegenen Inputkosten wieder zunichte gemacht wird", heißt es im Bericht.

Es sei auch klar, dass die Wahrscheinlichkeit einer Verzögerung des Wendepunkts für die Kostenparität zwischen Verbrennungsmotoren und Elektrofahrzeugen – eine wichtige Kennzahl zur Messung der Akzeptanz batterieelektrischer Fahrzeuge – deutlich zunehme, sollten die hohen Preise bis 2023 und darüber hinaus anhalten.

Tesla: Suche nach alternativen Nickel-Quellen

Automobilhersteller, die auf Rohstoffe wie Nickel angewiesen sind, haben bereits mit der Suche nach Möglichkeiten begonnen, sich gegen künftige Krisen zu schützen. So hat beispielsweise VW angefangen, Nickel direkt von Bergbauunternehmen zu kaufen. 

Und der deutsche Chemiekonzern BASF, der Nickel und Kobalt für Autobatterien herstellt, will wegen des Ukraine-Kriegs keine Verträge mehr mit Nornickel abschließen. Andere Hersteller hätten angedeutet, die gleichen Absichten zu haben. Europa und die USA werden sich vermutlich darum bemühen, Rohstoffe verstärkt aus den eigenen Ländern zu fördern. 

Bis neue Bergbaubetriebe eingerichtet sind, werden wahrscheinlich jedoch Jahre oder sogar Jahrzehnte vergangen sein. Grund dafür sind Genehmigungen und Finanzierungen, die vorab umgesetzt werden müssen. Bis es also soweit ist, muss mit höheren Preisen gerechnet werden.

 

Autobauer stellen Produktionen um

Mercedes gab bekannt, dass etwa 2,2 Milliarden Dollar seiner Vermögenswerte in Russland gefährdet sind, sollte das Land das Eigentum ausländischer Unternehmen enteignen, die Russland aufgrund des Ukraine-Kriegs den Rücken gekehrt haben. Ein Vorschlag des russischen Gesetzgebers sieht vor, die vorübergehende Kontrolle der Unternehmen zu übernehmen, deren ausländischer Anteil bei über 25 Prozent liegt.

Der Stellantis-Konzern kündigte an, seine Transporterproduktion von Russland nach Westeuropa zu verlegen und seine Investitionspläne in Russland vorerst ruhen zu lassen. VW-Konzernchef Herbert Diess teilte als Reaktion auf den Krieg mit, dass das Unternehmen seine Produktionen in China und in Nordamerika ausbauen will.

Während BMW ankündigte, zwei Werke in Deutschland sowie eins in Großbritannien wieder vollständig in Betrieb nehmen zu wollen, die wegen der Engpässe stillgelegt worden waren, schloss Audi erst vergangene Woche ein Werk in Deutschland. BMW rechnet indes aber auch mit niedrigeren Gewinnmargen für das Geschäftsjahr 2022. Auch S&P Global Mobility senkte seinen Prognosen für die weltweite Fahrzeugproduktion in diesem sowie nächstem Jahr um jeweils 2,6 Millionen Fahrzeuge.

Der angenommene rasante Preisanstieg kommt zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt für die Automobilindustrie. Denn momentan planen die Hersteller zahlreiche neue Elektroauto-Modelle, doch die steigenden Preise könnte die Akzeptanz von Elektroautos bei Verbrauchern verringern, warnen die Analysten von S&P Global Mobility.

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Quellen: Automotive News, The New York Times

nk

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