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Audi A4 1.8 TFSI: Kein Mitleid mit den Lohnempfängern

Nutzfahrzeug für den Außendienstler, das war einmal. Der neue A4 bringt Lifestyle, Luxus und viel Fahrspaß in die Garage. Gegen Aufpreis kann jeder Depp wie ein Rallyefahrer um die Kurven zwitschern. Klamme Interessenten sollten sich selbstkritisch fragen: Bin ich selbst eigentlich Premium?

Von Gernot Kramper

Als Allround-Aggressor mischt der A4 die Mittelklasse auf. In drei scheinbar widersprüchlichen Disziplinen will der Mittelklassewagen aus Ingolstadt die Konkurrenz überflügeln. Mehr Platz, mehr Komfort und mehr Sportlichkeit sollen es sein. Nur "besser aussehen" muss er nicht, denn Audi geht ohnehin davon aus, die schönsten Wagen auf die Piste zu schicken.

Die Limousine kann das bereits vorgestellte Coupé nicht ausstechen, mit der neugestalteten Front bringt sie aber wesentlich mehr Emotionalität in die Dienstwagenklasse. Dazu tragen die Lufteinlässe bei, vor allem aber die sexy Lidstriche der LED-Leuchten. Keine Frage, dieser Wagen weckt Begehrlichkeiten. Optisch spannender wird der Avant, bei ihm gibt kein Coupé die Linie vor. Für "mehr Platz" wuchs der A4 auf stattliche 4,7 Meter, Audi scheut dabei keinen Aufwand, damit der Zuwachs vor allem dem Radstand zugute kommt. Der vordere Überhang fällt sensationell klein aus, von einem Ingolstädter Nasenbären kann niemand mehr sprechen. Fahrer und Beifahrer sitzen sehr großzügig, vor allem in der Schulterbreite wirkt der A4 nicht so eng angegossen wie ein 3er von BMW. Geradezu sensationell ist die Beinfreiheit im Fond, auch lange Fahrten lassen sich ohne Pein überdauern. 460 Liter Kofferrauminhalt sollten ebenfalls genügen. Verarbeitung und Ergonomie sind Audi-typisch die Benchmark im Segment.

Schon Spaß mit kleinerem Motor

Der kleinste zum Marktstart vorhandene Motor ist der 1.8 TFSI mit der 160 PS-Version, eine auf 120 PS runter gehungerte Sparversion folgt später. 120 PS sind für ein Prestigefahrzeug etwas wenig, aber mit 160 Pferdestärken ist der A4 zünftig ausgestattet. Sie reichen für eine Beschleunigung von in 8,6 Sekunden für den 100 km/h-Sprint, die Höchstgeschwindigkeit wird bei 225 km/h erreicht. Der Durchschnittsverbrauch liegt dann bei 7,1 Litern.

Wer lenkt noch selbst?

Als technisches Leckerli bietet Audi eine neuartige Dynamiklenkung auf. Ein spezielles Getriebe - kaum faustgroß - verändert mit Hilfe eines Elektromotors das Verhältnis von Radwinkel und Lenkeinschlag. Bei langsamer Fahrt in der Tiefgarage genügt ein kleiner Einschlag, um auf den Platz zu kommen. Bei schneller Fahrt auf der Autobahn reagiert die Lenkung großzügiger, und der Fahrer muss nicht mit jedem Grad Lenkeinschlag kalkulieren. Mit dem System "Audi Drive Select" werden in drei Einstellungen (Komfort, Auto und Dynamik) Dämpferabstimmung und Gasannahme aufeinander abgestimmt. So will Audi den klassischen Zielkonflikt Komfort versus Sportlichkeit auflösen. "Wir werden die fahrdynamisch besten Modelle in jedem Segment bauen", lautet ja das bescheidene Ziel, so Ralph Weyler, Vertriebsvorstand von Audi.

Hoher Spaßfaktor

Zur Serie gehören beide Optionen nicht. Was ist von den Neuerungen zu halten? Auch ohne sie überzeugen Fahrverhalten und Kurvenlage des Wagens. Die Dynamiklenkung unterstützt den Fahrer in jeder Situation, besonders spürbar ist sie bei schneller Fahrweise auf kurviger Straße. Entsprechend heraus gefordert kann der Fahrer dieses Feature tatsächlich "erfühlen". Ein merklicher Fortschritt, anders als das Dämpfersystem "Magnetic Ride" im TT. Nebenbei hilft die aktive Lenkung bändigende Eingriffe der Elektronik weniger demütigend zu gestalten. Dass klassische ESP fängt den Wagen mit zwei Methoden ein: Bremsen auf einzelnen Reifen und Leistungswegnahme am Motor. Im Zweifel ist das lebensrettend, der Hobby-Rallyefahrer wird aber immer unsanft daran erinnert, dass er die Situation nicht gemeistert hat, wenn der Wagen abgebremst aus der Kurve tuckert. Nun steuert der Wagen selbsttätig entgegen. Fahrmanöver, die selbst Sportpiloten in dieser Präzision und Geschwindigkeit kaum zuwege bringen, gibt es jetzt per Aufpreisliste. So etwas kann sehr viel Spaß machen, wenn man bereit ist, darüber hinwegzusehen, dass wenig dazu gehört, den Computer millimetergenaues Gegensteuern exerzieren zu lassen. Nebenbei vergrößert diese Technik auch den Sicherheitsbereich der Elektronik.

Auf in den Autohimmel

Audi-Chef Rupert Stadler verkündet: "Dieses Auto wird mehr als jedes andere unsere Zukunft bestimmen." Die Evolution des A4 sei der augenscheinliche Beweis, wie sich bei Audi Fahrzeuge, Marke und Kunden entwickelt haben, hieß es bei der Präsentation. In der Tat, das ging steil bergauf, so steil, dass mancher Hütchenträger von der Heckklappe rutschte. Audi ist jetzt Premium, aber nicht jeder alte Audi-Kunde legte eine vergleichbare Karriere hin.

Vielleicht kommt daher auch das Gemoser an den hohen Autopreisen. Im Januar 2008 wird Einstiegs-A4 für weniger als 26.000 Euro ausgeliefert, dafür gibt es eine Motorisierung von übersichtlichen 120 PS, der 1.8 TFSI mit 160 PS kommt immerhin schon auf fast 29.000 Euro. Dafür fährt er schon recht stramm, mit einigen Extras sollte ein sparsamer Audikunde also mit 35.000 Euro auskommen. Und das ist natürlich nur der Einstieg ins Audi-Ausstattungs-Paradies. Mit Allrad, Leder, BiXenon, großer Navigation, dem S-Paket, kühlenden Sportsitzen und der smarten Lenkung nimmt ein Sechszylinder Kurs auf die 55.000 Euro-Grenze. Beschweren kann man sich dennoch nicht: So mit Annehmlichkeiten vollgestopft handelt es sich um ein Oberklassenfahrzeug im Kompaktgewand. Unangenehm, wird es, wenn Banalitäten wie ein Gepäckraumnetz oder ein Regensensor Aufpreis kosten. Den erotischen Lidstrich aus LED-Lämpchen gibt es natürlich nicht für lau, die LEDs - deren eigentlicher Preis vernachlässigbar ist - werden nur mit BiXenon-Licht ausgeliefert. Im gesamten Pressematerial und auf der Fahrvorstellung war natürlich kein Fahrzeug mit Standart-Beleuchtung zu entdecken. Zur Zeit des ersten Audi 80 war ein Heckaufkleber populär, dessen Weitsicht man nur bewundern kann. Auf ihm hieß es schlicht: "Eure Armut kotzt mich an".

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.